Zahlen am deutschen Beteiligungsmarkt brachen 2023 ein

Niedrigster Wert seit dem Jahr 2016 – BVK sieht die Aussichten für 2024 positiv

Rund 10,5 Mrd. EUR flossen im vergangenen Jahr von Beteiligungsgesellschaften in deutsche Unternehmen. Dieser Wert beinhaltet die Investitionen von Venture Capital-Fonds in Startups, Buy-Out-Investments bei etablierten Unternehmen sowie Wachstums- und Turnaround-Investments. Gegenüber 2022 mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 15,35 Mrd. EUR ist das ein spürbarer Rückgang. Langfristig betrachtet ist das 2023er-Ergebnis der niedrigste Wert seit 2016 und im Vergleich zum Boomjahr 2021 haben sich die Investitionen beinahe halbiert. Der Bundesverband Beteiligungskapital (BVK) hat heute die Zahlen für das vergangene Jahr veröffentlicht und zugleich einen Ausblick auf 2024 gegeben.
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Rund 10,5 Mrd. EUR flossen im vergangenen Jahr von Beteiligungsgesellschaften in deutsche Unternehmen. Dieser Wert beinhaltet die Investitionen von Venture-Capital-Fonds in Start-ups, Buy-Out-Investments bei etablierten Unternehmen sowie Wachstums- und Turnaround-Investments. Gegenüber 2022 mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 15,35 Mrd. EUR ist das ein spürbarer Rückgang. Langfristig betrachtet ist das 2023er-Ergebnis der niedrigste Wert seit 2016 und im Vergleich zum Boomjahr 2021 haben sich die Investitionen beinahe halbiert. Der Bundesverband Beteiligungskapital (BVK) hat heute die Zahlen für das vergangene Jahr veröffentlicht und zugleich einen Ausblick auf 2024 gegeben.

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“Dem gesamtwirtschaftlichen Gegenwind konnte sich auch der deutsche Beteiligungsmarkt im vergangenen Jahr nicht entziehen. Anhaltende Konjunktursorgen, die Zinswende und geopolitische Krisen belasteten Beteiligungsgesellschaften und Portfoliounternehmen gleichermaßen”, fasst Frank Hüther, Vorstandssprecher des BVK und Geschäftsführer der Investmentgesellschaft Abacus alpha, die heute veröffentlichte, vorläufige Statistik für den deutschen Private-Equity- und Venture-Capital-Markt zusammen. Aber mit diesen – wenn auch rückläufigen – Investments sei Start-ups und Mittelständlern wichtiges Kapital zugeflossen, um bei der Überwindung der aktuellen Herausforderungen zu helfen. In allen Marktsegmenten (Venture Capital, Buy-Outs, Wachstums-/Minderheitsbeteiligungen) sei das Investitionsniveau 2023 unter dem Vorjahreswert geblieben – also ein breiter Trend. „Es war früh im Jahr erkennbar, dass die Investitionen 2023 angesichts der Rahmenbedingungen weder an das Vorjahr noch an die Rekordniveaus von 2019 bis 2021 anknüpfen kann,“ so Hüther bei der Vorstellung der Zahlen weiter.

Buy-Out-Investitionen sinken ebenfalls

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Die Buy-Out-Investitionen sanken 2023 um rund 25% auf einen Wert von 6,5 Mrd. EUR. „Rezessionssorgen bleiben, Geschäftsaussichten in vielen Branchen sind unsicher und dynamisch steigende Leitzinserhöhungen wirken dämpfend. Dieses Umfeld belastet das Buy-Out-Geschäft bis heute, Transaktionen werden langwieriger und die Kaufpreisfindung schwieriger“, fasst BVK-Vorstandsprecher Hüther diese Zahlen zusammen. Auch wenn insbesondere internationale Fonds über viel Kapital verfügen würden, seien sehr große Transaktionen im vergangenen Jahr Mangelware geblieben. Zugleich hätten die Gesellschaften ihr Augenmerk stärker als in der Vergangenheit auf börsennotierte Unternehmen unterschiedlichster Größe ausgerichtet. Als Beispiel nannte Hüther die Engagements oder Beteiligungserhöhungen bei der EQS Group, OHB, Software AG, ATOSS Software, Va-Q-Tec, SUSE und den Synlab Beteiligungsgesellschaften.

Ebenfalls gesunken seien die Investitionen im Bereich Wachstumsfinanzierungen sowie Replacement- und Turnaround-Finanzierungen bei mittelständischen Unternehmen und reiferen Jungunternehmen. Diese halbierten sich auf 1,5 Mrd. EUR gegenüber dem Vorjahresniveau. Gerade Wachstumsfinanzierungen bei Grownups seien geringer ausgefallen. Beim Fundraising neuer Mittel gab es im Buy-Out-Segment hingegen eine deutliche Steigerung. Buy-Out-Fonds konnten mit 2,9 Mrd. EUR deutlich mehr einsammeln als im Vorjahr mit 1,1 Mrd. EUR. Über alle Investment-Gruppen lag das Niveau 2023 bei 4,87 Mrd. EUR und damit einerseits deutlich unter dem Vorjahr aber auf dem Niveau des langjährigen Schnitts. Die meisten Investitionen gab es in den bevölkerungsreichen Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. Die Startup-Hochburg Berlin folgt an vierter Stelle.

Bei den investierten Branchen führt mit weitem Abstand der IKT-Sektor mit Kommunikation, Computern und Elektronik. Das deckt sich auch mit dem aktuellen Trend vieler Private-Equity-Investoren, die in diesem Segment auf der Suche nach Unternehmen sind. Weitere stark investierte Branchen sind Life Science und Chemie. Dass sich Investments privater Beteiligungsgesellschaften für mittelständische Unternehmen positiv auswirken, hatte gerade erst eine Studie von Munich Strategy Managementconsulting gezeigt. Demnach würden Private-Equity-geführte Unternehmen ein signifikant höheres Wachstum in den Bereichen Umsatz und Gewinn verzeichnen. Verglichen mit inhabergeführten Firmen zeichneten sich diese Unternehmen zudem durch eine gesteigerte Produktivität und ein stärkeres Mitarbeiterwachstum aus.

Ausblick ist optimistisch

Frank Hüther
Frank Hüther

„Das Marktgeschehen verharrt ein wenig in Wartestellung. Einem neuerlichen Aufschwung stehen noch die allgemeinwirtschaftliche und geopolitische Situation im Weg. Die erwarteten Zinssenkungen im laufenden Jahr könnten jedoch zusammen mit positiven Konjunkturnachrichten den Knoten zerschlagen“, erklärt Hüther zum bevorstehenden Jahr. „Das Bewertungsniveau für Neu-Investments ist attraktiv, die Nachfrage nach Beteiligungskapital für Gründung, Wachstum und Transformation ist hoch. Wir sind zuversichtlich für 2024.“ Diese Einschätzung deckt sich auch mit den Zahlen des German Private Equity Barometers vom vierten Quartal 2023. Das Geschäftsklima legte – wenn auch auf niedrigem Niveau – zu und auch die Geschäftserwartungen bessern sich. Es sei eine breite Aufwärtsentwicklung zu erkennen.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören dabei Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen sowie Tech-Startups.

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