„Es gibt immer wieder Momente, in denen man nicht so sicher ist“

In fünfter Generation steht Patrizia Kappus-Becker an der Spitze der M. Kappus GmbH & Co. KG, dem größten Seifenunternehmen in Westeuropa. Aus freien Stücken trat sie die Nachfolge an – auch wenn es nicht immer ganz leicht war.

Studien belegen, dass Tandems zwischen Vätern und Töchtern besser funktionieren als zwischen Vätern und Söhnen.

Das kann ich mir gut vorstellen, weil sich die Frauen nicht gegenüber dem Vater profilieren müssen. Töchter können sich auf eine andere Art und Weise positionieren.

Wie lange wird Ihr Vater operativ noch tätig sein?

Er wird so lange arbeiten, bis er vom Stuhl fällt (lacht). Allerdings kümmert er sich nicht mehr um die Details, sondern beschäftigt sich mit strategischen Dingen. Er verhandelt Verträge und spricht mit den Banken. Natürlich entscheidet er nicht alleine.

Gibt es etwas, das Sie komplett anders machen als Ihr Vater?

Sicherlich habe ich einen etwas anderen Führungsstil. Der meines Vaters war patriarchalischer. Bei meinem Mann und mir ist es eher so, dass wir Entscheidungen im Team suchen, wobei das auch seine Grenzen hat. Allerdings besprechen wir sicherlich mehr, als es mein Vater zu seiner Zeit getan hat.


Zur Person

Kappus-Becker_Patricia_re_B13Mitte der 80er-Jahre stieg Patrizia Kappus-Becker in das Familienunternehmen M. Kappus GmbH & Co. KG ein. Seit 1997 führt sie in fünfter Generation mit ihrem Vater die Geschäfte. In einem Markt, der stagniert, wuchs das Unternehmen vor allem durch Übernahmen. 1992 kauften die Offenbacher das Konsumseifenwerk in Riesa, 2004 die frühere Henkeltochter Dreiring-Werk GmbH und im November vergangenen Jahres das Seifenunternehmen Hirtler aus Heitersheim. Das Unternehmen erwirtschaftet einen Umsatz von rund 64 Mio. Euro und beschäftigt 330 Mitarbeiter.

www.kappus-seife.de

Autorenprofil

Tobias Schorr war von März 2013 bis Januar 2018 Chefredakteur der "Unternehmeredition". Davor war er für die Gruner + Jahr Wirtschaftsmedien im Ressort Geld als Redakteur tätig. Von 2003 bis 2007 arbeitete er zunächst als Redakteur, dann als Ressortleiter beim Mittelstandsmagazin "Markt und Mittelstand". Sein Handwerk lernte er an der Axel Springer Journalistenschule.

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