„2021 wird ein Rekordjahr für M&A-Transaktionen“

Experten des M&A Forums 2021 der Wirtschaftskanzlei Luther blicken positiv auf die Entwicklungen am M&A-Markt

Am 22. April tagte zum elften Mal das M&A Forum der international tätigen Wirtschaftskanzlei Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH. Die Veranstaltung fand schon zum zweiten Mal virtuell statt und bot den mehr als 250 Teilnehmenden eine Reihe spannender Fachvorträge rund um das breite M&A-Themenspektrum sowie eine Abschluss-Diskussion über Carve-outs. 

„Die Aussichten für den Transaktionsmarkt stehen so gut wie nie“, betonte Moderator Dr. Thomas Kuhnle aus dem Stuttgarter Büro von Luther in seiner Begrüßungsrede. Nach einem bewegten Vorjahr sei die Zahl der Transaktionen im ersten Quartal 2021 enorm angestiegen.

„Wir freuen uns auf das Jahr 2021“, sagte der erste Referent und CEO der global agierenden Investmentbank Lincoln International Dr. Michael Drill. In seinem Marktüberblick stellte Drill die Deal Stopper den Deal Drivern gegenüber und präsentierte eine Reihe positiver Kennzahlen zur aktuellen globalen Entwicklung. So belief sich der Gesamtwert aller Transaktionen im ersten Quartal 2021 nach seinen Angaben auf 1.000 Mrd. EUR, was mehr als eine Verdoppelung gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum bedeutet. Die Anzahl aller M&A-Transaktionen in Q1 2021 lag bei 5.063, das sind plus ca. 6% gegenüber Q1 2020. Der mit Abstand aktivste M&A-Markt im ersten Quartal dieses Jahres sind die USA. „US-amerikanische Deals machen etwa 50% des weltweiten Gesamtwertes aus“, betonte Drill. TMT (Technologie, Medien, Telekommunikation) sei die Branche mit der höchsten M&A-Aktivität. Auf sie entfallen etwa 30% vom Gesamtwert und etwa 20% nach der Anzahl der Deals.

SPACs erreichen im ersten Quartal 2021 Rekordwerte

Drill ging auch auf den besonderen Trendmarkt SPACs ein, der nach Anzahl und Gesamtwert im ersten Quartal 2021 Rekordwerte erreichte. Gezählt wurden demnach 298 SPACs mit einem Volumen von 73 Mrd. EUR. Mit dem Hersteller von Elektro-Luxusautos Lucid Motors (10 Mrd. EUR) und dem Mitfahrdienst Grab (etwa 33 Mrd. EUR) wurden sogar die größten SPAC-Deals aller Zeiten abgewickelt. Die deutschen Deals erreichten nicht ganz diese Größenordnung. Zu den größten deutschen Transaktionen zählten die Übernahme von Birkenstock durch Finanzinvestoren (ca. 4 Mrd. EUR) und die Übernahme des Software-Startups Signavic durch SAP (1 Mrd. EUR).

„2021 ist ein Jahr der Sonderkonjunktur“, hob Drill hervor. Zum normalen Deal Flow fänden zudem Transaktionen statt, die im Vorjahr mit dem Aufkommen der Covid-19 Krise auf Eis gelegt worden seien. Als positiven Stimmungsindikator sieht er die Tatsache, dass Lincoln International seit Anfang des Jahres überdurchschnittlich viele Anfragen zu Transaktionsvorhaben erhalten habe, darunter der Verkauf von Tochtergesellschaften durch Großkonzerne, der Verkauf von Distressed Businesses (insbes. Automotive und Retail) und von Tech-Firmen, Sell-Side Beauty Contests für Portfoliounternehmen von Finanzinvestoren und Buy-Sides in Deutschland für US-amerikanische Strategen. Als weiteren Indikator sieht der Experte die starke Auslastung der M&A-Investmentbanken, die ihre Beraterteams weiter ausbauen würden. Auch für Deutschland erwartet Lincoln International ein Rekordjahr.

Starker Anstieg von Carve-out-Transaktionen

Neben den zahlreichen interessanten Fachvorträgen zu Themen wie der aktuellen Rechtsentwicklung und Praxishinweisen zu M&A, Post M&A Arbitration vs. Litigation, SPACs, Versicherungen für Distressed M&A, Lessons Learned bei Mid-Cap M&A in Corona-Zeiten und Transaction Compliance bot das Panel „Kommt die Carve-out-Welle? Handling in der Praxis“ einen weiteren Höhepunkt des virtuellen Events. Dr. Ulrich Philippi von Luther Stuttgart führte als Moderator durch die Diskussion mit seinen vier Panel-Gästen Daniel Riegler, EMEIA & GSA Lead Partner Carve-out bei Ernst & Young, Franz Woelfler, Managing Director der Aurelius Group, Dr. Nadine Sterly, Senior Director CEO Office der GEA Group und Dr. Michael Bormann von Luther Düsseldorf.

„Die Anzahl der Carve-out-Transaktionen ist stark angestiegen“, sagte Dr. Philippi in seiner Einleitung. Um diesen Trend zu untermauern, zitierte er eine Studie von Ernst & Young vom Mai letzten Jahres, der zufolge sich 78% der befragten Unternehmen in den kommenden zwei Jahren von Geschäftsbereichen trennen wollen. „Das Thema steht weiter ganz oben auf der Agenda“, so Philippi. Die Unternehmen würden zunehmend erkennen, dass sie sich auf einzelne Bereiche konzentrieren müssten. Im Unterschied zu früher betreibe man heute ein aktives Portfoliomanagement.

Carve-outs erfordern gute Vorbereitung

In der Diskussion ging es unter anderem um das richtige Handling von Carve-outs in der Praxis. Man müsse sich vorab darüber klar werden, wie man zu einer verkaufsfähigen Einheit gelange, sagte Dr. Michael Bormann von Luther Düsseldorf. „Carve-outs sind selten unkomplex“, ergänzte Daniel Riegler von EY. Bevor man etwas verkaufen könne, müsse ein gründliches Assessment stattfinden. Auch die anderen Panelisten betonten die Wichtigkeit einer guten Vorbereitung. „Als entscheidende Vorarbeit sollte der Scope der Transaktion ermittelt und festgelegt werden“, sagte Franz Woelfler von Aurelius. Nadine Sterley von GEA hob darüber hinaus die Bedeutung einer passenden Teamstruktur und der strategischen Einbindung des Betriebsrates in den Carve-out-Prozess hervor.

EBITDA als größter Werttreiber

Im Fokus der Diskussion standen ferner die wertbildenden Faktoren für einen Carve-out. „Es ist wichtig, den Unternehmenswert so weit wie möglich nach oben zu treiben“, sagte Woelfler. Das Asset sei beim Verkäufer unter Umständen schon nicht mehr gut aufgehoben, deshalb müsse man sich einen besseren Eigner suchen, schlug Riegler vor. Als weitere Möglichkeit einer Wertsteigerung wurde die sogenannte Value Creation genannt, bei der man das Asset vor dem Verkauf mit den Augen eines Finanzinvestors betrachtet. „Der größte Werttreiber ist immer noch das EBITDA“, schloss Riegler.

Große Bedeutung wurde darüber hinaus einem partnerschaftlichen Verhältnis zwischen Verkäufer und Käufer beigemessen: „Der partnerschaftliche Umgang ist wichtig, denn die Zusammenarbeit geht noch eine ganze Zeit nach dem Closing weiter“, sagte Sterley. „Vor allem auf der Arbeitsebene und insbesondere in den Arbeitsgruppen sollten die Akteure partnerschaftlich zusammenarbeiten“, ergänzte Woelfler.

Die gelungene Veranstaltung klang am Abend bei einer gemeinsamen „Basil Bomb“, einem selbst gemixten Cocktail, unter Anleitung des Barkeepers von „Paul & George“ in Stuttgart aus.

Die nächste Veranstaltung der Reihe „M&A-Forum“ soll Anfang Mai 2022 und dann wieder physisch stattfinden.

Autorenprofil

Als Redaktionsleitung der Unternehmeredition berichtet Eva Rathgeber regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Wirtschaftsjournalismus und PR.

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