Die Unternehmen in Deutschland haben ihre Rechnungen im März 2026 deutlich später bezahlt als noch zu Beginn des Jahres. Laut dem Informationsdienstleister CRIF Deutschland gilt dieses Zahlungsverhalten als wichtiger Frühindikator für wachsende wirtschaftliche Risiken. Bundesweit lag die durchschnittliche Dauer der Zahlungsüberfälligkeit bei Nicht- oder Spätzahlern bei 31,6 Tagen. Dieser Wert lag im Februar 2026 noch bei 20,1 Tagen. Die Analyse von CRIF Deutschland basiert auf den Daten von knapp 520.000 Unternehmen. Dr. Frank Schlein, Geschäftsführer von CRIF Deutschland, sieht darin ein deutliches Warnsignal. Der starke Anstieg innerhalb eines Monats deute auf merklich verschärfte Liquiditätsengpässe hin, so Dr. Frank Schlein. Viele Firmen hielten Zahlungen länger zurück, um eigene finanzielle Spielräume zu sichern. Dies habe unmittelbare Auswirkungen auf alle Lieferanten und Geschäftspartner.
Erzwungene Finanzierung durch Lieferanten
Deutsche Unternehmen gewähren ihren Kunden im Durchschnitt ein Zahlungsziel von 26 Tagen. Nach Angaben von CRIF Deutschland werden Rechnungen bei Spätzahlern derzeit erst nach durchschnittlich 58 Tagen beglichen. Die betroffenen Lieferanten übernehmen dadurch faktisch eine Finanzierungsrolle für ihre Kunden. Laut Dr. Frank Schlein stellen sie Liquidität zur Verfügung, ohne dass dies geplant oder vergütet wird. Die Unternehmen warten inzwischen doppelt so lange auf ihr Geld wie ursprünglich kalkuliert. In der Bauwirtschaft, im Einzelhandel und bei B2B-Dienstleistungen ist die Lage besonders angespannt. Im Maschinenbau gelten laut Branchenberichten rund 10% der Forderungen als uneinbringlich. Die Automobilindustrie hat darauf reagiert und ihre Kreditverkäufe um rund 20% reduziert.
Regionale Unterschiede
Die Verschlechterung der Zahlungsmoral zeigt sich fast flächendeckend in allen Bundesländern. In Berlin stieg die durchschnittliche Zahl der Überfälligkeitstage von 26,5 auf 40,4 Tage. Brandenburg verzeichnete einen Anstieg auf 35,0 Tage, während Niedersachsen bei 35,3 Tagen liegt. Auch in Hamburg gab es einen Sprung auf 30,2 Tage. Selbst wirtschaftlich starke Regionen wie Baden-Württemberg und Bayern sind betroffen. In Baden-Württemberg kletterten die Überfälligkeitstage auf 30,7 Tage. Laut Dr. Frank Schlein beschränken sich die Probleme nicht mehr nur auf einzelne Branchen. Die Liquiditätsnot erfasse zunehmend die gesamte Breite der deutschen Wirtschaft.
Paradoxe Entwicklung
Interessanterweise ist der prozentuale Anteil der Nicht- und Spätzahler bundesweit zurückgegangen. Im März 2026 zahlten 9,9% der Unternehmen verspätet oder gar nicht. Im Vorjahresmonat März 2025 lag dieser Anteil noch bei 13,2%. Wirtschaftlich stabile Unternehmen legen laut CRIF Deutschland größeren Wert auf fristgerechte Zahlungen. Sie sichern damit ihre Lieferketten und ihre eigene Verlässlichkeit im Markt. Belastete Unternehmen zahlen hingegen nicht häufiger verspätet, aber dafür erheblich später. Dadurch verlängern sich die Zahlungsrückstände massiv. Die höchsten Anteile an Spätzahlern finden sich weiterhin in Berlin mit 19,4%. Es folgen das Saarland mit 15,9% und Hessen mit 15,4%.
Anstieg der Insolvenzprognose
Aufgrund der aktuellen Daten hat CRIF Deutschland die Insolvenzprognose für das Jahr 2026 angehoben. Es wird nun mit bis auch 26.000 Unternehmensinsolvenzen gerechnet. Zu Jahresbeginn ging die Experten noch von 24.800 Fällen aus. Dies entspräche einem Anstieg um rund 8,3% gegenüber dem Jahr 2025. Auch der Kreditversicherer Allianz Trade erwartet mit rund 24.650 Fällen den höchsten Stand seit einem Jahrzehnt. Als Ursachen gelten geopolitische Spannungen und steigende Energiekosten. Höhere Kraftstoffpreise schmälern zudem die Kaufkraft der privaten Haushalte. Auch neue Zollrisiken und handelspolitische Unsicherheiten belasten das internationale Geschäft. Laut Umfragen sehen 69% der Firmen zudem die Bürokratie als drängendes Problem an.







