KfW analysiert schwere Belastungen für Wirtschaft

Foto: © Miha Creative_AdobeStock
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Die KfW Bankengruppe hat eine Untersuchung zur Internationalisierung und Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Mittelstands vorgelegt. Der Bericht analysiert die massiven Auswirkungen der veränderten Weltwirtschaft auf den heimischen Standort. Geopolitische Krisen und neue Handelshemmnisse belasten die Exporte der deutschen Wirtschaft spürbar. Vor allem das Verarbeitende Gewerbe verzeichnet deutliche Einbußen im internationalen Geschäft. Die Umsätze auf den Auslandsmärkten stagnieren seit mehreren Jahren auf demselben Niveau. Laut der KfW Bankengruppe gefährdet dieser anhaltende Stillstand das künftige Wachstum in Deutschland.

Schwächelnde Industrie trifft Dienstleister hart

Die Rückgänge im Export treffen nicht allein die großen Industrieunternehmen. Die deutsche Industrie ist über komplexe Wertschöpfungsketten eng mit Dienstleistern verzahnt. Viele mittelständische Dienstleister arbeiten direkt für exportierende Betriebe. Technische Instandhaltungen und Reparaturen hängen stark von industriellen Produktionsmengen ab. Auch Logistikfirmen und Transportunternehmen spüren sinkende Ausfuhren sofort. Kanzleien für Rechtsberatung und Steuerberatung verzeichnen dadurch ebenfalls weniger Aufträge. Bei einer anhaltenden Schwäche drohen indirekte Wohlstandsverluste in der gesamten Breite der Wirtschaft. Die Wertschöpfung am heimischen Standort verliert so dauerhaft an Substanz.

Verlagerungspläne bedrohen heimische Arbeitsplätze

Immer mehr mittelständische Unternehmen erwägen eine Verlagerung ins Ausland. Fast jedes dritte auslandsaktive Industrieunternehmen plant diesen folgenreichen Schritt. Bei einer tatsächlichen Umsetzung verliert Deutschland rund 7 % seiner industriellen Mittelständler. Früher standen bei solchen Schritten reine Markterschließungen im Vordergrund. Heute treiben vor allem hohe Kosten die Betriebe aus dem Heimatland. Dies gefährdet gut bezahlte Arbeitsplätze in der gesamten Bundesrepublik. Eine Verlagerung ins Ausland schwächt zudem die industrielle Basis der deutschen Volkswirtschaft. Durch eine schleichende Deindustrialisierung verliert das Land wichtige Produktionskapazitäten. Auch das für Deutschland wichtige Prozesswissen wandert damit unwiderruflich ab.

Strukturelle Standortnachteile bremsen Investitionen aus

Die Attraktivität des Standorts Deutschland leidet unter erheblichen strukturellen Problemen. Hohe Energiekosten belasten besonders die chemische Industrie und metallverarbeitende Firmen. Daneben belasten bürokratische Vorschriften und hohe Steuern die Unternehmen im Inland. Auch steigende Arbeitskosten und der akute Fachkräftemangel behindern eine rasche wirtschaftliche Erholung. Der Anteil der Betriebe mit negativen Erwartungen für die Wettbewerbsposition verdoppelte sich. Diese anhaltenden Standortnachteile bremsen wichtige Zukunftsinvestitionen in neue Technologien. Ohne ausreichende Investitionen verliert die Wirtschaft jedoch den technologischen Anschluss. Dies betrifft vor allem digitale Geschäftsmodelle und zukunftsweisende Künstliche Intelligenz.

Wachsender Druck aus Washington und Peking

Die protektionistische Handelspolitik der USA belastet deutsche Betriebe zusätzlich. Hohe Zölle verringern die Margen im wichtigen transatlantischen Geschäft. Viele Mittelständler ziehen sich deshalb bereits aus den USA zurück. Gleichzeitig wächst der Druck durch chinesische Konkurrenten auf den Weltmärkten. Chinesische Hersteller greifen europäische Betriebe über Preise und Qualität massiv an. Deutsche Schlüsselbranchen wie der Maschinenbau und die Automobilindustrie geraten dadurch in Bedrängnis. Der Absatz heimischer Spitzenprodukte sinkt auf vielen bedeutenden Märkten. Die deutsche Wirtschaft verliert dadurch erhebliche Marktanteile an globale Konkurrenten. Neue Exportchancen bei Umweltgütern oder Sicherheitstechnik können diesen Ausfall nicht vollständig ausgleichen.

Die militärischen Spannungen im Nahen Osten treffen die deutsche Industrie empfindlich. Die Blockade der Straße von Hormus verteuert wichtige industrielle Vorprodukte spürbar. Wichtige Grundstoffe wie Aluminium und petrochemische Rohstoffe verknappen sich drastisch. Auch Vorprodukte für Kunststoffe und Halbleiter gelangen nur verzögert nach Deutschland. Steigende Energiekosten schwächen die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Betriebe weiter ab. Das weltweite Wirtschaftswachstum kühlt sich durch die geopolitischen Krisen spürbar ab. Nach Angaben der KfW Bankengruppe steigen damit die Risiken für die gesamte Konjunktur

Binnenmarkt erfordert Abbau von Barrieren

Viele Betriebe planen eine stärkere Ausrichtung auf den europäischen Binnenmarkt. Rund 14 % der exportierenden Mittelständler wollen ihre Aktivitäten dorthin verlagern. Doch noch immer behindern bürokratische Hürden den freien europäischen Handel. Unterschiedliche Produktsicherheitsanforderungen und Zertifizierungen verteuern den Warenverkehr im Binnenmarkt. Im Dienstleistungssektor erschweren nationale Meldepflichten eine grenzüberschreitende Expansion. Deutschland benötigt einen raschen Abbau dieser regulatorischen Hemmnisse in Europa. Nur ein unbürokratischer Binnenmarkt eröffnet mittelständischen Firmen neues wirtschaftliches Wachstumspotenzial. Gleichzeitig müssen deutsche Unternehmen ihre internationalen Lieferketten widerstandsfähiger gestalten. Eine erfolgreiche Diversifizierung schützt den Standort vor extremen geopolitischen Schocks.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen.

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