Die Erholung des Private-Equity-Marktes im deutschsprachigen Raum hat sich im ersten Halbjahr 2026 deutlich abgeschwächt. Nachdem die Zahl der Transaktionen im DACH-Raum 2025 gegenüber dem Vorjahr noch um 15% gestiegen war, ging sie in den ersten sechs Monaten 2026 wieder um rund 15 % zurück. Insgesamt wurden 204 Transaktionen registriert. Das geht aus der aktuellen Marktanalyse „Private Equity in the DACH region: State of the Region – H1 2026“ der Unternehmensberatung Roland Berger hervor. Als Ursachen nennt die Studie unter anderem geopolitische Unsicherheiten, anhaltend hohe Finanzierungskosten und längere Prüfungsprozesse bei Unternehmenskäufen.
Komplexere Transaktionen prägen den Markt
Laut der Analyse bedeutet der Rückgang der Deal-Zahlen jedoch nicht, dass Investoren ihre Aktivitäten grundsätzlich zurückfahren. Vielmehr verlagere sich der Fokus auf größere und komplexere Transaktionen. Beteiligungsgesellschaften würden Investitionsentscheidungen sorgfältiger prüfen und strengere Anforderungen an die wirtschaftliche Entwicklung potenzieller Zielunternehmen stellen. Besonders der klassische Mittelstandsmarkt stehe dadurch unter Druck, da sich Transaktionsprozesse verlängern und Finanzierungsentscheidungen schwieriger werden.
Industrietechnologie gewinnt an Bedeutung
Gleichzeitig verschieben sich die Investitionsschwerpunkte. Während Technologie-, Software- und Digitalunternehmen weiterhin einen großen Teil des Deal-Volumens ausmachen, sieht Roland Berger insbesondere bei industriellen Technologien neue Wachstumschancen. Hintergrund ist der steigende Bedarf an Infrastruktur für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz. Dadurch rücken unter anderem Stromnetze, Energieversorgung, Präzisionsfertigung und industrielle Automatisierung stärker in den Fokus von Finanzinvestoren. Diese Bereiche waren in den vergangenen Jahren vergleichsweise gering in Private-Equity-Portfolios vertreten.
Neue Instrumente für Liquidität und Wertsteigerung
Die Studie identifiziert darüber hinaus strukturelle Veränderungen im Markt. So gewinnen alternative Liquiditätslösungen wie Continuation Funds an Bedeutung, da sich Unternehmensverkäufe häufig verzögern und Beteiligungen länger gehalten werden. Parallel dazu setzen Fonds verstärkt auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in ihren eigenen Prozessen – etwa bei der Analyse von Übernahmekandidaten, im Portfoliomanagement oder bei der operativen Weiterentwicklung von Beteiligungsunternehmen. Nach Einschätzung der Autoren entwickelt sich der systematische KI-Einsatz zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor für Beteiligungsgesellschaften.
Insgesamt zeichnet die Marktanalyse das Bild eines Private-Equity-Marktes, der sich nach der Erholung im Jahr 2025 erneut in einer Phase der Anpassung befindet. Weniger Transaktionen, dafür komplexere Deals sowie veränderte Investitionsschwerpunkte und neue Ansätze zur Wertsteigerung dürften die Entwicklung des DACH-Marktes in den kommenden Monaten maßgeblich prägen.







