Wer ein Unternehmen übernimmt, will Klarheit und Risiken frühzeitig erkennen. Zahlen, Verträge, Fakten – alles wird geprüft. Wirklich alles? Ein entscheidender Risikofaktor bleibt oft im Verborgenen: das Team und seine Dynamik. Es entscheidet über Erfolg oder Misserfolg.
Wenn das Team den Wandel nicht mitträgt, wird es schnell zum Bremsklotz oder gar zum Saboteur. Gleichzeitig verlassen nicht selten Leistungsträger das Unternehmen. Im Folgenden erfahren Sie, worauf Käufer achten sollten und was sie tun können, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden. Im Fokus steht die Substanz hinter den Zahlen: Know-how, Motivation, Produktivität und Verlässlichkeit im Team.
Due Diligence fürs Team: Warnsignale erkennen, bevor es zu spät ist
Woran merken Käufer schon vor dem Abschluss, dass es hinter den Kulissen knirscht oder klemmt? Für einen reibungslosen Übergang sind zwei Faktoren entscheidend: ein Unternehmen, das unabhängig vom bisherigen Inhaber funktioniert, und ein starkes Team. Beides bestimmt den Unternehmenswert. Viele Betriebe wurden über Jahrzehnte persönlich geprägt und mit Hingabe geführt. Der alte Chef war Entscheider, Problemlöser und Feuerwehrmann in einem. Für Käufer macht genau das den Eigentümerwechsel besonders herausfordernd.
Wenn das Unternehmen zu sehr am Inhaber hängt
Hängen Wissen und Verantwortung zu stark an einer Person, wird der Übergang riskant: Ohne den langjährigen Steuermann ist das Schiff manövrierunfähig – die neuen Eigentümer müssen das Ruder übernehmen und zugleich mühsam die Seekarten suchen.
Typische Warnsignale:
‣ Zentrale Entscheidungen laufen immer über eine Person („den Chef“).
‣ Das Wissen über Kunden- und Lieferantenkontakte steckt nur im Kopf oder Handy des Inhabers.
‣ Strukturen sind nicht mitgewachsen: mehr als 20 Mitarbeitende, aber keine echte Führungsebene.
‣ Wissen wird nicht geteilt, Prozesse sind kaum dokumentiert.
‣ Führungskräfte wirken unsicher und schieben Entscheidungen nach oben.
Teamstabilität als Erfolgsfaktor
Ein eingespieltes Team stabilisiert den Betrieb in der Übergangsphase, fängt Unsicherheiten ab und unterstützt die neue Führung – wie ein Schiffskiel bei stürmischer See. Solche Teams zeichnen sich durch klare Strukturen, Vertrauen und gezielte Kommunikation aus.
Warnzeichen für Probleme im Team:
‣ Hohe Instabilität: viele Krankheitstage, hohe Fluktuation, unbesetzte Stellen, kurze Betriebszugehörigkeit.
‣ Angespannte Atmosphäre: Schweigen in Meetings, ausbleibende Diskussionen, fehlender informeller Austausch.
‣ Geringe Offenheit im Miteinander: Gespräche wirken verkrampft, Informationen fließen stockend, Humor oder Leichtigkeit fehlen.
Warum Leistungsträger nach einer Übernahme gehen
Ein Führungswechsel bringt nicht nur eine neue Geschäftsleitung, sondern verändert das gesamte Gefüge im Unternehmen – wie bei einem Schiff, dessen Schwerpunkt sich verlagert: Alles gerät ins Schwanken, bis ein neues Gleichgewicht gefunden ist. Ein solcher Umbruch betrifft alle, doch für Leistungsträger und langjährige Mitarbeitende mit wertvollem Wissen ist er besonders belastend. Gerade sie geraten ins Wanken, weil sie eng mit der bisherigen Führung verbunden sind.
Typische Gründe für Kündigungen nach einer Übernahme:
‣ Unsicherheit über die eigene Rolle: Unklare Verantwortlichkeiten und mangelnde Perspektiven führen zu Verunsicherung.
‣ Verlust von Einfluss oder Wertschätzung: Fehlende Anerkennung und Einbindung lassen erfahrene Mitarbeitende sich übergangen fühlen.
Tipps für Käufer:
‣ Schlüsselpersonen früh identifizieren und gezielt einbinden.
‣ Bedeutung und Expertise klar anerkennen, Verantwortung übertragen.
‣ Frühzeitig Klarheit schaffen: Verantwortlichkeiten transparent machen und individuelle Perspektiven aufzeigen.
Doch es geht nicht allein um Schlüsselpersonen. Entscheidend ist, dass das gesamte Team den Wandel mitträgt. Andernfalls bleiben Potenziale ungenutzt, und die Belegschaft kann selbst zum Risiko werden.
In Übergangsphasen stehen neue Eigentümer meist unter Druck. Sie müssen sich orientieren und konzentrieren sich verständlicherweise auf das Geschäftliche. Dabei übersehen sie jedoch oft, dass vieles nicht selbsterklärend ist.
Folgen mangelnder Transparenz und Kommunikation
Die Folge: Informationslücken füllen sich mit Gerüchten, Misstrauen wächst, Vertrauen erodiert. Gerade die Anfangsphase ist entscheidend – gelingt es nicht, Vertrauen aufzubauen, drohen Produktivitätsverluste, Widerstand und Konflikte.
Konkret bedeutet dies:
‣ Fluktuation: Verlust von Know-how und Netzwerken.
‣ Produktivitätsausfall: Fehlendes Vertrauen führt zur inneren Kündigung.
‣ Widerstand: Entstehung von „Wir-gegen-den-Rest“-Mentalitäten.
‣ Kosten für Nachbesetzungen: Hohe „Cost of Vacancy“ durch lange Besetzungszeiten.
‣ Rangkämpfe und Konflikte: Unklare Strukturen fördern Machtspiele und Rivalitäten.
Tipps für Käufer: So gelingt der Übergang
- Vergangenheit respektieren
Unternehmensgeschichte, Strukturen und bisher Erreichtes würdigen. Werte und Rituale nicht vorschnell abschaffen, sondern behutsam weiterentwickeln.
Praxis-Tipp: Lernen Sie die Geschichte und die Menschen dahinter kennen. Persönliche Gespräche sind ein starkes Signal der Wertschätzung.
- Kultur bewusst gestalten
Alte und neue Führungskultur unterscheiden sich oft. Wer Unterschiede offen anspricht und Brücken baut, schafft Orientierung und Zusammenhalt.
Praxis-Tipp: Entwickeln Sie gemeinsam Leitlinien und Teamwerte, die Stärken bewahren und Neues integrieren.
- Offen und regelmäßig kommunizieren
Gerüchte entstehen, wo Informationen fehlen. Klare Kommunikation schafft Vertrauen und Stabilität.
Praxis-Tipp: Nutzen Sie Teammeetings, digitale Updates und offene Fragerunden.
- Feedback ernst nehmen
Mitarbeitende wollen gehört werden.
Praxis-Tipp: Etablieren Sie Feedbackrunden oder Umfragen und zeigen Sie, wie Ergebnisse umgesetzt werden.
- Rollen und Perspektiven klären
Unklare Aufgaben schaffen Unsicherheit.
Praxis-Tipp: Definieren Sie klare Rollen und Entwicklungsmöglichkeiten.
- Schlüsselpersonen einbinden
Praxis-Tipp: Führen Sie Einzelgespräche mit Schlüsselpersonen und übertragen Sie ihnen Verantwortung.
- Erfolge sichtbar machen
Kleine Erfolge fördern Motivation und Akzeptanz.
Praxis-Tipp: Kommunizieren Sie „Quick Wins“ regelmäßig im Team.
Fazit
Der Erfolg einer Übernahme hängt nicht nur von Bilanzen ab, sondern davon, ob Leistungsträger bleiben und das Team den Übergang mitträgt. Wer das Team schon vor dem Kauf in die Due Diligence einbezieht und nach dem Kauf gezielt einbindet, legt den Grundstein für eine nachhaltige Erfolgsgeschichte.





