Herbstprognose sieht deutsche Wirtschaft im Aufwind

Foto: © Miha Creative_AdobeStock
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Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hat seine Herbstprognose für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung vorgelegt. Eine steigende Auslandsnachfrage bringt die deutsche Wirtschaft auf Erholungskurs. Höhere Energiepreise belasten die Entwicklung bislang kaum. Nach Angaben des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle dürfte das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr um 1,4% wachsen. Für das Jahr 2027 prognostizieren die Ökonomen einen Anstieg um 0,8%. Die Belebung in den ostdeutschen Bundesländern fällt etwas verhaltener aus. Im Juni nahmen die IWH-Konjunkturforscher noch ein Wirtschaftswachstum von 0,9% für beide Jahre an. Zunehmende staatliche Investitionen stützen die Konjunktur in den kommenden Quartalen.

Die internationale Konjunktur befindet sich auf Expansionskurs. Auslöser für diese Dynamik sind hohe Investitionen durch den Boom rund um Künstliche Intelligenz. Die Geldmittel fließen vor allem in die USA. Produzenten der benötigten Investitionsgüter verbuchen stark wachsende Exporte. Der Erdölpreis steigt aufgrund des Golfkonflikts an. Wegen einer verminderten Nachfrage aus China liegt dieser Preis real unter früheren Krisenniveaus. Höhere Inflationsraten treiben die Zinserwartungen. In den USA und im Euroraum dürften die Zentralbanken ihre Leitzinsen bald anheben. Die Finanzpolitik agiert dieses Jahr leicht expansiv. Ab dem Jahr 2027 wird sie restriktiver. Die Aussichten für eine stabile globale Entwicklung bleiben intakt. Eine Beschleunigung scheidet wegen weitgehend ausgelasteter Produktionskapazitäten vorerst aus.

Exporte sichern den Aufwärtstrend

„Die deutsche Konjunktur befindet sich auf Erholungskurs“, sagt Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident des IWH. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt wuchs im zweiten Quartal 2026 den dritten Zeitraum in Serie. Steigende Exporte trugen maßgeblich zu diesem Ergebnis bei. Zuvor sanken die Ausfuhren seit Jahresbeginn 2023 kontinuierlich ab. Die Erwerbstätigenzahl geht dennoch zurück. Der Personalabbau trifft das Verarbeitende Gewerbe spürbar. Dieser Industriezweig verharrt trotz punktueller Exporterfolge in einer anhaltenden Krise. Einzelne Firmen ziehen aber messbare Vorteile aus der internationalen Nachfrage. Der private Konsum stagniert infolge inflationsbedingter Kaufkraftverluste. Private Ausrüstungsinvestitionen verharren auf dem Stand von vor zweieinhalb Jahren. Das Niedrigwasser des Rheins hemmte die Produktion im verarbeitenden Sektor. Seit Mitte August steigen die Pegelstände wieder kontinuierlich an. Eine expansivere Finanzpolitik soll künftig private Investitionen anstoßen. Zudem hellten sich Stimmungsindikatoren wie die Geschäftserwartungen des ifo Instituts spürbar auf.

Erhebliche Risiken für die Industrie

„Ein Konjunkturrisiko speziell für Deutschland und Europa ist nach wie vor die Möglichkeit einer Energiekrise“, so Oliver Holtemöller. Der Ausfall der katarischen Flüssiggaslieferungen verknappte das weltweite Angebot empfindlich. Europa benötigt kontinuierliche Erdgasimporte zur Stabilisierung der Industrieproduktion. Die aktuellen Füllstände der Gasspeicher unterschreiten die langjährigen Durchschnittswerte deutlich. Zudem basiert die deutsche Erholung vor allem auf der Nachfrage aus dem Ausland. Ein abruptes Ende des weltweiten KI-Booms würde diese Dynamik stoppen. Ein weiterer Verlust an Wettbewerbsfähigkeit bedroht den Exporterfolg heimischer Anbieter. Laut S&P Global gewinnt der Aufschwung in der deutschen Industrie an Dynamik. Der Einkaufsmanagerindex stieg im August 2026 von 52,2 Punkten auf 54,3 Punkte. Dies bedeutet den höchsten Stand seit 51 Monaten. Sprunghaft steigende Auftragseingänge treiben die Produktionssteigerung voran. Dieser Zuwachs beruht auf Rüstungsausgaben, dem Bau von Rechenzentren und vollen Lagern. Insbesondere Hersteller von Vorleistungsgütern verzeichnen ein hohes Auftragsplus.

„Deutschlands Industrie hat im August einen Gang höher geschaltet, nachdem ein sprunghafter Anstieg der Auftragseingänge zum höchsten Produktionswachstum seit Anfang 2022 führte“, kommentiert Phil Smith, Economics Associate Director bei S&P Global Market Intelligence. Lieferverzögerungen nehmen wegen Engpässen im Zuge des KI-Booms und Dürreperioden wieder zu. Die Hersteller stellen wegen des Kostendrucks vorerst kein zusätzliches Personal ein. Immerhin verlangsamte sich der Stellenabbau im August 2026 auf das niedrigste Tempo seit September 2023.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen.

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