Mittelständisches Factoring wächst trotz Insolvenzanstiegs

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Die mittelständische Factoringbranche ist im ersten Halbjahr 2026 leicht gewachsen. Nach einer Halbjahresumfrage des Bundesverbands Factoring für den Mittelstand e. V. unter seinen Mitgliedern legte der Umsatz der Institute bereinigt um 2,4% gegenüber dem Jahresende 2025 zu. Der Zuwachs bewegt sich damit etwa auf Höhe der Inflationsrate, der Markt entwickelt sich insgesamt seitwärts.

Höchste Insolvenzzahlen seit 2013 bremsen das Factoring nicht

Hinter dem Gesamtwert stehen sehr unterschiedliche Verläufe auf Institutsebene. Einzelne Anbieter mussten Rückgänge von bis zu 13% hinnehmen, andere verzeichneten Zuwächse von bis zu 150%. Das Umfeld bleibt schwierig: Nach Zahlen von Creditreform stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr um knapp 8% gegenüber dem Vorjahreszeitraum und erreichte den höchsten Stand seit 2013.

Michael Ritter, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Factoring für den Mittelstand e. V., wertet die Spreizung als Hinweis auf weiterhin vorhandenes Marktpotenzial. Gerade bei knapper Liquidität und schwer planbarer Geschäftsentwicklung gewinne eine breiter aufgestellte Finanzierung an Bedeutung, Factoring könne dabei „einen wichtigen Baustein bilden“.

Mehr als sieben von zehn Instituten erwarten steigendes Geschäft

Der Ausblick der befragten Institute fällt überwiegend positiv aus. Über 70% rechnen mit einem steigenden Geschäftsvolumen, knapp 24% mit einer gleichbleibenden Entwicklung, weniger als 6% mit Rückgängen. Getragen wird die Zuversicht vor allem vom Neukundengeschäft. Beim Bestand bleiben die Erwartungen verhaltener, da rückläufige Kundenumsätze unmittelbar das ankaufbare Forderungsvolumen verringern.

Betrug und Digitalisierung stehen gleichauf mit dem Insolvenzrisiko

Rund 77% der Befragten erwarten für die Gesamtwirtschaft weiter steigende Insolvenzzahlen. Ob sich das im eigenen Kundenbestand niederschlägt, beurteilen die Institute nahezu hälftig geteilt. Ebenfalls jeweils rund 77% nennen Factoringbetrug und Digitalisierung als zentrale Themen, fast 53% Cyberkriminalität. Mit stärker automatisierten Prozessen steigen zugleich die Anforderungen an Informationssicherheit und Betrugsprävention.

Refinanzierung und Kreditversicherer bereiten deutlich weniger Sorgen

Bei mehreren Rahmenbedingungen hat sich die Lage gegenüber früheren Befragungen entspannt. Die Verfügbarkeit von Refinanzierungsmitteln sehen nur noch knapp 29% als Herausforderung, die Zeichnungspolitik der Warenkreditversicherer rund 24%. Regulierung und Aufsicht nennen etwa 47% nach rund 58% in der vorangegangenen Erhebung, die Bindung qualifizierten Personals rund 35%.

Entscheidend für den weiteren Verlauf sei, so Ritter, ob sich die konjunkturellen Erholungssignale verstetigen und der Insolvenzdruck nachlässt.

Autorenprofil

Philipp Schnattinger studiert International Business Administration an der WHU – Otto Beisheim School of Management.

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