„Der Mittelstand steht aktuell vor vielen Herausforderungen“

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Als Förderbank für Nordrhein-Westfalen unterstützt die NRW.Bank den Mittelstand mit einem breiten Förder- und Finanzierungsangebot sowie Beratung. Durch offene oder stille Beteiligungen hilft sie den Unternehmen dabei, ihr Eigenkapital zu stärken. Wir sprachen mit Claudia Köppe über aktuelle Herausforderungen des Mittelstands, den steigenden Eigenkapitalbedarf und die Rolle der NRW.BANK bei Nachfolge- und Wachstumsfinanzierungen.

Unternehmeredition: Welche Rolle spielt die NRW.Bank bei der Finanzierung des Mittelstands?

Claudia Köppe: Wir sind Partnerin des hiesigen Mittelstands. Die NRW.Bank hilft den Unternehmen, ihre Positionen im weltweiten Wettbewerb zu behaupten und auszubauen. Damit trägt die NRW.Bank zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts bei und sorgt für zukunftsfähige Arbeitsplätze. Wir stellen Eigenkapital für mittelständische Unternehmen zur Verfügung. Wir sind dabei nicht allein auf kleine und mittelständische Unternehmen beschränkt, sondern können auch größere, inhabergeführte Mittelständler bis zu einer Umsatzgröße von 1 Mrd. EUR finanzieren. Das machen wir sowohl mit offenen als auch mit stillen Beteiligungen.

Worin bestehen sind die Anlagekriterien?

Für uns als Eigenkapitalfinanzierer einer regionale Förderbank muss ein Unternehmen seinen Sitz oder einen wesentlichen Teil seines Geschäfts in NRW haben. Es müssen also die meisten Arbeitsplätze oder beispielsweise eine wichtige Produktionsstätte im Land sein. Einen spezifischen Branchenfokus haben wir nicht. Unsere Risikostrategie gibt vor, dass wir bei einem Kontrahenten entweder nur auf der Eigen- oder nur auf Fremdkapitalseite tätig sein dürfen. Wir dürfen auch keine Schulden mit unseren Mitteln ablösen.

Bei offenen Beteiligungen können wir nur Minderheiten eingehen. Das dürfen wir nur gemeinsam mit einem Co-Investor machen, der nicht vorher bereits an dem Unternehmen beteiligt war. Wir betrachten vor der Vergabe von Eigenkapital das Geschäftsmodell eines Unternehmens, die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre und die voraussichtliche Entwicklung in der Zukunft. Außerdem muss mindestens ein Grundstock an Eigenkapital vorhanden sein.

Haben die Unternehmen aktuell einen höheren Eigenkapitalbedarf?

Die wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen ist seit Jahren angespannt; erst durch Corona, dann durch die Folgen des Ukrainekriegs, vor allem durch gestiegene Energiekosten. Die sind noch nicht ausgestanden, und doch sind wir im Zuge des Irankriegs schon wieder mit neuen Schwierigkeiten in den Lieferketten konfrontiert. Wir haben in NRW beispielsweise eine starke Automobilzulieferindustrie, die unter der angespannten Situation im Automobilsektor leidet.

Es gibt aktuell zahlreiche Herausforderungen mit Auswirkungen auch auf den Mittelstand in Deutschland, vor allem auf die Kostensituation. Infolgedessen ist auch die Investitionszurückhaltung unverändert groß, auch wenn die Bedarfe durchaus vorhanden sind. Die teilweise schwierige Geschäftsentwicklung hat bei einigen Unternehmen die Eigenkapitalquote angegriffen, und ihre Banken geben ihnen nur weitere Kredite, wenn sie ihr wirtschaftliches Eigenkapital aufbauen. Manche Unternehmen können das aus eigener Kraft. Für die, die das nicht können, ist die NRW.Bank eine Anlaufstelle zur Stärkung der Bilanzstruktur.

Wo liegen die Finanzierungsschwerpunkte?

Die Unternehmensnachfolge ist schon seit einiger Zeit ein solcher Schwerpunkt. Viele Unternehmer wollen ihr Unternehmen abgeben – oft, weil sie die Altersgrenze erreicht haben, manchmal aber auch, weil sie durch all die vielen Krisen müde geworden sind. Wenn es einen Nachfolger im Unternehmen gibt, wird der in aller Regel nicht ausreichend Mittel haben, dem Altgesellschafter seine Anteile abzukaufen. Er wird dazu Banken brauchen, die eine Akquisitionsfinanzierung bereitstellen. Hier kann Eigenkapital der NRW.Bank eine Rolle spielen – als ein Puzzlestück, um die Gesamtfinanzierung zu stemmen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei Wachstumsinvestitionen. Es gibt immer noch Unternehmen, die es trotz aller widrigen Umstände der letzten Zeit geschafft haben, weiter zu wachsen, und die noch weiterwachsen möchten. Sie ersuchen uns um Hilfe bei der Finanzierung von größeren Anschaffungen, beispielsweise von größeren Maschinen, um ihre Kapazitäten auszuweiten. Wir sehen auch sehr oft, dass Banken in solchen Fällen die Vergabe von Fremdkapital an eine Stärkung der Eigenkapitalbasis knüpfen. Auch dann stehen wir bereit.

👉 Dieser Beitrag erscheint auch im Spezial „Investoren im Mittelstand 2026“ (Erscheinungsdatum: 15. Mai).


ZUR INTERVIEWPARTNERIN

Claudia Köppe

Abteilungsleiterin Mittelstand und Fondsinvestments,

NRW.Bank

Claudia.koeppe@nrwbank.de

 

 

Claudia Köppe leitet seit 2018 die Abteilung Mittelstand und Fondsinvestments im Bereich Eigenkapitalfinanzierungen der NRW.BANK. Sie ist Diplom-Kauffrau und verfügt über langjährige Erfahrung im Beteiligungsgeschäft aus der Tätigkeit bei mehreren Banken und in der Industrie.

Autorenprofil
Bärbel Brockmann

Bärbel Brockmann ist eine freie Wirtschaftsjournalistin, die schwerpunktmäßig über Finanz-, Energie- und Immobilienthemen schreibt. Die frühere Leiterin des Düsseldorfer Korrenspondentenbüros der Nachrichtenagentur Reuters begann ihre berufliche Karriere bei einer großen Regionalzeitung.

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