Das Geschäftsklima im deutschen Mittelstand hat sich spürbar verbessert. Treibende Kraft hinter dieser Entwicklung sind deutlich optimistischere Geschäftserwartungen der kleineren und mittleren Unternehmen. Auch die Beurteilung der aktuellen Lage zeigt eine leicht positive Tendenz. Das Stimmungsniveau liegt jedoch weiterhin spürbar unter dem langfristigen Durchschnitt. KfW Research liefert das monatliche Mittelstandsbarometer und bietet nach eigenen Angaben ein umfassendes Bild dieser Entwicklungen. Die Auswertung basiert auf den monatlichen Konjunkturumfragen des ifo Institut.
Die Aufhellung des Geschäftsklimas erstreckt sich laut KfW über sämtliche Wirtschaftsbereiche. Einen besonders kräftigen Schub verzeichnet dabei das Verarbeitende Gewerbe. In der Industrie haben sich sowohl die Geschäftserwartungen als auch die Lagebeurteilungen deutlich erholt. Auch im Einzelhandel und im Großhandel ist eine ausgeprägte Stimmungsverbesserung zu beobachten. Moderater fällt das Plus im Bauhauptgewerbe sowie im Dienstleistungssektor aus. Im Zuge dieser Entwicklung haben sich die Beschäftigungserwartungen im Mittelstand wieder etwas erholt. Im Gegensatz zum Mittelstand stagniert die Entwicklung in den Großunternehmen weitgehend. Das Geschäftsklima in Großbetrieben zeigt sich nahezu unverändert. Während die Erwartungen in Großunternehmen zulegen, bewegen sich die Lageurteile in die entgegengesetzte Richtung. Insgesamt liegt das Stimmungsniveau der Großunternehmen aber weiterhin nahe an den Werten des Mittelstandes.
Politische Impulse und globale Risiken
Verschiedene Faktoren beeinflussen die Stimmungsdaten positiv. Das Reformprogramm der Regierungskoalition zur Bürokratieentlastung stärkt das Vertrauen der Betriebe. Zudem wirkte sich eine zeitweise Entspannung im Nahost-Konflikt positiv auf die Erwartungen aus. Gleichzeitig gehen die Absatzpreiserwartungen der Unternehmen erneut zurück. Dies gilt sowohl für mittelständische Firmen als auch für Großunternehmen. Die Preiserwartungen bewegen sich damit wieder annähernd auf dem Niveau vor dem Ausbruch der Krise. Dieser Rückgang korrespondiert mit der vorübergehenden Beruhigung an den Rohstoffmärkten.
„Der Mittelstand blickt wieder nach vorn“, sagt Philipp Scheuermeyer, Konjunkturexperte bei KfW Research. „Wahrscheinlich hat sich die Stimmung durch das Reformprogramm verbessert. Die Regierungskoalition verspricht beim Thema Bürokratie eine erhebliche Entlastung. Insgesamt bleibt das Umfeld jedoch fragil. Bei einer stockenden Ausfuhr aus der Golfregion bleibt das Rückschlagrisiko groß.“ Trotz schwacher Stimmungsindikatoren zeigten sich harte Konjunkturdaten zuletzt solide. Auftragsbestände, Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze entwickelten sich stabil. Dennoch bleiben wirtschaftliche Risiken bestehen.
Wirtschaftswachstum trotz fragiler Rahmenbedingungen
Für die kommenden Quartale gilt ein moderates Wirtschaftswachstum als wahrscheinlich. Starke staatliche Ausgaben für Investitionen und Verteidigung stützen die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Höhere Energiepreise könnten das Wachstum jedoch belasten. Nach Angaben von KfW Research hängen die weiteren Aussichten maßgeblich von den Rohstoffeinfuhren ab. Eine anhaltende Blockade der Ausfuhr aus der Golfregion könnte erneute Preisschocks auslösen. Das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer erfasst monatlich rund 9.500 Unternehmen. Darunter befinden sich etwa 8.000 mittelständische Firmen. Als mittelständisch gelten Unternehmen mit maximal 500 Beschäftigten. Zudem darf der Jahresumsatz 50 Mio. EUR nicht überschreiten. Für einzelne Branchen gelten angepasst niedrigere Schwellenwerte. Großunternehmen überschreiten mindestens eine dieser Grenzen.







