„Ein Unternehmen ist ein soziales Gebilde“

Die Gründer des Softwarespezialisten Iteratec haben sich dazu entschlossen, ihr Unternehmen schrittweise an eine Genossenschaft zu übertragen. Im Interview erklären Klaus Eberhardt und Mark Goerke, welche Idee sie mit dem Nachfolgemodell verfolgen und wie diese zur etablierten Unternehmenskultur passt.

Eine Ecke für Videospieler: Neben der Arbeit ist Zeit für Zerstreuung.
Eine Ecke für Videospieler: Neben der Arbeit ist Zeit für Zerstreuung.

Über 40 Prozent dieser Kunden kommen aus dem industriellen Automotive-Sektor. Künftig wollen Sie sich stärker diversifizieren und mehr im Mittelstand präsent sein. Wie wollen Sie Ihre Kundenbasis breiter aufstellen?


Eberhardt: Da geht es weniger um Industrie versus Mittelsand, sondern eher um das Geschäftsmodell. Es gibt immer mehr Unternehmen wie etwa Fintechs, die es ohne Software gar nicht geben würde. Diese Firmen mit Technologiekompetenz zu unterstützen ist unser primäres Ziel. Wir bedienen aber auch traditionelle etablierte Unternehmen, die noch nicht stark digitalisiert sind.

Goerke: Wir unterliegen einem gewissen Luxusproblem. Unsere großen Kunden geben uns gerne Folgeprojekte. Das schwächt aber den Druck, neue Kunden zu akquirieren. Deshalb sensibilisieren wir die Kolleginnen und Kollegen, dass wir mehr neue Kunden aus anderen Branchen brauchen. Sonst wird man zu bequem.

Inwieweit spielen Ihnen dabei aktuelle Trends wie die Plattformökonomie in die Karten?

Goerke: Wir haben ja vorhin über unsere Gründungsidee gesprochen: Unser iterativer Ansatz basiert auf Kollaboration und Partizipation. Dieser Stil betrifft nicht mehr nur das Software Engineering, sondern auch die Art und Weise, wie Unternehmen heute zusammenarbeiten. Entwicklungen wie die Blockchain-Technologie oder die Plattformökonomie passen dazu. Aber auch die Shared Economy funktioniert ohne Software nicht effizient. Software ist ein massiver Treiber, und wir wollen den Kunden dabei helfen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.


Zum Unternehmen

Der IT-Dienstleister Iteratec ist seit 1996 am Markt. Zu ihr gehört auch das Beratungsunternehmen kobaltblau Management Consultants. Der Firmenname Iteratec leitet sich von einer iterativen Programmiermethode ab, die sich kollaborativ mit den Kunden in wiederholten Schritten der besten Lösung annähert. Die Kunden kommen mit aktuell über 40 Prozent Umsatzanteil vor allem aus der Automobilbranche, gefolgt von Finanzen, Versicherungen, Logistik, Energie und Handel. Projekte mit der Rüstungsindustrie lehnt Iteratec aus Prinzip ab. Der Umsatz in 2018 betrug rund 43 Mio. Euro, bei einem Wachstum von circa 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. An sieben Standorten in Deutschland, Österreich und neuerdings Polen arbeiten gut 300 Mitarbeiter. Anfang 2019 gehen 49 Prozent des Unternehmens in eine Genossenschaft über, an der etwa zwei Drittel der Beschäftigten beteiligt sind.

www.Iteratec.de

Zu den Personen

Mark Goerke ist Diplom-Mathematiker, Klaus Eberhardt hat einen Abschluss in Informatik. Die beiden lernten sich beim IT-Unternehmen sd&m AG kennen, das heute zur weltweit tätigen Capgemini-Gruppe gehört. Im Jahr 1996 gründeten sie mit Iteratec ihr eigenes Unternehmen. Seit Februar 2017 ist Michael Schulz dritter Geschäftsführer.