Peters: Triton und bluu unit haben von Anfang an großen Wert darauf gelegt, die Menschen mitzunehmen. Wir sind ja nicht nur mit einem ERP-System un- terwegs, sondern machen auch digitale Rechnungserstellung, und die Meetings finden in der Regel auch online statt. Es ist wichtig, den betroffenen Personen das System nicht einfach überzustül- pen, sondern den Mehrwert aufzuzei- gen und dann erfahrene Mitarbeiter mit jungen Nachwuchstalenten zusam- menzubringen. Dadurch lassen sich diejenigen, die länger im Betrieb, aber vielleicht nicht so digitalaffin sind, von den Jüngeren für digitale Technik be- geistern. Das heißt, bei der Buy-and-Build- Strategie von Triton haben Sie die Di- gitalisierung gleich mitgedacht? Ysenburg: Ja. Es ist ein wichtiger Bau- stein, denn wir investieren nicht nur in Firmen, wir entwickeln Unternehmen und schaffen nachhaltigen Wert. Vor drei Jahren lag bluu unit noch bei ei- nem Umsatz von 17 Mio. EUR; jetzt sind es knapp 300 Mio. EUR in Deutschland, Irland und der Schweiz. Um ein solch schnelles Wachstum zu erreichen, braucht man mehrere Bausteine. Sie müssen in Digitalisierung, aber auch in Zeit investieren. Man muss die richti- gen Mitarbeiter finden, die die Sprache der Digitalisierung sprechen, aber auch verstehen, was ein Kältetechniker ei- gentlich braucht, denn das ist ein es- senzieller Teil unserer Firmenkultur. Wir hatten bei Triton im Vorfeld rund eineinhalb Jahre investiert, bevor wir mit bluu unit richtig gestartet sind. Heute hat bluu unit eine erfolgreiche Plattform, an der die neuen Unterneh- men nur noch andocken müssen. Das heißt, Herr Peters braucht jetzt ein wenig Fingerspitzengefühl, um neue Unternehmen abzuholen? Peters: Ja. Die Unternehmen unserer Gruppe können technisch hochkomple- xe Prozesse in der Kälte- und Klima- technik abwickeln. Wir geben diesen Experten in ihrem Metier jetzt auch das richtige Mindset mit, damit sie die Vor- teile der Digitalisierung für sich nutzen können. Dadurch sind die erfolgrei- chen Unternehmen unter unserem Dach noch erfolgreicher geworden. Also konnten Sie mit einem offenbar guten ERP-System dann auch die bis- herigen Unternehmer überzeugen? Peters: Richtig. Ich besuche die Unter- nehmen und bespreche weitere Digita- lisierungsschritte wie die Einführung einer Business-Intelligence-Lösung. Damit lassen sich alle Daten innerhalb unserer Gruppe miteinander verbin- den, um noch tiefer gehende Auswer- tungen machen zu können. Es gibt bei uns bereits KI-Tools, die den Unterneh- men enorm Zeit sparen. Dass die Ak- zeptanz dafür vorhanden ist, basiert auf der guten Vorarbeit von Triton – dort wurde das immer gefördert. Die Transparenz, die daraus entsteht, freut Triton sicherlich, weil die Erfol- ge schneller ersichtlich werden. Ysenburg: Ja, Transparenz ist extrem wichtig, um zu sehen, wie sich ein Un- ternehmen entwickelt, und es ist wich- tig für Entscheidungen, die wir für die Zukunft treffen müssen. Schließlich wollen wir eine hochqualitative Unter- nehmensgruppe entwickeln. Letztlich ist die Digitalisierung auch ein Wachstums- beziehungsweise Ex- pansionsmotor für bluu unit, oder? Peters: So ist es. Wir können sehr schnell weitere Kälte- und Klimatech- nikunternehmen bei uns onboarden, die somit nicht bei null anfangen müs- sen. Das ERP-System, das wir jetzt eta- bliert haben, können wir innerhalb von drei bis vier Monaten ausrollen, je nachdem, wie groß die Unternehmen sind. Es gibt viele Unternehmen, die sich bluu unit angeschlossen haben, die selbst vor der Einführung eines ERP-Systems zurückgeschreckt sind und jetzt davon profitieren, dass es bei uns bereits funktioniert. Wie schlagen sich die Synergieeffekte im Alltag nieder? Peters: Es gibt viele ökologische und ökonomische Vorteile. Sie können Ein- kaufsdaten, Vertriebsdaten, Kundenda- ten miteinander im ERP-System in der Plattform teilen. Dadurch lassen sich Einkaufsprozesse optimieren. Wenn unsere Monteure zu Kunden unterwegs sind, optimiert das ERP-System die Routen, sodass die Fahrzeiten kürzer werden. Das System weiß, welche Auf- Digitalisierung träge sich am besten kombinieren las- sen. Das ist ein großer Mehrwert für Service, Wartung und Projektgeschäft. Herr Ysenburg, ist bluu unit ein Vor- zeigeprojekt für Triton Partners? Ysenburg: Mit Sicherheit ist bluu unit ein Beispiel, bei dem unsere Buy-and- Build-Strategie hervorragend funktio- niert hat. Die Erfahrungen, die wir hier gemacht haben, tragen wir jetzt in neue Investments, die ein ähnliches Prinzip in Sachen Digitalisierung verfolgen. Kommen bei bluu unit weiterhin neue Firmen hinzu? Ysenburg: Pro Quartal kommen etwa zwei bis drei Firmen hinzu, darunter teilweise auch kleinere. Wir bewegen uns in einem Marktsegment, in dem wir den Anspruch haben, ein Champi- on zu werden – und dazu gehört es gleichzeitig, der attraktivste Arbeitge- ber zu sein. Wir wollen solchen Unter- nehmen und ihren Mitarbeitern ein echtes Zuhause bieten, in dem sie sich weiter entfalten können. All diese Unternehmen sind sehr erfolgreich, begegnen aber teilweise strukturellen Herausforderungen, für die wir eine Lösung haben. Inzwi- schen kommen Unternehmen auf uns zu und sprechen uns an. Dabei spielt auch die besondere Kultur, die wir bei bluu unit aufgebaut haben, eine große Rolle. Wo sehen Sie die größten digitalen Defizite im deutschen Mittelstand? Ysenburg: In den Sektoren, in denen wir uns als Triton bewegen, sehen wir oft Defizite in der Infrastruktur, die nö- tig ist, um überhaupt die Digitalisie- rung voranzutreiben. Ich habe hierzu- lande Firmenstandorte gesehen, die keine ausreichende Internetversor- gung hatten, weil es in der Region gar kein schnelles Internet gab. Peters: Und wenn Sie dann eine gute Infrastruktur haben, brauchen Sie Mo- deratoren, die andere Menschen be- geistern. Also dann ist Kommunikation stark gefragt, um die betroffenen Perso- nen zu überzeugen, diesen Weg mitzu- gehen. Und das ist, glaube ich, im Mit- telstand die größte Herausforderung. Bei bluu unit ist uns das jedenfalls nachhaltig gelungen. 2/2026 Unternehmeredition | 51