Strategische Neuausrichtung kann Automobilzulieferer retten

@ iStock.com/gorodenkoff
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Die Oliver Wyman Studie analysiert eine Automobilindustrie im Schockzustand. Strukturelle Probleme spitzen sich laut dem Bericht massiv zu. Der TPU-Index für die Handelsunsicherheit erreichte 2025 einen historischen Höchststand. Diese Kennzahl basiert auf der Auswertung von sieben großen Zeitungsarchiven. Protektionismus und politische Spannungen prägen das globale Bild. Laut dem Experten Jörg Giebels ist schnelles Handeln nun essenziell. Besonders die Konflikte zwischen den USA, China und Europa belasten die Betriebe. Die globale Unsicherheit dämpft die Konsumnachfrage spürbar. Das wirtschaftliche Vertrauen in der EU liegt unter dem langfristigen Durchschnitt. Die Zeit für Gegenmaßnahmen läuft laut den Experten unerbittlich ab. Akteure müssen heute zwingend in Szenarien denken. Nur so lassen sich die volatilen Marktentwicklungen bewältigen.

Die Verschiebung der Weltkarte

Ein nachhaltiger Shift der Produktion von West nach Ost ist erkennbar. Deutschland verliert bis 2027 voraussichtlich über 4 Mio. Fahrzeuge. Dieser Wert bezieht sich auf die ursprünglichen Prognosen aus dem Jahr 2020. China und Indien verzeichnen hingegen deutliche Zuwächse. Die Marktführerschaft Chinas bei Elektrofahrzeugen treibt diesen Trend voran. Westliche Hersteller verlagern ihre Kapazitäten zunehmend in Niedriglohnländer. Hohe Energiekosten in Europa beschleunigen diese Entwicklung massiv. Der Profitanteil aus dem China-Geschäft sinkt für deutsche Marken deutlich. Das exportorientierte Geschäftsmodell steht laut Oliver Wyman vor dem Aus. Eine Neuausrichtung der Kapazitäten ist daher dringend erforderlich. Viele chinesische Anbieter priorisieren derzeit Marktanteile vor Profitabilität.

Standortnachteil Deutschland

Die Zulieferer leiden unter einer neuen Welle von Kostensteigerungen. Kupfer verteuerte sich innerhalb eines Jahres um 47 %. Bei Aluminium betrug der Preisanstieg laut Index 27 %. Gleichzeitig steigen die Arbeitskosten in der verarbeitenden Industrie stetig. Deutschland weist hier einen massiven Standortnachteil auf. Die Lohnkosten liegen bei über 55,00 EUR pro Stunde. Im Vergleich dazu zahlt man in Polen nur 17,30 EUR. In Ungarn liegen die Kosten sogar bei lediglich 14,10 EUR. Auch die Strompreise für industrielle Verbraucher bleiben auf hohem Niveau. Deutschland kombiniert sowohl hohe Lohnkosten als auch hohe Energiekosten. Dies stellt einen gravierenden Nachteil im internationalen Wettbewerb dar.

Die Krise der Antriebswende

Der Übergang zur Elektromobilität verläuft langsamer als ursprünglich geplant. Dennoch bleibt die Transformation laut der Studie grundsätzlich intakt. Für Zulieferer entsteht eine komplexe Dualität der Antriebstechnologien. Sie müssen parallel in Verbrenner und Elektroantriebe investieren. Diese doppelten Investitionskosten gelten als kaum nachhaltig. In Norwegen erreichen Elektrofahrzeuge bereits über 96 % der Neuzulassungen. Der deutsche Marktanteil für BEV erholte sich 2025 auf 20 %. Dennoch belasten politische Unsicherheiten die langfristigen Strategien der Zulieferer. Die technologische Unsicherheit erschwert die Planung massiv. Zulieferer müssen ihre Architekturen an politischen Anreizen ausrichten. Die parallele Entwicklung beider Technologien bindet enorme finanzielle Ressourcen.

Rekordinsolvenzen im Mittelstand

Die deutsche Zulieferlandschaft steht vor einem strukturellen Kollaps. Im Jahr 2025 wurde ein Rekordwert von 59 Großinsolvenzen erreicht. Das Unternehmen Kiekert AG mit 4.500 Mitarbeitern ist ein Beispiel. Auch die iwis SE nutzt ein Verfahren in Eigenverwaltung. Die MVI Group musste ihren Geschäftsbetrieb bereits komplett einstellen. Laut der Analyse entfallen 37 % der Pleiten auf Karosseriekomponenten. Der Antriebsstrang ist mit 18 % ebenfalls stark betroffen. Die Plastic Manufacturing Group kämpft ebenfalls um ihre Zukunft. Eine Konsolidierung der Branche ist laut Experten unvermeidbar. Nicht jeder Zulieferer kann laut dem Bericht gerettet werden. Die Zahl der Produktionsstilllegungen nimmt deutlich zu.

Kapitalmarkt und Kreditklemme

Die Margen der globalen Zulieferer sinken laut Benchmark kontinuierlich. Im Durchschnitt erzielen deutsche Betriebe weniger als 5 % EBIT-Marge. Dieser Wert reicht oft nicht für notwendige Investitionen aus. Ein wichtiger Frühwarnindikator ist die Nettoverschuldungsquote. Insolvent gewordene Firmen wiesen oft eine Quote von 7x auf. Als gesund gilt laut Oliver Wyman ein Wert unter 4x. Etwa 10 % der weltweit untersuchten Zulieferer zeigen ungesunde Werte. Banken agieren bei der Kreditvergabe an die Branche restriktiv. Die Zinsen für Anleihen sanken 2025 leicht auf 5,3 %. Finanzierungspartner blicken verstärkt auf unternehmensspezifische Risikofaktoren. Die Variabilität der Margen macht den Sektor anfällig für Schocks.

Strategische Neuausrichtung

Zulieferer müssen ihr Kundenportfolio laut Jörg Giebels radikal prüfen. Eine Konsolidierung zur Reduktion von Überkapazitäten ist nun unumgänglich. Die Schaeffler AG setzt verstärkt auf vertikale Integration. Auch die Hella GmbH weitet die interne Fertigung von Kunststoffteilen aus. Die Helsing GmbH unterstützt Zulieferer beim Einstieg in die Drohnenproduktion. Ein Exit in die Rüstungsindustrie wird für einige Betriebe zur Option. Die Continental AG arbeitet hierfür mit Rheinmetall zusammen. Auch die Valmet Automotive fertigt bereits gepanzerte Fahrzeuge. Die ZF Friedrichshafen AG investiert in eigene E-Drive-Linien. Die Borgwarner Inc. erweitert ihre Kapazitäten für Leistungselektronik.

Erfolgsfaktoren für Investoren

Chinesische Hersteller definieren die globale Entwicklungsgeschwindigkeit neu. Ein PKW-Modell entsteht dort in nur 4 Jahren. Etablierte Premium-Marken in Europa benötigen dafür etwa 7 Jahre. Zulieferer müssen sich an diese hohe Taktzahl anpassen. Erfolg am Aktienmarkt erzielen Unternehmen mit strikter Finanzdisziplin. Firmen wie Adient oder OPmobility konnten ihre Kurse steigern. Sie setzen konsequent auf Innovation und effiziente Kostenkontrolle. Investoren achten heute verstärkt auf einen positiven freien Cashflow. Die TE Connectivity glänzt mit einer EBIT-Marge von 20 %. Eine breite Kundenbasis und Modularität sind weitere wichtige Erfolgsfaktoren. Proaktive Restrukturierung sichert laut Studie das langfristige Überleben.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen.

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