Aurelius: „Wir haben mehr Firepower“

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf den M&A-Sektor?
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Lockdown – dann vermeintliche Entspannung und nun wieder Lockdown – die Unternehmen in Deutschland haben es seit mehr als einem Jahr nicht leicht. Der Staat eilt zwar mit einem Unterstützungsprogramm nach dem anderen zu Hilfe, aber trotzdem wird es immer schwieriger, eine passende Finanzierung zu finden. Welche Auswirkungen hat die Coronakrise auf den M&A-Sektor? Wie haben die Dealmaker diese ungewöhnliche Zeit erlebt? Wie blicken sie in die Zukunft? Unternehmeredition befragt in einer Artikelserie erfahrene Manager zu ihren Einschätzungen. Donatus Albrecht, Partner bei Aurelius im Gespräch mit Alexander Görbing.

Die Aurelius Gruppe hat in der ersten Jahreshälfte mit 16 Übernahmen ein erstaunliches Tempo vorgelegt. „Wir sehen auch weiter einen guten Dealflow“, erklärt Donatus Albrecht und kündigt damit an, dass es auch im zweiten Halbjahr weitere Akquisitionen geben könnte. Er sieht dafür unter anderem wesentliche Gründe in den Nachwirkungen der Coronakrise, denn viele Unternehmen überprüfen ihre Geschäftsmodelle nach dem schweren Schock und orientieren sich neu. Auch große Konzerne ändern aufgrund der fortwährenden Unsicherheiten ihre Beteiligungsstruktur und trennen sich von Tochtergesellschaften. Beides schafft Gelegenheiten für den Einstieg von Investoren wie Aurelius. Als einen weiteren Trend sieht Albrecht aber auch den Rückzug von großen Unternehmen aus Europa – eigentlich eine schlechte Nachricht: „Europa verschwindet langsam aber sicher aus dem Fokus der Global Player, denn sie orientieren sich stärker nach Asien. Und zudem stoßen Konzerne ihre Beteiligungen zum Teil auch wegen des Brexits in Großbritannien ab“, so Albrecht weiter.

90 Inhouse-Expertinnen und -Experten

In Deutschland ist Aurelius als Private Equity-Investor in zwei Bereichen stark aktiv: mit der Aurelius Wachstumskapital im Small cap Buy-out-Segment und mit dem Aurelius Mid Market Fonds und der Aurelius Equity Opportunities im Bereich Konzernabspaltungen, komplexen Buy-outs und Turnaround-Situationen. Als besonderen USP stellt Albrecht das 90-köpfige Team von operativen Expertinnen und Experten heraus, die den Unternehmensbeteiligungen schnell und wirkungsvoll in Veränderungsprozessen unter die Arme greifen können. Dazu gehören Spezialisten für Vertrieb, Produktion, Logistik, Einkauf und Beschaffung. Sie entlasten auch das Management der Firmen, damit sie nicht von den Anforderungen des Tagesgeschäfts überrollt werden.

Zahlreiche Gelegenheiten zum Einstieg

„Buy-outs mit Schönheitsfehlern“ nennt Albrecht die Unternehmen, die er im Fokus hat. Gut aufgestellte Unternehmen, die operatives Potenzial besitzen. In den kommenden ein bis zwei Jahren rechnet Albrecht mit zahlreichen weiteren Gelegenheiten zum Einstieg. Dies liege auch daran, dass Konzerne gerade sehr aktiv bei Carve-outs seien. Auch wenn es viele Chancen zum Kauf gebe, hätten sich die Bewertungen trotzdem weiter erhöht – insbesondere in gut laufenden Branchen wie Tech und E-Commerce sowie bei digitalen Geschäftsmodellen. In anderen Sektoren sieht Albrecht gute Chancen für Investments zu vernünftigen Preisen, um dann – wie er sagt – „die Unternehmen besser für die Zukunft aufzustellen“.

Neuer Fonds war schnell erfolgreich

Zum Beginn des Jahres hat Aurelius einen neuen Mid-Cap-Fonds mit einem Volumen von 500 Mio. EUR aufgelegt. „Wir konnten die Vermarktung innerhalb von nur vier Monaten abschließen – und das komplett virtuell und online“, erinnert sich Albrecht. Besonders spannend sei dabei gewesen, dass es sich überwiegend um neue Investoren handelte, so dass sich beide Seiten überhaupt erst einmal kennenlernen mussten. „Wir hatten bei der Vermarktung keine Wahl, denn aufgrund der Situation mit Corona konnten wir nur online arbeiten. Aber der schnelle Erfolg gibt uns recht“, sagt Albrecht. Für die Zukunft rechnet er damit, dass die Vermarktung neuer Fonds hybrid erfolgen wird. Ein rein virtuelles Fundraising sieht er nicht, denn „persönliche Beziehungen und reale Treffen sind schon wichtig und schaffen Vertrauen“.

Gesucht werden „hairy Buy-outs“

Als Ziel für Investments des neuen Fonds nennt Albrecht „hairy Buy-outs“ – also gut aufgestellte Unternehmen, bei denen es jedoch operativ einiges zu tun gibt und die Ertragslage verbessert werden kann. Der Unterschied zu den bisherigen Aktivitäten liege vor allem darin, dass nun größere Investments vorgenommen werden sollen. „Wir machen jetzt mehr von dem was wir bisher schon gemacht haben – aber mit mehr Firepower“ sagt Albrecht. Bereits im Zuge der Due Diligence und den Gesprächen mit den Firmen in die investiert werden soll, geht es auch schon um mögliche Add-On-Investments. „Wir machen uns immer sofort Gedanken darüber, wo wir Potenziale heben können“, erläutert Albrecht. Insgesamt strebt der neue Fonds rund 15 Investments an.

Verkäufe beginnen 2022

In diesem Jahr rechnet Albrecht zwar nicht mit großen Verkaufsaktivitäten aber mehreren kleinen Exits: „Unsere Portfoliounternehmen haben die Krise gespürt. Wir brauchen jetzt ein gutes Jahr und danach sieht es bisher auch aus. Starke Unternehmen finden am Markt leichter Kaufinteressenten.“ Bisher seien die Unternehmen gut unterwegs und das stimme ihn optimistisch für das kommende Jahr. Dann sollen auf der Basis der geleisteten Aufbauarbeit nach der Krise wieder Firmen verkauft werden.

Auch wenn die Coronapandemie bei den meisten Unternehmen beinahe abgeschlossen und verkraftet ist, stellen sich als Nachwehen neue Probleme ein. Die Lieferketten sind immer noch aus dem Takt. Der weltweite Shutdown und das neue Anfahren der Produktion klappe nicht reibungslos. „Das System stottert in Teilen noch. Viele Unternehmen sind von den komplexen globalen Strukturen betroffen“, sagt Albrecht. Für einige Zulieferer habe dies auch Vorteile, denn die Preise sind weiter im Aufwind. Als Profiteure der aktuellen Situation sieht er Lohnfertiger aus der Europäischen Union, da es hier keine langen Lieferwege gibt. Und Albrecht geht auch davon aus, dass große Unternehmen die Komplexität ihrer Lieferketten mittelfristig entflechten werden, um vor neuen Krisen besser geschützt zu sein. Die Chemiebranche sei hier schon sehr weit und nach seiner Ansicht werde Automotive nun nachziehen.

Nicht in Panik geraten

Rückblickend ist die Coronapandemie für Albrecht die dritte globale Krise in seiner Berufslaufbahn. Anfang 2000 die Dotcom-Krise, dann die globale Finanzkrise und nun Corona. „Irgendwann normalisieren sich die Dinge aber wieder und laufen weiter“, sagt er. Wichtig sei es immer gewesen, nicht in Panik zu geraten und sauber zu arbeiten, denn „dann geht man aus einer solchen Situation gestärkt heraus“. Der Investorenmarkt sei schon sehr früh wieder angesprungen nach einer kurzen Schockstarre. Von einem Krisenmodus könne er nichts mehr erkennen. Es bringe schließlich nichts, in Depressionen zu verfallen. Trotzdem halte er auch nichts von einem zu frühen Optimismus. Aber die staatlichen Hilfen, die erweiterten Möglichkeiten zur Nutzung der Kurzarbeit und die KfW-Kredite hätten gute Arbeit geleistet, um 2021 wieder gut voranzukommen.


ZUR PERSON

Donatus Albrecht
Donatus Albrecht (c) Aurelius

Donatus Albrecht ist Partner bei Aurelius und dort seit 2006 für alle M&A Aktivitäten mitverantwortlich. Für die Aurelius Gruppe leitete er insgesamt über 100 Kauf- und Verkaufstransaktionen. Donatus Albrecht hat Volkswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität in München studiert und ist seit über 20 Jahren in der Private Equity / Venture Capital Branche tätig.

 

 


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