Drastischer Höchststand bei Firmenpleiten

Insolvenz
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Die Wirtschaftsforschung Creditreform hat eine Untersuchung zum Thema Insolvenzen in Deutschland durchgeführt. Nach Angaben des Verbands der Vereine Creditreform e. V. zeigt die aktuelle Datenbasis für das 1. Halbjahr 2026 eine fortgesetzte Schwäche der deutschen Wirtschaft, die durch externe Schocks und strukturelle Probleme verschärft wirdDer anhaltende Negativtrend auf dem deutschen Markt beschleunigt sich weiter. Laut der Creditreform Wirtschaftsforschung verzeichneten die Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr einen spürbaren Zuwachs und erreichten den höchsten Stand seit über einem Jahrzehnt. Nach einer Phase der wirtschaftlichen Stagnation und Rezession gehen immer mehr Betrieben die finanziellen Reserven aus. Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist der durch den Iran-Konflikt ausgelöste Energiepreisschock sowie die Blockade wichtiger Handelsrouten im Nahen Osten. Auch bei Privatpersonen setzt sich die negative Entwicklung fort, da die Zahl der gemeldeten Verbraucherinsolvenzen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ebenfalls angestiegen ist.

Massiver Anstieg bei Jungunternehmen und Großbetrieben

Ein detaillierter Blick auf die Altersstruktur der betroffenen Firmen offenbart laut der Studie erhebliche Risiken in der frühen Phase nach einer Unternehmensgründung. Bei sehr jungen Betrieben im Alter von bis zu zwei Jahren gab es eine massive Zunahme der Insolvenzfälle. Ein ähnlicher, zweistelliger Zuwachs zeigte sich bei Unternehmen mit einer dreijährigen oder vierjährigen Marktpräsenz. Da infolge von Spannungen am Arbeitsmarkt wieder mehr Menschen die Selbstständigkeit wählen, steigt mit der Zahl der Gründungen auch die Zahl der Fehlschläge im aktuellen, schwierigen Umfeld.

Betrachtet man die Unternehmensgröße, verzeichneten größere Betriebe mit mehr als 250 Beschäftigten einen überdurchschnittlich starken Anstieg der Pleiten. Dieses Segment leidet in besonderem Maße unter den wirtschaftlichen Belastungen. Zu den prominentesten Großinsolvenzen des bisherigen Jahres zählen die Hotelkette Revo Hospitality Group mit rund 5.000 Betroffenen sowie die Feneberg Lebensmittel GmbH aus Kempten im Allgäu. Unabhängig von dieser Dynamik bei Großbetrieben entfällt der überwiegende Teil des Insolvenzgeschehens in Deutschland weiterhin auf Kleinunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten.

Divergierende Trends in Wirtschaftssektoren

Die wirtschaftlichen Probleme spiegeln sich sehr unterschiedlich in den Branchen wider. Während das Baugewerbe einen Zuwachs an Insolvenzen vermeldete, verzeichnete der Handel gegen den allgemeinen Markttrend einen leichten Rückgang der Fallzahlen. Ein massiver Einbruch zeigt sich dagegen im Dienstleistungssektor. Dieser Wirtschaftsbereich verzeichnete eine zweistellige Zunahme und macht mittlerweile den weitaus größten Anteil am gesamten Insolvenzgeschehen in Deutschland aus.

Viele Dienstleistungsbetriebe sind klein, besitzen kaum finanzielle Rücklagen und hängen von wenigen Auftraggebern ab. Zudem zwingen Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz zu schnellen Anpassungen der Geschäftsmodelle. Wer hier nicht Schritt hält, wird laut Creditreform zum Treiber der Negativentwicklung.

Krise bei Krediten

Ein Schwerpunkt der Analyse beleuchtet die Fähigkeit der Wirtschaft, Kreditverpflichtungen nachzukommen. Die Untersuchung zeigt, dass immer mehr Firmen ihre anfallenden Zinszahlungen nicht mehr ausreichend aus dem operativen Ergebnis decken können. Im langfristigen Vergleich hat sich der Anteil dieser gefährdeten Betriebe spürbar erhöht. Besonders dramatisch ist die Lage im Dienstleistungssektor, wo fast jedes zehnte Unternehmen keine ausreichende Zinsdeckung mehr erreichtAuch bei Großunternehmen hat sich die Schuldentragfähigkeit in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Die langanhaltende Konjunkturüberlastung führte zu sinkenden Umsätzen und Erträgen. Gleichzeitig belasten teure Kredite die Bilanzen, da die Europäische Zentralbank zur Inflationsbekämpfung die Zinsen massiv angehoben hatte. Kreditgeber müssen sich laut Creditreform auf verstärkte Ausfälle einstellen, da der Höhepunkt der Pleitewelle noch vor uns liegt und eine Stabilisierung frühestens für das kommende Jahr erwartet wird.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen.

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