Die börsennotierte Investmentholding GESCO investiert in mittelständische Unternehmen in Deutschland und hält ihre Beteiligungen in der Regel vollständig und langfristig. Mit aktuell elf Tochtergesellschaften, einem Fokus auf operative Weiterentwicklung und Add-on-Akquisitionen sowie dem Grundsatz „Buy, Develop, Hold“ positioniert sich GESCO bewusst als langfristig orientierter Mittelstandsinvestor. Peter Alex, Director IR der GESCO SE, spricht über den Stand der M&A-Aktivitäten, die Arbeit mit den Portfoliounternehmen und die Prioritäten für 2026.
Unternehmeredition: Herr Alex, Sie hatten im letzten Gespräch angekündigt, 2026 wieder mehr zukaufen zu wollen. Wie fällt Ihr Zwischenfazit nach 2025 und dem ersten Quartal 2026 aus: Konnten Sie diese Pläne bereits umsetzen und hat sich Ihre M&A-Pipeline wie erhofft entwickelt oder bremst das Marktumfeld stärker als gedacht?
Peter Alex: 2025 haben wir unsere M&A-Strategie konsequent weiterverfolgt und mit dem rückwirkenden Erwerb der Eckart GmbH zum 1. Januar 2025 eine qualitativ sehr hochwertige Ergänzung für unser Segment Industrial Assets and Infrastructure realisiert. Zugleich haben wir uns Ende 2024 von AstroPlast getrennt und bei Dürrenberg zwei Teilbereiche abgegeben, was die Geschäftszahlen 2025 ebenfalls deutlich beeinflusst hat.
Insgesamt waren die M&A-Aktivitäten aber etwas gedämpfter, als wir uns das gewünscht hätten. Das liegt vor allem an den Rahmenbedingungen: In einem so volatilen Umfeld ist es oft schwer zu beurteilen, ob schwächere Zahlen eines Targets nur konjunkturell bedingt sind oder auf strukturelle Probleme hindeuten. Trotzdem ist unsere Pipeline intakt und qualitativ gut. Wir führen fortgeschrittene Gespräche und sind zuversichtlich, 2026 wieder aktiver zu werden. Das M&A-Niveau des Vorjahres wollen wir mindestens erreichen, idealerweise übertreffen.
Was zeichnet GESCO als Investor aus?
GESCO ist eine börsennotierte Investmentholding mit Fokus auf den deutschen Mittelstand. Wir halten aktuell elf Tochtergesellschaften, die uns in der Regel zu 100 % gehören. Das ist auch unser bevorzugtes Modell. Unsere Unternehmen sind klassische Mittelständler: Die kleinste Beteiligung liegt bei rund 10 Mio. EUR Umsatz, die größte bei etwa 150 Mio. EUR. Bei neuen Beteiligungen liegt unser Sweet Spot typischerweise bei 20 bis 30 Mio. EUR Umsatz, wir schauen aber auch darunter und darüber. Bei Add-on-Akquisitionen für bestehende Tochtergesellschaften bewegen wir uns meist in einer Größenordnung von 5 bis 10 Mio. EUR Umsatz. Wichtig ist: Wir verstehen uns nicht als klassischer Private-Equity-Investor mit Exit-Logik, sondern als langfristig orientierter Eigentümer. Unser Ansatz lautet „Buy, Develop, Hold“.
Wenn Sie auf 2025 zurückblicken: Welche strategischen Prioritäten standen im Portfolio im Vordergrund?
Ganz klar die operative Weiterentwicklung der Beteiligungen. GESCO ist dafür bekannt, bei den Tochtergesellschaften eine aktive Coaching- und Begleitungsrolle einzunehmen. Mit dem Antritt unseres neuen CEO vor rund eineinhalb Jahren wurde das GESCO Business System eingeführt. Darüber werden Prozesse gruppenweit implementiert, weiterentwickelt und über unsere Business Directors sehr eng begleitet. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Lean Management, Produktivität, Ausschussreduzierung, Liefertermintreue und Working Capital Management. Hier haben wir 2025 spürbare Fortschritte gemacht. In einzelnen Bereichen konnten Prozesse um 20, 30 oder sogar 35 % verkürzt werden. Das ist operativ höchst relevant und setzt zugleich Liquidität frei.
Wo war die Unterstützung durch die Holding zuletzt besonders gefragt?
Besonders wichtig war und bleibt das Thema Working Capital. Wir haben im laufenden Jahr ein gruppenweites Programm mit dem Titel „Cash is King“ aufgesetzt. Der Begriff ist vielleicht nicht neu, aber die Zielsetzung ist sehr konkret: Über alle Gesellschaften hinweg wollen wir rund 30 Mio. EUR zusätzliches Cash freisetzen. Das ist für unsere Größenordnung erheblich. Dieses Geld verschafft uns Spielraum, um Investitionen und auch Zukäufe aus eigener Kraft zu stemmen. Gerade in einem unsicheren Marktumfeld ist das ein echter strategischer Vorteil.
Ein Sondereffekt war Ende 2025 der größere Lagerkauf bei Doerrenberg: Das Unternehmen konnte von einem Wettbewerber zu attraktiven Konditionen einen Warenbestand von deutlich über 20 Mio. EUR übernehmen und zugleich neue Kundenbeziehungen aufbauen. Das hat das Working Capital zum Jahresende zwar erhöht, war strategisch aber eine sehr gute Opportunität.
Welche Merkmale müssen Unternehmen heute mitbringen, damit sie für GESCO als Beteiligung interessant sind?
Wir sind kein Distressed Investor. Uns interessieren solide aufgestellte Unternehmen mit guter Substanz, überzeugendem Geschäftsmodell und einer gewissen Resilienz. Sie müssen nicht in jedem Bereich bereits operativ exzellent sein – im Gegenteil: Wir wollen ja mit unserem Tool-Set Verbesserungen ermöglichen. Wenn ein Unternehmen schon vollkommen durchoptimiert wäre, wäre das Wertsteigerungspotenzial deutlich geringer. Schön ist es, wenn Targets bereits internationaler aufgestellt sind und belastbare Prozesse mitbringen. Aber entscheidend ist, dass wir Potenziale sehen, die wir gemeinsam heben können. Davon gibt es im deutschen Mittelstand nach wie vor viele.
In welchen Bereichen sehen Sie derzeit die attraktivsten Möglichkeiten für Zukäufe?
Wir haben seit dem 1. Januar 2025 eine neue Segmentstruktur mit Materials Refinement and Distribution, Life Science and Healthcare sowie Industrial Assets and Infrastructure. Grundsätzlich können wir uns Zukäufe in allen drei Bereichen sehr gut vorstellen. Wenn man rein aus Diversifikationssicht draufschaut, wären die beiden kleineren Segmente besonders interessant, aber wir würden auch im größten Segment opportunistisch handeln, wenn der strategische Fit stimmt. Hinzu kommt: Wir denken nicht nur an neue Stand-alone-Beteiligungen, sondern vor allem auch an Add-on-Akquisitionen auf Ebene unserer Tochtergesellschaften. Beide Wege bleiben wichtig.
Wie wirken sich die volatilen Rahmenbedingungen derzeit auf die Gruppe aus?
Planung ist schwieriger geworden, das ist keine Frage. Vor allem die Zollthematik in den USA hat uns beschäftigt. Wir sind internationaler geworden, und das ist strategisch richtig: 2025 lag unser Umsatzanteil in Deutschland nur noch bei 41,6 %, also wurden bereits 58,4 % im Ausland erzielt. Der wichtigste Auslandsmarktist für uns die USA. Gleichzeitig haben genau dort die häufig wechselnden Rahmenbedingungen die Planbarkeit erschwert. Trotzdem halten wir an unserer Internationalisierungsstrategie fest. Sie hat die Gruppe resilienter gemacht und wird auch künftig ein zentraler Hebel bleiben.
Worauf wird es für GESCO im weiteren Verlauf des Jahres 2026 besonders ankommen?
Wir machen uns nicht abhängig von Rahmenbedingungen, die wir sowieso nicht beeinflussen können, sondern wollen uns aus eigener Kraft verbessern. Die Fortschritte bei Effizienz, Working Capital und Internationalisierung bilden dafür eine gute Basis. Der Vorstand hat für 2026 ein Nettoergebnis von 15 bis 20 Mio. EUR in Aussicht gestellt, nach rund 10 Mio. EUR im Jahr 2025. Das wäre eine deutliche Steigerung, auch wenn die Prognosespanne wegen der Volatilität bewusst breit gewählt ist. Wir rechnen nicht mit einer spürbaren konjunkturellen Belebung in Deutschland. Umso wichtiger ist es, dass wir uns auf die Themen konzentrieren, die wir in der Hand haben. Die aktuelle Planung sieht vor, dass sich alle elf Tochtergesellschaften ergebnismäßig verbessern. Das stimmt uns für das laufende Jahr zuversichtlich.
Herr Alex, wir danken Ihnen für das interessante Gespräch!
👉 Dieser Beitrag erscheint auch im Spezial „Investoren im Mittelstand 2026“ (Erscheinungsdatum: 15. Mai).
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Director IR
GESCO SE








