Mittelstand entscheidet Cloud-Fragen nach Governance

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Die Wahl einer Software für geschäftskritische Anwendungen ist im deutschen Mittelstand längst keine reine IT-Entscheidung mehr. Für 65% der Unternehmen hat Souveränität und Compliance im Konfliktfall Vorrang vor Innovationsgeschwindigkeit. Ebenso viele geben an, dass Cloud-Entscheidungen stärker unter Governance- als unter Kostengesichtspunkten fallen. Das zeigt eine Befragung von 518 Entscheidungsverantwortlichen aus den Bereichen Informationstechnologie und Recht, die die otris software AG gemeinsam mit Evergreen Media und Splendid Research im April 2026 durchgeführt hat.

Datenschutz verdrängt technische Fragen vom ersten Platz

Die Hälfte der Befragten nennt Datenschutz und Datenschutz-Grundverordnung als eine der drei größten Herausforderungen beim Einsatz von Cloud- und Software-as-a-Service-Lösungen. Klassisch technische Themen folgen mit deutlichem Abstand: Die Integration in bestehende Systeme kommt auf 34%, Datenresidenz auf 27%, Zugriffsschutz auf 24%. Bei der konkreten Investitionsentscheidung liegen Datenschutz mit 40% und Informationssicherheit mit 36% vorn, gefolgt von Funktionen für Künstliche Intelligenz und Analyse mit 32%. Kosten und Skalierbarkeit rangieren dahinter.

Für rund drei Viertel der Befragten sind Compliance-Funktionen ein Ausschlusskriterium

Noch vor der eigentlichen Bewertung wirkt ein Vorfilter: 72% der Unternehmen sehen nachweisbare Compliance- und Audit-Funktionen als grundlegende Anforderung, Lösungen ohne diese Funktionen kommen kaum in die engere Wahl. Für Künstliche Intelligenz gilt dasselbe Muster – 65% halten entsprechende Funktionen nur dann für relevant, wenn Governance und Nachvollziehbarkeit gewährleistet sind.

EU-Hosting allein genügt der Mehrheit nicht mehr

Beim Speicherort reicht deutschen Mittelständlern die geografische Zusage nicht aus. Nur 24% halten das Hosting eines globalen Anbieters in der Europäischen Union für ausreichend. 31% verlangen zusätzlich einen Anbieter unter europäischem Recht, 25% bevorzugen einen Server am eigenen Standort. Für mehr als die Hälfte der Unternehmen ist damit nicht nur entscheidend, wo Daten liegen, sondern wer rechtlich auf sie zugreifen kann – ein Punkt, der besonders US-amerikanische Hyperscaler betrifft, die auch in europäischen Rechenzentren dem CLOUD Act unterliegen.

Beim Anbieterwechsel klafft eine Lücke zwischen Anspruch und Praxis

76% der Unternehmen halten die Möglichkeit eines Anbieterwechsels für wichtig, geprüft wird sie im Auswahlprozess aber nur von 58% konsequent. Die größten Lock-in-Risiken sehen die Befragten in technischen Abhängigkeiten und proprietären Schnittstellen mit 46% sowie in Datenformaten und Migration mit 39%.

Künstliche Intelligenz kommt meist über die vorhandene Software ins Haus

74% der Unternehmen nutzen Künstliche Intelligenz bereits oder planen den Einsatz kurz- bis mittelfristig. 35% und damit die größte Einzelgruppe beziehen sie als Funktion bestehender Softwarelösungen. Damit legt der gewählte Anbieter zugleich den Rahmen für die Governance fest. Entsprechend hoch sind die Anforderungen: 45% verlangen Transparenz über die Verarbeitung, 44% klare Vorgaben zu Speicherort und Verarbeitung, 38% eine Verarbeitung ausschließlich innerhalb der Europäischen Union.

Der Cloud-Anteil wächst unterdessen weiter. 67% erwarten für die kommenden 24 Monate einen steigenden Anteil, darunter auch 63% der heute überwiegend auf eigene Infrastruktur setzenden Unternehmen. Die Erhebung fand vom 14. bis 24. April 2026 als Online-Befragung nach ISO 20252 statt.

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Eva Rathgeber ist Chefredakteurin der Unternehmeredition und verfügt über langjährige Erfahrung in Journalismus, PR und Unternehmenskommunikation. Inhaltlich liegt ihr Fokus auf Mittelstand, Familienunternehmen, Finanzierung, Investitionen, Private Equity, M&A, Nachfolge, Digitalisierung und Innovation.

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