Experten warnen vor dramatisierenden Insolvenzprognosen

Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland steigt regional unterschiedlich stark an. Berlin verzeichnet bundesweit die höchste Quote.
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Das Statistische Bundesamt hat die aktuellen Zahlen zu den Unternehmensinsolvenzen für den Januar 2026 vorgelegt. Die Behörde registrierte im Vergleich zum Vorjahresmonat einen Anstieg der Anträge um knapp fünf Prozent. Nach Angaben der Statistiker bildet dieser moderate Zuwachs die aktuelle weltpolitische Entwicklung noch nicht vollständig ab. Die Experten ordnen die Lage trotz der medialen Aufmerksamkeit als kontrolliert ein. Laut dem Vorsitzenden des Berufsverbandes der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands, Christoph Niering, werden die Zahlen kurzfristig deutlich ansteigen. „Nicht nur Transport- und Logistikunternehmen stehen aktuell unter großem Druck“, sagt Niering. Er verweist dabei insbesondere auf die Belastungen durch hohe Kraftstoffpreise. Auch energieintensiv produzierende Unternehmen seien von der aktuellen geopolitischen Lage stark betroffen. Dieser Druck beschleunige den bereits andauernden Transformationsprozess vieler Branchen massiv.

Reinigungseffekt für den Arbeitsmarkt

Insolvenzen seien laut dem Verband ein natürlicher Teil eines funktionierenden Wirtschaftsgeschehens. Sie ermöglichten Unternehmen eine zukunftsorientierte Neuaufstellung in einem rechtlich strukturierten Rahmen. Wo eine Sanierung scheitere, sorge das Verfahren für eine notwendige Marktbereinigung. Nach Einschätzung von Experten setzt dies wichtige Ressourcen für den Markt frei. Dies betreffe insbesondere die immer knapper werdende Ressource qualifizierter Arbeitskräfte. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes liegen die Werte weiterhin unter den Höchstständen der Krisenjahre 2004 und 2009. Damals verzeichnete die Statistik in der Spitze mehr als 39.000 Unternehmensinsolvenzen pro Jahr. In der aktuellen Erfassung seien zudem auch Insolvenzen ehemals selbstständiger Unternehmer enthalten. Diese verfügen laut der Behörde über keinen aktiven Geschäftsbetrieb mehr. Dies stelle eine statistische Unschärfe dar, ändere aber nichts am Gesamtbild.

Regionale Unterschiede bei Insolvenzen

Die relative Häufigkeit von Unternehmensinsolvenzen in Deutschland unterscheidet sich zwischen den einzelnen Bundesländern zum Teil deutlich. Besonders hohe Werte verzeichnen dabei vor allem die Stadtstaaten und wirtschaftsstarke Ballungsräume. Berlin führt diese Statistik mit rund 47,7 Fällen je 100.000 Einwohner an. Nach Angaben des Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle folgen dahinter unter anderem Hamburg und Hessen. Im Gegensatz dazu weisen süddeutsche Flächenländer wie Bayern und Baden-Württemberg niedrigere Werte auf. Auffällig ist laut der Datenauswertung zudem, dass die ostdeutschen Flächenländer im Vergleich die niedrigsten Insolvenzraten aufweisen. Dies dürfte nach Einschätzung von Experten unter anderem mit der spezifischen Wirtschaftsstruktur zusammenhängen. Der Anteil großer Industrieunternehmen ist dort geringer und die Unternehmenslandschaft insgesamt kleinteiliger geprägt. Zudem ist die absolute Zahl an Unternehmen je Einwohner niedriger. Dies schlägt sich laut dem Institut ebenfalls in geringeren Insolvenzraten nieder.

Gesamtwirtschaftliche Schwächephase

Die steigenden Zahlen sind vor dem Hintergrund einer anhaltend schwachen wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland zu sehen. Die Konjunktur stagniert weitgehend, während Betriebe gleichzeitig mit hohen Energie- und Finanzierungskosten konfrontiert sind. Hinzu kommt nach Angaben von Analysten eine gedämpfte Nachfrage am Markt. In diesem schwierigen Umfeld geraten insbesondere finanziell weniger robuste Unternehmen unter Druck. Der Anstieg der Insolvenzen zeigt sich dabei in vielen Bundesländern gleichzeitig. Es handelt sich damit um kein regionales Einzelphänomen, sondern um den Ausdruck einer Phase gesamtwirtschaftlicher Schwäche. Betroffen sind Unternehmen aller Größenklassen, wobei die Auswirkungen in Ballungszentren aufgrund der hohen Unternehmensdichte besonders sichtbar werden.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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