Am 14. Mai 2025 ging die Pfisterer Holding SE an die Börse, der Kurs stieg rasch an. Nicht von ungefähr nahm der Vorstand im Oktober 2025 die Auszeichnung als Gewinner in der Kategorie „Herausragender Börsengang des Jahres“ entgegen. Wie hat sich das Unternehmen seit dem Gang aufs Parkett entwickelt?
Von Oliver Vollbrecht
Pfisterer ist fokussiert auf Produkte zur Verbindung und Isolierung elektrischer Leiter an Stromnetzschnittstellen – und damit richtig positioniert, um vom weltweiten Ausbau der Energieinfrastruktur überproportional zu profitieren. Nachhaltig hohe Aufwendungen für Forschung und Entwicklung und ein ambitioniertes Investitionsprogramm untermauern den Wachstumspfad.

Bei einem Ausgabepreis von 27 EUR wurde der erste Kurs der Pfisterer-Aktie am 14. Mai 2025 mit 30 EUR festgestellt. Dieses Niveau ließ das Papier rasch hinter sich; aktuell pendelt der Titel um die 100-EUR-Marke, was einer Marktkapitalisierung von 1,8 Mrd. EUR entspricht. Die Kursziele der Analysten reichen von 95 bis 135 EUR. Gelistet ist die Aktie im Segment Scale, dem KMU-Wachstumsmarkt der Frankfurter Wertpapierbörse.
Zweistellige Wachstumsraten im operativen Geschäft

Im Geschäftsjahr 2025 legte der Auftragseingang um 29,6 % auf 549 Mio. EUR zu, der Umsatz wuchs um 17,4 % auf 450 Mio. EUR und das Konzernergebnis stieg überproportional um 53,2 % auf 53,2 Mio. EUR. Auch der Start ins neue Geschäftsjahr 2026 verlief dynamisch. In den ersten drei Monaten wurde ein Rekordquartalsumsatz von 127 Mio. EUR erzielt, das Ergebnis stieg überproportional. Für das Gesamtjahr erwartet der Vorstand Auftragseingänge in etwa auf dem Vorjahresniveau von 549 Mio. EUR und eine Book-to-Bill-Ratio von über eins.
FAZIT
Der Börsengang von Pfisterer ist eine Bereicherung für den Kurszettel, eine gelungene Nachfolgelösung und eine Blaupause für ambitionierte Mittelständler. Die Bilanz ist durch den Börsengang gestärkt, das strukturelle Wachstum ist intakt. Entsprechend zuversichtlich zeigt sich Co-CEO und Vorstandssprecher Johannes Linden im Interview mit der Unternehmeredition.
„Wir managen Wachstum“
Interview mit Johannes Linden, Mitglied des Vorstands/Sprecher, Pfisterer Holding SE
Unternehmeredition: Herr Linden, das IPO liegt ein Jahr zurück. Hat der Börsengang das Unternehmen verändert?
Johannes Linden: Der Börsengang hat dazu geführt, dass wir als Firma sichtbarer geworden sind. Unser Ausblick ist nun öffentlich, der Kapitalmarkt misst uns an unseren Ankündigungen. Alle im Unternehmen müssen daran mitwirken, dass diese Ankündigungen auch realisiert werden. Das ist uns bislang gut gelungen. Dieser heilsame Druck der Beobachtung durch die Börse führt zu größerer Verbindlichkeit.
Der IPO hat die Bilanz deutlich gestärkt.

Wir haben netto rund 90 Mio. EUR eingenommen, haben uns entschuldet, die Bilanz zum Geschäftsjahresende ist cashpositiv. Zudem haben wir 2025 einen neuen Konsortialkreditvertrag ausgehandelt – mit deutlich verbesserten Konditionen angesichts der gestärkten Bilanz. Nun haben wir alle Möglichkeiten in der Hand, um auf dem Wachstumspfad voranzugehen.
Inwiefern haben Sie die Belegschaft einbezogen?
Über den Vorstand hinaus gab es ein Programm für das erweiterte Management, dessen Konstanz wir als wichtige Voraussetzung für den Wachstumskurs sehen. Die Belegschaft konnte zum IPO vergünstigt Aktien erwerben, was sehr gut angenommen wurde. So werden Beschäftigte zu Miteigentümern. Im Zuge des Veränderungsmanagements wollten wir die Kolleginnen und Kollegen zu aktiv Beteiligten machen.
Wie geht es an der Börse weiter? Sind Sie mit der Notierung in Scale zufrieden? Sie erfüllen weitgehend die Anforderungen des Prime Standard.
Aktuell fühlen wir uns mit der Scale-Notiz wohl. Wir bieten dem Kapitalmarkt eine Transparenz, die erheblich über die Scale-Anforderungen hinausgeht. Ob der Prime Standard bei erhöhtem Aufwand einen signifikanten Mehrwert bietet, müssen wir sehen. Interessanterweise ist das bei ausländischen Investoren übrigens überhaupt kein Thema.
Was würden Sie anderen Mittelständlern empfehlen, die mit der Börse liebäugeln?
Ein Börsengang ist insbesondere dann der richtige Weg, wenn sich das Unternehmen langfristig aufstellt und sich Ressourcen für die künftige Entwicklung erschließen will. Nicht zu unterschätzen ist der anhaltend hohe zeitliche Aufwand auch nach dem IPO. Der Finanzbereich muss sich frühzeitig organisieren, um die Investoren dauerhaft hochqualitativ informieren zu können.
Hat das Listing Relevanz für Ihre Geschäftspartner?
Unser Listing wird durchweg positiv aufgenommen, Geschäftspartner schätzen die Transparenz. Die Kunden sehen in uns einen guten, langfristig stabilen Partner, auf den Verlass ist. Unsere Kunden setzen auf Wachstum – und das geht nur mit Partnern, die damit Schritt halten können.
Wird Pfisterer auch als Arbeitgeber sichtbarer?
Definitiv. Wir sind Champion, aber nicht mehr „hidden“. Mit einer aktiven Öffentlichkeitsarbeit steigern wir den Bekanntheitsgrad. Dass im Raum Stuttgart andere Branchen und Unternehmen mit guten, traditionsreichen Namen schwächeln, erleichtert uns die Rekrutierung von Talenten. Wir bieten hochattraktive Aufgaben in einem wachsenden Markt.
Zur langfristigen Orientierung passt, dass Sie einen Investitionsrahmen für die kommenden Jahre abgesteckt haben.
In unserer aktuellen Mittelfristperspektive wollen wir die Firma bis 2030 in etwa verdoppeln auf ein Umsatzvolumen von 800 Mio. bis 900 Mio. EUR. Dafür rechnen wir mit Investitionen von rund 270 Mio. EUR. Das betrifft Gebäude und Maschinen, aber auch die allgemeine Standortentwicklung, etwa um Effizienzen zu verbessern und attraktive Arbeitsplätze bieten zu können. Und natürlich investieren auch wir kräftig in die Digitalisierung in Verbindung mit KI.
Beispiele finden sich aktuell sowohl am Stammsitz als auch im Mittleren Osten.
Bei uns in Winterbach haben wir im März Richtfest gefeiert für ein neues Qualifizierungszentrum für Hochspannungs-Gleichstromtechnologie (HVDC). 2027 soll es in Betrieb gehen. Hier reden wir über 30 Mio. EUR Investitionsvolumen. Im Januar haben wir in Riad ein hochmodernes Trainings- und Installationszentrum eröffnet – ein starkes Statement mit Strahlkraft in dieser wachstumsstarken Region. Im Mittleren Osten wird im Wesentlichen nicht alte Infrastruktur ersetzt, sondern von Grund auf neu gebaut.
Wenn man über Wachstum spricht, denkt man unweigerlich auch an die USA.
Getrieben durch Rechenzentren für die KI wächst der US-Markt erheblich. Wir investieren in Produktion und Organisation vor Ort. So werden wir für unsere amerikanischen Kunden eine immer „amerikanischere“ Firma mit gleicher Kultur in der gleichen Zeitzone. Man kann in den USA attraktive Margen erzielen – aber der Markt ist anspruchsvoll. Kundennähe und Flexibilität müssen stimmen, die Reaktivität muss hoch sein.
Wie organisieren Sie Innovation im Unternehmen?
Bei Produktinnovationen praktizieren wir ein dezidiertes Management von Entwicklungsprojekten. Ideen generieren wir mit dem Ohr am Markt; wir müssen verstehen, was gefragt ist. Wir verfolgen strikt das Ziel einer F&E-Quote von 5,5 % bis 6 % vom Umsatz. Auch die Entwicklungsressourcen müssen also verdoppelt werden.
Ihr Fazit?
Der Energiehunger der Welt hält an. Rund um den Globus wird die Energieinfrastruktur ausgebaut, erneuert oder überhaupt erst geschaffen. Wir selbst wollen mittelfristig in diesen strukturell wachsenden Märkten als Branchenführer überdurchschnittlich um 12 % bis 17 % jährlich und damit stärker als der adressierbare Gesamtmarkt zulegen. Pfisterer ist operativ cashpositiv, wir generieren nachhaltig starke Cashflows und haben bei Bedarf reichlich Raum für Fremd- wie Eigenkapitalfinanzierungsmaßnahmen. Die Firepower ist da, wir können uns voll auf unsere Aufgabe konzentrieren: Wir managen Wachstum.
Herr Linden, vielen Dank für das Gespräch.
👉 Dieser Beitrag erscheint auch in der aktuellen Magazinausgabe der Unternehmeredition 2/2026.
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Kurzprofil
Pfisterer Holding SE
Gründungsjahr: 1921
Branche: Elektrotechnik
Firmensitz: Winterbach
Mitarbeiter (2025): 1.378
Umsatz (2025): 449,9 Mio. EUR
Aktie: WKN: PFSE21; ISIN: DE000PFSE212
Marktkapitalisierung: 1,8 Mrd. EUR








