Im eigenen Betrieb kennt der Unternehmer jede Kennzahl und jede einzelne Schraube. Doch sein Privatvermögen liegt bei Vermögensverwaltern, Banken oder ETFs – und er hat keinen Ein- und Durchblick, was sein Geld eigentlich macht.
Erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer sind nicht dorthin gekommen, wo sie sind, indem sie die Dinge einmal anschieben und dann laufen lassen. Nein, sie wissen immer, wo sie stehen, welche Marge welcher Auftrag bringt, was jeder Euro bewirkt.
Doch beim Privatvermögen machen sie das Gegenteil: Sie geben ihr eigenes Geld ab wie einen Mantel an der Operngarderobe, die Verantwortung oft gleich mit. Sie delegieren ihr Kapital – ein sichtbares Ergebnis ihrer Schaffenskraft und Lebenszeit – an Fremde, an Menschen, die es nicht persönlich betrifft, was mit diesem Geld geschieht. Ein Verlust ist dann Pech; ein Gewinn, wenn er denn kommt, fällt selten ins Gewicht.
Ein börsengehandelter Indexfonds, kurz ETF, ist heute oft die Endstufe davon: das Spiegelbild eines Massenmarktes, das niemand beeinflussen oder prüfen kann. Ob dabei auch Aktien von moralisch zweifelhaften Unternehmen gekauft werden, geht unter in der Unschärfe sogenannter Streuung.
Warum ist das so? Zeitmangel, zu wenig Interesse für Finanzanlagen, fehlende finanzielle Bildung? Geld, um spürbar und mit vollem Durchblick Vermögen aufzubauen, haben viele Unternehmer genug. Ihr Problem liegt woanders: Erfahrungsgemäß wissen sie einfach nicht, was es gibt, was möglich ist und was gut zu ihnen passt; es bedrückt sie, dass ihr Kapital nur herumliegt, sich schlecht entwickelt oder in Anlagen steckt, mit denen sie sich nicht identifizieren können.
Kurz: Viele Unternehmer haben kein Konzept, was sie mit ihrem Geld machen sollen.
Investieren wie die Profis
Welche Alternativen hat der vermögende Privatmensch? Im Grunde steht ihm das gleiche Instrumentarium zur Verfügung wie professionellen Anlegern auf höchstem Niveau: institutionellen, milliardenschweren Investoren – etwa Stiftungen, Pensionskassen, Banken und Versicherern oder Verwaltern von Universitätsvermögen.
Diese halten oft nur einen Bruchteil ihres Kapitals in börsennotierten Werten – und das eher als Liquiditätsreserve denn als Vermögensanlage; der größere Teil liegt in produktiven Wertschöpfungsketten, die nicht täglich bepreist und mit einem Kurszettel versehen werden.
Die Stiftung der Universität Yale etwa erzielte über die vergangenen 20 Jahre im Schnitt zweistellige Renditen* pro Jahr, quer durch Dotcom-Crash, Finanzkrise und Pandemie. Das ist spürbar mehr, als die Börsen im Schnitt hergeben, und oft irrationale Schwankungen muss niemand aushalten.
Wie gehen die großen Geldvermehrer dabei vor? Ihre Wertschöpfungsketten lassen sich in drei Säulen einordnen, die das Fundament bilden, und in eine vierte Kategorie:
Infrastruktur. Dabei handelt es sich um Sachwert-Komplexe, die für eine funktionierende Gesellschaft unverzichtbar sind, wie Energieerzeugung und -netze, Verkehr, Datenzentren, Satelliten, Kommunikation, Digitales und Logistik. Der Reiz liegt hier weniger in Wachstumsfantasien als in Stabilität und Vorhersehbarkeit. Die Nachfrage ist dauerhaft, die Verträge laufen über Jahrzehnte, inflationsindexierte Erträge sind die Norm.
Entwicklungsimmobilien. Das sind Immobilien, deren Wert innerhalb eines überschaubaren Zeitraums gesteigert wird – primär durch gezielte bauliche, rechtliche, wirtschaftliche oder strategische Maßnahmen: Beispiele sind Umwidmungen, Nutzungserweiterungen und energetische Sanierungen. Die Rendite kommt vorwiegend aus der Entwicklungsleistung, Einnahmen aus Vermietung oder Verpachtung sind nur erfreuliche Nebeneffekte. Entsprechend hängt vieles am Können des Entwicklers – und das Risiko richtet sich danach, wie gut er entwickeln kann.
Agrikultur. Essenzieller geht es kaum: die Produktion von Essen und Trinken. Und doch weiß der Durchschnittsanleger über diese ertragsstarke Anlageklasse so gut wie nichts. Der entscheidende Punkt ist die Position innerhalb der Wertschöpfung: Wer nur Land besitzt, ist Verpächter und kein Teil der Wertschöpfung.
Wer das Land aber bewirtschaften lässt, um das zu produzieren, was für Menschen noch wichtiger ist als Wohnen – der hält die Pole-Position und den größten Teil der Marge. Dafür braucht es allerdings etwas Geduld: Bäume wachsen nicht auf Zuruf, sondern benötigen einige Jahre; dann aber liefern sie über Jahrzehnte Erträge, die börsennotierte Anlagen im Schnitt deutlich hinter sich lassen können.
Und eine vierte Kategorie, die ich unter „Erfahrung, Abenteuer, Spaß“ ablege: Das sind Gelegenheiten, die zu einer bestimmten Zeit en vogue sind oder die nicht zu den drei Säulen passen – etwa Edelmetall, Kunst, Krypto, Oldtimer, sogar alte Policen und Bausparverträge. Das darf bleiben, solange es dem Anleger Freude macht und sinnvoll erscheint. Entscheidend ist, dass das Fundament der Vermögenssicherung und -vermehrung in den ersten drei Säulen liegt.
Der gemeinsame Nenner der drei Säulen
Der Investor besitzt einen Anteil an realer, plausibler Wertschöpfung, statt ein Papier zu halten. Er kann besichtigen und anfassen, was er finanziert, und er weiß, wer mit seinem Geld arbeitet und wofür. Er hat Einblick und Rechte eines Unternehmenseigners, ohne dessen Pflichten zu haben.
Als Wertschöpfer nach institutionellem Vorbild steht er auf dem Platz und hat Einfluss auf das Spiel, anstatt nur von den Rängen aus zuzuschauen.
So bekommen Privatinvestoren Zugang
Viele unternehmerisch denkende Privatanleger wollten diese jahrhundertealte, institutionelle Strategie für sich nutzen. Die eigentliche Hürde war der fehlende Zugang, denn essenzielle Wertschöpfungsketten werden häufig nicht öffentlich angeboten. Wenn sie öffentlich werden, wie im Falle eines Börsengangs, bleiben vom Kuchen nur Krümel übrig.
Außerdem war die nötige Beteiligungssumme für eine Privatperson in der Regel zu hoch. Selbst wer einige Millionen Anlagevermögen hat, steckt davon nicht drei in eine einzige Position – denn dann werden aus Investitionen Wetten.
Auflösen lässt sich das nach demselben Prinzip, das auch institutionelle Investoren im kleineren Kreis anwenden: Privatinvestoren definieren für sich geringere Mindestsummen und legen diese so lange zusammen, bis das geforderte Ticket erreicht ist. Damit bringt jeder Einzelne die Summe mit, die zu seinem Vermögen und Portfolio passt, ohne Klumpenrisiken einzugehen. Investiert wird über eine Beteiligungsgemeinschaft, die direkt beim Emittenten wie ein großer Institutioneller auftritt – nur, dass sich hinter ihr Dutzende bis Hunderte Kleinanleger versammeln.
Vom Geld-Delegierer zum Investor
Am Ende ist es nicht nur eine Frage des Vermögens, sondern auch der Haltung: Geben Unternehmer ihr Geld weiter ab wie den Mantel an der Garderobe? Oder holen sie es sich zurück in die eigene Einflusssphäre – mit wenig Aufwand, aber viel Freude an produktivem, transparentem Kapital?
Wer einmal erlebt hat, was sein Kapital in Bauwerken, Brücken, Bahnen und Böden bewegt, stellt sich diese Frage nicht mehr.







