Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland steigt im ersten Halbjahr 2026 spürbar an. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung der Wirtschaftsauskunftei Dun & Bradstreet hervor. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres meldeten 9.557 deutsche Betriebe eine Insolvenz an. Dies bedeutet einen sehr deutlichen Zuwachs um 15,8 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Laut Dun & Bradstreet registrierte das Institut im ersten Halbjahr 2025 noch 8.253 Fälle. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2022 hat sich die Gesamtzahl der Firmenpleiten verdoppelt.
Rechnerisch meldeten im ersten Halbjahr 2026 täglich 53 deutsche Betriebe eine Insolvenz an. Im Jahr 2022 lag dieser Wert bei durchschnittlich 26 Fällen pro Tag. Setzt sich das Tempo fort, rechnet Dun & Bradstreet 2026 mit 19.000 bis 20.000 Insolvenzen. Im Gesamtjahr 2025 verzeichnete die Auskunftei insgesamt 17.100 Insolvenzen. Dirk Radetzki von Dun & Bradstreet Deutschland ordnet die aktuelle Lage ein. „Die Ursachen für den Anstieg liegen in einer Kombination aus schwachem Wachstum, hohen Kosten sowie gedämpfter Nachfrage.“ „Hinzu kommen die Nachwirkungen der zuvor hohen Zinsen und anhaltende geopolitische Unsicherheiten.“
Traditionsreiche Firmen stark gefährdet
Auffällig ist eine klare Verschiebung hin zu älteren Marktteilnehmern. Unternehmen mit mehr als zehn Jahren Marktpräsenz bilden inzwischen das größte Segment. Auf diese Gruppe entfallen 3.227 Fälle und damit 33,8 % aller Unternehmensinsolvenzen. Vor fünf Jahren lag dieser Anteil noch bei rund 29 %. Junge Betriebe mit einem Alter von bis zu drei Jahren kommen lediglich auf 17,4 %. Viele etablierte Firmen bauten ihr Geschäftsmodell unter vollkommen anderen Kostenbedingungen auf. Gleichzeitig stehen diese Betriebe nun vor großen strukturellen Umbrüchen. Dazu gehören die Digitalisierung, die Energiewende und der spürbare Fachkräftemangel. Diese Unternehmen stellen traditionell einen großen Teil der Beschäftigung im deutschen Mittelstand. Ebenso erbringen sie einen bedeutenden Teil der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung. Die Krise berührt somit fundamentale Pfeiler der heimischen Wirtschaft.
Die Entwicklung zeigt sich auf breiter Front in fast allen Regionen Deutschlands. In 15 der 16 Bundesländer nahmen die Insolvenzen zu. Lediglich Thüringen verzeichnete mit einem Minus von 2,3 % einen leichten Rückgang. Den stärksten prozentualen Zuwachs meldete das Bundesland Bremen mit 40,9 %. Dahinter folgen Brandenburg mit 30,2 %, Schleswig-Holstein mit 28,9 % und Hamburg mit 28,6 %. Bei den absoluten Fallzahlen liegt Nordrhein-Westfalen mit 2.211 Insolvenzen an der Spitze. Dahinter rangieren Bayern mit 1.417 und Baden-Württemberg mit 1.097 registrierten Fällen.
Handwerk und Großhandel mit hohen Fallzahlen
Die Branchenanalyse zeigt sehr deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Sektoren. Die meisten Insolvenzen verzeichnet das Handwerk mit Schwerpunkt Ausbaugewerbe mit 836 Fällen. Dahinter folgen der Großhandel mit 728 Fällen sowie die Unternehmens- und Steuerberatung mit 663 Insolvenzen. Das Gastgewerbe meldete im selben Zeitraum insgesamt 656 Fälle. Bei der prozentualen Entwicklung sticht die Telekommunikationsbranche mit plus 60 % hervor. Im Bereich Bergbau erhöhten sich die Fallzahlen um genau 50 %. Das Gastgewerbe verzeichnete einen deutlichen Anstieg um 21 %. „Mehrere Jahre schwachen Wachstums haben die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit vieler Unternehmen spürbar ausgehöhlt“, ordnet Dirk Radetzki ein. Besonders betroffen seien exportorientierte Sektoren mit hohem Wettbewerbsdruck und schwacher Investitionsbereitschaft.







