Seit etwas mehr als 30 Jahren steht Prof. Thomas Bauer inzwischen an der Spitze der Bauer AG. Im Interview spricht er darüber, wie man mehrere Projekte gleichzeitig vorfinanziert und warum das Deutschlandgeschäft trotz guter Auftragslage schwierig ist.

Sehen Sie sich als Profiteur steigender Infrastrukturausgaben?

Bauer: Uns kommt zweifellos zugute, dass in vielen Regionen wieder mehr Geld in Infrastrukturprojekte fließt. Wir machen neben Bohrungen für große Industrieanlagen ebensolche auch für die Infrastruktur. Sie können sich daher vorstellen, dass wir über diese Entwicklung sehr erfreut sind. In den Industrieländern besteht ein enormer Nachholbedarf, wie man an den vielen maroden Brücken und Straßen deutlich sieht. In den  vergangenen 30 Jahren wurde einfach viel zu wenig in diesem Bereich investiert. Insofern sollte uns diese Umkehr auf viele Jahre eine gute Auslastung im Bau bescheren. Es gibt aber auch einen Wermutstropfen. Mit den Ankündigungen der Politik können die Planungskapazitäten hierzulande keinesfalls Schritt halten. Oder anders gesagt: Wir bringen die Projekte bislang kaum auf die Straße. Uns bremsen hohe Umweltstandards und zu lange Planungsverfahren. Zum Glück sieht es außerhalb Deutschlands in dieser Hinsicht deutlich besser aus.

 Auf alle familiengeführten Unternehmen kommt früher oder später das Thema der Nachfolge zu. Ist die Berufung Ihres Sohnes Florian in den Vorstand demnach auch ein Signal?

Bauer: Ich stehe seit dem Jahr 1986 an der Spitze des Unternehmens. Da macht man sich selbstverständlich Gedanken über Nachfolge, zumal wenn die Familie im Vorstand auch zukünftig vertreten sein soll. Mein Sohn Florian wird sicherlich einen guten Beitrag zur Vorstandsarbeit leisten. Ob er einmal das Unternehmen leiten wird, weiß man erst in fünf oder zehn Jahren. Ich halte jedenfalls nichts davon, zu viel Druck aufzubauen – weder von innen noch von außen.


Zur Person

Prof. Dr.-Ing. Thomas Bauer steht als Vorsitzender des Vorstands seit dem Jahr 1994 an der Spitze der Bauer AG. Er leitet das Familienunternehmen damit in siebter Generation. Die Bauer AG operiert in den drei Geschäftsbereichen Bau, Baumaschinen und Resources. Diese brachten es 2017 auf eine Konzerngesamtleistung von voraussichtlich 1,8 Mrd. Euro. Das Unternehmen ist mit seinen 10.800 Mitarbeitern in rund 70 Ländern tätig. Der Börsenwert beläuft sich aktuell auf 340 Mio. Euro. Das KGV auf Basis von 2018 liegt im Konsens bei elf.

www.bauer.de

Seit dem Erscheinen des Interviews in unserer Printausgabe hat der Börsenwert der Bauer AG um etwa 36 Prozent zulegen können und beträgt  aktuell (Stand 11. Mai, 11 Uhr) 26,75 Euro