Das Institut Ebner Stolz hat eine Untersuchung zum Thema Unternehmenskennzahlen im Mittelstand durchgeführt. Nach Angaben der Prüfungsgesellschaft RSM Ebner Stolz unterlagen die finanzwirtschaftlichen Kennzahlen in den vergangenen Jahren einer erhöhten Volatilität. Geopolitische Krisen und technologische Transformationen prägten das wirtschaftliche Umfeld im gesamten Beobachtungszeitraum. Laut der Studie reagierten die einzelnen Wirtschaftssektoren jedoch teils sehr divergent auf diese externen Unsicherheiten. Während bestimmte Branchen einen klaren Abwärtstrend bei der Verschuldung zeigten, verzeichneten andere Sektoren Zunahmen. Das Jahr 2022 markierte infolge des Energiepreisschocks branchenübergreifend den Höchststand der Verschuldung. Danach setzte laut Rsm Ebner Stolz eine Phase der Stabilisierung und Bilanzkonsolidierung ein.
Kapitalbindung im Fokus
Ein deutlicher Trend zeigt sich bei der durchschnittlichen Kapitalbindungsdauer der Unternehmen. Diese erhöhte sich im Beobachtungszeitraum kontinuierlich, was auf eine eingeschränkte betriebliche Flexibilität hindeutet. Besonders das verarbeitende Gewerbe verzeichnete hier spürbare Herausforderungen durch gestiegene Vorratsbestände. Im Gegensatz dazu profitiert die Hotelbranche von einem hohen Innenfinanzierungspotenzial durch Kundenvorauszahlungen. Der Handel zeigte im Gesamtzeitraum einen leichten Rückgang der Kapitalbindung, durchlief jedoch zwischendurch einen massiven Anstieg.
Sorgenkind Profitabilität
Die Ertragskraft des deutschen Mittelstands stand im gesamten Berichtszeitraum unter erheblichem Druck. Die operative Profitabilität reduzierte sich laut der Untersuchung branchenübergreifend im Median. Steigende Kosten für Energie, Material und Personal konnten oft nicht vollständig weitergegeben werden. Die Spannbreite zwischen den Unternehmen ist jedoch beachtlich. Während einige Akteure Margen nahe null aufweisen, liegen andere Werte deutlich höher. Die finanzielle Stabilität wird signifikant von der jeweiligen Umsatzgröße beeinflusst. Kleinere Betriebe mit bis zu 50 Mio. EUR Umsatz zeigten meist eine volatilere Entwicklung. Sie litten unter stärkeren Margenrückgängen als die umsatzstärkere Vergleichsgruppe von 50 Mio. EUR bis 250 Mio. EUR Umsatz. Größere Unternehmen profitierten oft von stabileren Lieferketten und günstigeren Konditionen. Demgegenüber stehen kleinere Marktteilnehmer wegen restriktiverer Kreditvergabe vor höheren Herausforderungen.
Bedeutung für Transaktionen
Das Verhältnis von Nettofinanzverschuldung zum operativen Ergebnis stieg im Median leicht an. Für Investoren gewinnt das systematische Benchmarking im M&A-Kontext daher massiv an Bedeutung. „Die Möglichkeit, externe makroökonomische Einflussfaktoren von unternehmensspezifischen Treibern zu trennen, ist für die Qualität der Financial Due Diligence bei Unternehmenstransaktionen entscheidend“, wird Dr. Christoph Eppinger zitiert. Nur so lassen sich laut Rsm Ebner Stolz Sonder- und Einmaleffekte trennscharf abgrenzen. Die Daten wurden vom hauseigenen Data Science Team erhoben. Als eine der Top 10 Prüfungsgesellschaften in Deutschland beschäftigt RSM Ebner Stolz mehr als 2.900 Mitarbeitende an 15 Standorten. Das Unternehmen ist auf die Beratung des Mittelstands spezialisiert.








