„Wir sind ein Leuchtturmprojekt in der Klima- und Kältetechnik“

Interview mit Patrick Peters, Co-CEO, bluu unit, und Friedrich Ysenburg, Investment Professional, Triton Partners

Foto: © Roshan - AdobeStock

Die bluu unit GmbH wächst seit dem Einstieg des Triton Mittelstandsfonds II dynamisch über eine Buy-and-Build-Strategie und den Zusammenschluss spezialisierter Unternehmen im Bereich nachhaltiger Kälte-, Klima- und Lüftungstechnik. Mit jeder neuen Partnerschaft steigen auch die Anforderungen an gemeinsame Prozesse, Transparenz und gruppenweiten Wissenstransfer. Digitalisierung wird damit zum zentralen Hebel, um Synergien schneller zu realisieren, operative Abläufe effizienter zu steuern und die Allianz langfristig skalierbar aufzustellen. Darüber sprechen Patrick Peters von bluu unit und Friedrich Ysenburg von Triton Partners im Interview.

Unternehmeredition: Herr Peters, Sie sind gerade als Co-CEO in die bluu unit GmbH eingestiegen. Was macht nachhaltige Klima- und Kältetechnik zu einem offenbar lohnenden Geschäftsfeld?

Patrick Peters: Kältetechnik ist gewissermaßen allgegenwärtig. Nehmen Sie die wachsende Zahl an Rechenzentren oder den Supermarkt um die Ecke mitsamt allen Lieferketten dahinter. Im Zuge der F-Gase-Verordnung muss die Kälte- und Klimatechnik schrittweise nachhaltiger werden. Die bluu unit GmbH hat sich von vornherein auf Technik mit natürlichen Kältemitteln spezialisiert. Das heißt, wir haben in den nächsten Jahren allein mit nachhaltiger Modernisierung reichlich zu tun.

Welchen Anteil hat die Digitalisierung am Erfolg der Gruppe, die inzwischen 1.300 Mitarbeiter an 32 Standorten beschäftigt?

Peters: bluu unit ist eine Kälte-Klima-Plattform, die es so in Europa noch nie gegeben hat. Es gibt bei uns viele Fachleute, die alle miteinander vernetzt sind. Wir sind sicherlich auch deswegen eine Art Leuchtturmprojekt, weil wir mit der Kälte- und Klimatechnik das Handwerk digitalisiert haben, was nicht einfach gewesen ist.

Worin liegt der Kern der Digitalisierung bei bluu unit?

Peters: In bluu unit haben wir es geschafft, alle Daten in ERP-Lösungen zu erfassen, also einem Enterprise-Resource-Planning-System. Damit sind alle unsere Unternehmen miteinander vernetzt. Hier muss sich niemand mehr mit Papierthemen befassen, sondern die Mitarbeiter bearbeiten ihre Aufträge direkt beim Kunden mit Tablet-PCs. Dieser Digitalisierungsschritt fördert sehr stark sowohl Geschwindigkeit und Effizienz als auch die Nachhaltigkeit in unseren Prozessen.

Herr Ysenburg, Sie haben bei Triton die bluu unit GmbH ins Leben gerufen. Wie sah Ihr Digitalisierungsansatz aus?

Friedrich Ysenburg: Wir haben es mit bluu unit geschafft, mehr als 25 Unternehmen unter ein Dach zu bringen und sie mit digitalen Prozessen zu einer Einheit zu machen. Grundsätzlich ist es wichtig, nicht „am Handwerk vorbei zu digitalisieren“, denn sonst kann es nicht gelingen. Deswegen haben wir von Anfang an in Menschen investiert, die sowohl Affinität für die Kältetechnik mitbringen als auch das Handwerk der IT verstehen. Dann folgte eine Art Researchphase: Was ist denn überhaupt das richtige ERP-System für bluu unit? Welche Prozesse sind für das Handwerk relevant – und wie müssen wir sie automatisieren? Im Grunde hört diese Phase nie auf, denn wir suchen kontinuierlich nach den besten Lösungen.

Peters: Triton und bluu unit haben von Anfang an großen Wert daraufgelegt, die Menschen mitzunehmen. Wir sind ja nicht nur mit einem ERP-System unterwegs, sondern machen auch digitale Rechnungserstellung, und die Meetings finden in der Regel auch online statt. Es ist wichtig, den betroffenen Personen das System nicht einfach überzustülpen, sondern den Mehrwert aufzuzeigen und dann erfahrene Mitarbeiter mit jungen Nachwuchstalenten zusammenzubringen. Dadurch lassen sich diejenigen, die länger im Betrieb, aber vielleicht nicht so digitalaffin sind, von den Jüngeren für digitale Technik begeistern.

Das heißt, bei der Buy-and-Build-Strategie von Triton haben Sie die Digitalisierung gleich mitgedacht?

Ysenburg: Ja. Es ist ein wichtiger Baustein, denn wir investieren nicht nur in Firmen, wir entwickeln Unternehmen und schaffen nachhaltigen Wert. Vor drei Jahren lag bluu unit noch bei einem Umsatz von 17 Mio. EUR, jetzt sind es knapp 300 Mio. EUR in Deutschland, Irland und der Schweiz. Um ein solch schnelles Wachstum zu erreichen, braucht man mehrere Bausteine. Sie müssen in Digitalisierung, aber auch in Zeit investieren. Man muss die richtigen Mitarbeiter finden, die die Sprache der Digitalisierung sprechen, aber auch verstehen, was ein Kältetechniker eigentlich braucht, denn das ist ein essenzieller Teil unsere Firmenkultur. Wir sind ein Kälte-Klimatechnik-Unternehmen, keine E-Commerce-Plattform. Bei uns steht der Handwerker im Mittelpunkt, weil er die Leistung erbringt.

Die Unternehmen, die sich unserer Gruppe anschließen, sind in der Regel sehr erfolgreich. Viele von ihnen haben aber einfach schlechte Erfahrungen mit der Digitalisierung gemacht. Wir hatten bei Triton im Vorfeld rund eineinhalb Jahre investiert, bevor wir mit bluu unit richtig gestartet sind. Heute hat bluu unit eine erfolgreiche Plattform, an der sich unsere neuen Unternehmen nur noch andocken müssen.

Das heißt, Herr Peters braucht jetzt ein wenig Fingerspitzengefühl, um neue Unternehmen richtig abzuholen?

Peters: Ja. Die Unternehmen unserer Gruppe können technisch hochkomplexe Prozesse in der Kälte- und Klimatechnik abwickeln. Wir geben diesen Experten in ihrem Metier jetzt auch das richtige Mindset mit, damit sie die Vorteile der Digitalisierung für sich nutzen können. Dadurch sind die erfolgreichen Unternehmen unter unserem Dach noch erfolgreicher geworden.

Also konnten Sie mit einem offenbar guten ERP-System dann auch die bisherigen Unternehmer überzeugen, die schlechte Erfahrung gemacht haben?

Peters: Richtig. Ich besuche die Unternehmen und bespreche weitere Digitalisierungsschritte wie die Einführung einer Business-Intelligence-Lösung. Damit lassen sich alle Daten innerhalb unserer Gruppe miteinander verbinden, um noch tiefer gehende Auswertungen machen zu können. Es gibt bei uns bereits KI-Tools, die den Unternehmen enorm Zeit sparen. Dass die Akzeptanz dafür vorhanden ist, basiert auf der guten Vorarbeit von Triton – dort wurde das immer gefördert.

Die Transparenz, die daraus entsteht, freut Triton sicherlich, weil die Erfolge schneller ersichtlich werden.

Ysenburg: Ja, Transparenz ist extrem wichtig, um zu sehen, wie sich ein Unternehmen entwickelt, und es ist wichtig für Entscheidungen, die wir für die Zukunft treffen müssen. Schließlich wollen wir eine hochqualitative Unternehmensgruppe entwickeln.

Letztlich ist die Digitalisierung auch ein Wachstums- beziehungsweise Expansionsmotor für bluu unit, oder?

Peters: So ist es. Wir können sehr schnell weitere Kälte- und Klimatechnikunternehmen bei uns onboarden, die somit nicht bei null anfangen müssen. Das ERP-System, das wir jetzt etabliert haben, können wir innerhalb von drei bis vier Monaten ausrollen, je nachdem, wie groß die Unternehmen sind. Es gibt viele Unternehmen, die sich bluu unit angeschlossen haben, die selbst vor der Einführung eines ERP-Systems zurückgeschreckt sind und jetzt davon profitieren, dass es bei uns bereits funktioniert.

Wie schlagen sich die Synergieeffekte im Alltag nieder?

Peters: Es gibt viele ökologische und ökonomische Vorteile. Sie können Einkaufsdaten, Vertriebsdaten, Kundendaten miteinander im ERP-System in der Plattform teilen. Dadurch lassen sich Einkaufsprozesse optimieren. Wenn unsere Monteure zu Kunden unterwegs sind, optimiert das ERP-System die Routen, sodass die Fahrzeiten kürzer werden. Das System weiß auch, welche Aufträge sich am besten kombinieren lassen. Das ist ein großer Mehrwert für Service, Wartung und das Projektgeschäft.

Herr Ysenburg, ist bluu unit damit auch ein Vorzeigeprojekt für Triton Partners?

Ysenburg: Mit Sicherheit ist bluu unit ein Beispiel, bei dem unsere Buy-and-Build-Strategie hervorragend funktioniert hat. Die Erfahrungen, die wir hier gemacht haben, tragen wir jetzt in neue Investments, die ein ähnliches Prinzip in Sachen Digitalisierung verfolgen.

Kommen bei bluu unit weiterhin neue Firmen hinzu?

Ysenburg: Pro Quartal kommen etwa zwei bis drei Firmen hinzu, darunter teilweise auch kleinere. Wir bewegen uns in einem Marktsegment, in dem wir den Anspruch haben, ein Champion zu werden – und dazu gehört es gleichzeitig, der attraktivste Arbeitgeber zu sein. Wir wollen solchen Unternehmen und ihren Mitarbeitern ein echtes Zuhause bieten, in dem sie sich weiter entfalten können. All diese Unternehmen sind sehr erfolgreich, begegnen aber teilweise strukturellen Herausforderungen, für die wir eine Lösung haben. Inzwischen kommen Unternehmen auf uns zu und sprechen uns an. Dabei spielt auch die besondere Kultur, die wir bei bluu unit aufgebaut haben, eine große Rolle.

Da Sie ja nun Experten sind: Wo sehen Sie die die größten digitalen Defizite im Mittelstand in Deutschland?

Ysenburg: In den Sektoren, in denen wir uns als Triton bewegen, sehen wir oft Defizite in der Infrastruktur, die nötig ist, um überhaupt die Digitalisierung voranzutreiben. Ich habe hierzulande Firmenstandorte gesehen, die keine ausreichende Internetversorgung hatten, weil es in der Region gar kein schnelles Internet gab.

Peters: Und wenn Sie dann eine gute Infrastruktur haben, brauchen Sie Moderatoren, die andere Menschen begeistern. Also dann ist Kommunikation stark gefragt, um die betroffenen Personen zu überzeugen, diesen Weg mitzugehen. Und das ist, glaube ich, im Mittelstand die größte Herausforderung. Bei bluu unit ist uns das jedenfalls nachhaltig gelungen.

👉 Dieser Beitrag ist auch in der aktuellen Magazinausgabe der Unternehmeredition 2/2026 erschienen.


ZU DEN INTERVIEWPARTNERN

Friedrich Ysenburg wechselte 2019 von Steadfast Capital, heute Borromin Capital, in Frankfurt, zum Smaller Mid-Cap Team bei Triton Partners, wo er als Investment Advisory Professional fungiert. In seiner früheren Karriere war er als Investmentmanager und in der Transaktionsberatung tätig. Er hält einen Master of Science in Finance von der Università commerciale Luigi Bocconi in Mailand und einen Bachelor of Commerce in Ökonometrie und International Business von der University of Sydney.

www.triton-partners.de

Patrick Peters ergänzt seit März 2026 die Spitze der bluu unit GmbH als Co-CEO neben Nicolo von Freyberg. Parallel dazu ist er Geschäftsführer der KKL Holding GmbH, die zur bluu-unit-Gruppe zählt. Peters bringt über 20 Jahre aus der Kälte-, Klima- und Rechenzentrumsbranche in die Gruppe ein.

https: //bluu-unit.de

Autorenprofil
Klaus Rathje

Klaus Rathje arbeitet seit mehr als 25 Jahren als freier Autor und Journalist. Sein Schwerpunkt liegt auf Unternehmensmagazinen, Geschäftsberichten und Corporate-Publishing-Formaten; darüber hinaus verfasst er Reportagen, Sachbücher und Porträts zu wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen.

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