Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Auftrag der Unternehmensberatung FTI-Andersch die Studie „German Economic Pulse 2026“ durchgeführt und dabei die Wettbewerbsposition der deutschen Industrie gegenüber chinesischen Anbietern untersucht. Für die Erhebung wurden im Sommer 2026 insgesamt 151 Führungskräfte deutscher Industrieunternehmen telefonisch befragt. Die Ergebnisse gelten als repräsentativ für Unternehmen ab zehn Mio. EUR Jahresumsatz aus den Bereichen Automobilindustrie, Maschinen- und Anlagenbau sowie energieintensive Industrie.
Wandel im Wettbewerb
Laut der Untersuchung schätzt ein Viertel der produzierenden Industrie in Deutschland die eigene Wettbewerbsposition gegenüber chinesischen Anbietern auf dem europäischen Markt als unterlegen ein. Gleichzeitig haben 28% der befragten Unternehmen seit Anfang 2025 Aufträge oder Ausschreibungen an chinesische Anbieter verloren. Weitere 13% der Betriebe berichten vom Verlust von Bestandskunden. Laut der Studie sehen sich 52% der Unternehmen auf dem europäischen Markt als überlegen an. Nach Angaben von Forsa halten sich 17% der Befragten für leicht unterlegen und 8% für deutlich unterlegen.
Paradox im Maschinenbau
Besonders ausgeprägt zeigt sich diese Entwicklung im Maschinen- und Anlagenbau. In dieser Branche schätzen sich nach den Daten der Untersuchung 77 % der Firmen als überlegen ein und nur 4% stufen sich als unterlegen ein. Dennoch meldet genau dieser Sektor mit 38 % den höchsten Verlust an Aufträgen an chinesische Konkurrenten. Zudem mussten 22% der Unternehmen in diesem Bereich den Verlust von Bestandskunden hinnehmen. Ralf Winzer von FTI-Andersch erklärt dazu laut der Mitteilung, dass eine als überlegen wahrgenommene Position keineswegs vor konkreten Verlusten schütze.
Reaktionen der Industrie
Als Reaktion auf den wachsenden Druck setzen deutsche Unternehmen vor allem auf Abgrenzung und Qualitätsmerkmale. Laut der Studie nutzen 60% der Befragten die Produktion in Europa seit Anfang 2025 als Gütesiegel. 47% der Unternehmen betonen verstärkt die eigene Qualität oder Systemkompetenz. Dagegen hat nach den Angaben nur jedes fünfte Unternehmen die eigenen Produkt- oder Prozesskosten gesenkt. Ralf Winzer warnt in diesem Zusammenhang, dass dies bei steigendem Preisdruck absehbar die Gewinnmargen belaste und daher auch von Finanzierern verstärkt beobachtet werde.
Partnerschaften in China
Parallel zur Abgrenzung suchen viele Unternehmen die Zusammenarbeit. 21% der befragten Betriebe haben Partnerschaften mit chinesischen Unternehmen aufgebaut. 9% der Unternehmen haben eigene Produktionskapazitäten für chinesische Partner geöffnet. Am aufgeschlossensten zeigt sich dabei der Maschinen- und Anlagenbau mit einem Partnerschaftsanteil von 30 %. Ralf Winzer führt dazu aus, dass Unternehmen unter hohem Wettbewerbsdruck Partnerschaften zunehmend als strategische Option prüfen. Dies diene vor allem dazu, Kostenstrukturen zu optimieren sowie den Markt- oder Technologiezugang zu verbessern.
Kein genereller Rückzug
Entgegen öffentlichen Diskussionen über ein umfassendes De-Risking zeigt sich in der Unternehmenspraxis kein breiter Rückzug aus dem China-Geschäft. Nach Angaben von FTI-Andersch haben 48 % der Unternehmen in den vergangenen drei Jahren Geschäfte in oder mit China gemacht. Für 36 % dieser Unternehmen hat der chinesische Absatzmarkt sogar an Bedeutung gewonnen. Lediglich 4 % der Betriebe haben ihre Aktivitäten in China reduziert oder sich bewusst von der globalen Lieferkette abgekoppelt. Größere Unternehmen ab 100 Mio. EUR Jahresumsatz setzen besonders stark auf den Markt und bauen ihre Präsenz vor Ort weiter aus.
Link zur Studie: https://www.fti-andersch.com/en/news/forsa-study-on-investment-more-than-half-of-the-manufacturing-sector-has-no-plans-to-set-up-new/








