Das historische Gaswerksgelände in Augsburg hat als Kulisse für die fünfte Auflage der Digitalkonferenz am 16. Juli gedient. Nach Angaben der Veranstalter besuchten rund 2.000 Gäste das von der Digitalagentur TEAM23 organisierte Event. Mit mehr als 70 Referenten auf vier Bühnen hat sich die sparkscon zur größten Konferenz dieser Art entwickelt. Die Veranstaltung beleuchtete den digitalen Wandel in der Wirtschaft.
Der bayerische Digitalminister Dr. Fabian Mehring äußerte sich in seiner Rede zu den strukturellen Bedingungen am Standort. Nach Ansicht des Ministers steht die heimische Wirtschaft vor erheblichen Herausforderungen. Hohe Energiepreise und steigende Arbeitslöhne prägen das aktuelle Marktumfeld in Deutschland. Zudem erschwert der demografische Wandel die Suche nach qualifizierten Fachkräften für anstehende Aufgaben. Technologische Spitzenleistung sei daher die einzige Option zur langfristigen Wohlstandssicherung. Laut Mehring fungiert die Metropolregion Augsburg als wichtige Startrampe für das kommende Zeitalter der künstlichen Intelligenz. Um globale Standortrisiken abzuwenden, forderte der Minister die zügige Gründung von einem europäischen Digital-Airbus. Nur so könne eine kritische Abhängigkeit bei Schlüsseltechnologien von den USA und China effektiv verringert werden. Der Staat müsse hierbei gezielt als strategischer Ankerkunde auftreten, um die digitale Souveränität zu sichern.
Kommunaler Fortschritt und Vernetzung
Der neu gewählte Augsburger Oberbürgermeister Dr. Florian Freund betonte die Relevanz einer kontinuierlichen Digitalisierung. Nach Angaben des Kommunalpolitikers positioniert sich die Stadt im harten Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte. Die Verwaltung müsse moderner und agiler werden, um den Anforderungen gerecht zu werden. Ein konkretes Beispiel sei das digitale Bürgeramt, welches direkt auf der Fachmesse vorgestellt wurde. Laut Freund dient die Konferenz als wichtiger Leuchtturm für die Vernetzung der Akteure. Es gelte, wichtige Bereiche der Stadtverwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft gezielt zusammenzuführen. Starres Silodenken müsse in der modernen Kommunalverwaltung konsequent aufgebrochen werden. Zudem stehe die Sicherheit der digitalen Infrastruktur für alle Bürger permanent im Vordergrund.
Praxisnahe Anwendungen in Industrie

Das Programm auf dem Veranstaltungsgelände umfasste zahlreiche Vorträge zu zukunftsfähigen Technologien. Das Automatisierungsunternehmen KUKA präsentierte neue Ansätze unter dem Titel einer neu gedachten Automation. Nach Angaben der Referenten gewinnt die kontrollierte Automatisierung in der industriellen Fertigung zunehmend an Bedeutung. Die Technische Hochschule Augsburg beleuchtete die aufkommende Ära von eigenständig agierenden KI-Agenten. Auch namhafte Konsumgüterhersteller zeigten praxisnahe Einblicke in ihre aktuellen Entwicklungen. Der Vorwerk-Konzern demonstrierte Aspekte der Konzeption des neuen Küchengeräts Thermomix TM7. Das Handelsunternehmen Otto veranschaulichte die Gestaltung von digitalen Kundenerlebnissen ohne klassische Benutzeroberflächen. Der Energiekonzern E.ON thematisierte den strategischen Wandel hin zu einer ganzheitlichen Mitarbeitererfahrung. Die Relevanz von User Experience als zentralem Erfolgsfaktor wurde zudem durch den ehemaligen SAP-Produktchef Nis Boy Naeve hervorgehoben.
Chancen und Risiken digitaler Ökosysteme
Neben praktischen Anwendungen wurden auch kritische Perspektiven im Umgang mit künstlicher Intelligenz diskutiert. Der Gründer des Video-Startups Mozaik, Nele Marten de Vries, berichtete über Erfahrungen mit automatisierten Systemen. Er nutze diese Werkzeuge bereits selbstverständlich im Arbeitsalltag. Dennoch warnt de Vries vor den Risiken einer vollständig autonomen Arbeitsweise von Systemen. Es müsse immer einen menschlichen Kontrollpunkt im gesamten Prozess geben.
Der bekannte Technologie-Blogger Sascha Pallenberg kritisierte in seinem Vortrag die Struktur der modernen Online-Medien. Nach seiner Ansicht ist der klassische Gefällt-mir-Button die eigentliche Wurzel des Übels im Internet. Er prangert billige Klick-Anreize und kurzlebige Trends auf verschiedenen Videoplattformen an. Laut Pallenberg erwirtschaftet der US-Konzern Meta ungefähr 10% des Gesamtumsatzes mit betrügerischen Anzeigen im Netzwerk. Als positives Gegenbeispiel lobte er den europäischen Rechtsrahmen für künstliche Intelligenz als weltweit einzigartiges Schutzkonzept.
Menschliche Komponente der Vernetzung

Die Geschäftsführerin von TEAM23, Michaela Schuster, plädierte für neue Veranstaltungsformate in der Digitalwirtschaft. „Digitalisierung braucht keine steifen Formate, sondern offene Räume für echte Begegnung“, sagte Schuster auf der Konferenz. Das bewusste Aufbrechen klassischer Konferenzstrukturen reduziere die Distanz zwischen den Teilnehmern und fördere den Dialog. Ein besonderer Programmpunkt verdeutlichte die gesellschaftliche Dimension der Technologie. Im Rahmen einer Vorabendveranstaltung schaltete sich der Musiker Rüdiger Linhof live in ein Studio nach Charkiw. Diese direkte Verbindung in die ukrainische Stadt demonstrierte das Potenzial digitaler Netzwerke. Technologie könne Menschen auch unter schwierigen Bedingungen über große Distanzen hinweg verbinden.







