Produktion bei Salzenbrodt: Der Lederpflegespezialist sitzt in Berlin.
Produktion bei Salzenbrodt: Der Lederpflegespezialist sitzt in Berlin.

Man kennt sie vor allem durch eine Marke: Collonil. Mit einer konsequenten Internationalisierungsstrategie ihrer hochpreisigen Schuhpflegemittel gelingt es der Salzenbrodt GmbH & Co KG, den Produktionsstandort in der Hauptstadtregion weiter auszubauen. In mehr als 100 Ländern ist das Unternehmen aktiv. 

Es begann 1909 mit fünf Fässern schwedischen Lederöls in einer Kreuzberger Küche, das die Brüder Paul und Walter Salzenbrodt in kleine Fläschchen abfüllten, um in die Schuhpflegebranche einzusteigen. Ein paar Jahre später bauten sie im brandenburgischen Mühlenbeck an der Berliner Stadtgrenze ihre erste Fabrik. Ufa-Star Marlene Dietrich machte Werbung für die Produkte der Brüder, die seitdem unter dem Namen „Collonil“ vertrieben wurden. Weil die Fabrik nach Kriegsende auf DDR-Gebiet lag und enteignet werden sollte, baute Walter Salzenbrodt die Produktion im beschaulichen Nordwestberliner Stadtteil Reinickendorf wieder auf.


1998 drohte das Aus

Nach dem Fall der Mauer kamen die Probleme: Wegfall der Berlin-Förderung durch die Bundesregierung, zunehmende Billigkonkurrenz im Schuhfachhandel und Todesfälle in der Familie, die eine geordnete Unternehmensnachfolge scheitern ließen. Die Traditionsmarke stand 1998 vor dem Aus. Die Familie holte den BASF-Manager Frank Becker, der gerade eine Gerberei in Portugal saniert hatte, nach Berlin. Mit einer Neuordnung des Produktportfolios, der Entwicklung neuer Produkte unter dem etablierten Namen mithilfe moderner Nanotechnologie, aber auch der Entlassung von Mitarbeitern gelang Becker der Turnaround. Er setzte vor allem auf eine konsequente Internationalisierungsstrategie mit hochpreisigen Markenprodukten: „Das war unsere einzige Chance, überhaupt den Produktionsstandort Berlin erhalten zu können“, so der Lederspezialist, der seine eigenen 62 Paar Schuhe und die seiner Frau und den vier Kindern selbst leidenschaftlich gern putzt. Inzwischen ist er auch mit 10 Prozent am Familienunternehmen beteiligt.