Wirtschaftsforschungsinstitute verdoppeln die Wachstumsprognose

Foto: © Miha Creative_AdobeStock
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Die großen deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute verdoppeln ihre gemeinsame Wachstumsprognose für Deutschland. Das reale Bruttoinlandsprodukt soll in diesem Jahr bei 1,3% liegen. Im kommenden Jahr rechnen die Forscher mit einem weiteren Plus. Dieses Plus soll dann exakt 1,1% betragen. Im Frühjahr lag die Schätzung der Institute noch bei 0,6%. Die aktuelle Erholung der Wirtschaft fällt somit stärker aus. Sie bleibt nach Ansicht der Forscher jedoch insgesamt weiterhin schwach. Dies zeigt sich deutlich an der langfristigen Prognose für das Jahr 2028. Für diesen Zeitraum erwarten die Ökonomen lediglich ein geringes Wirtschaftswachstum. Dieses wird voraussichtlich nur noch bei 0,4 % liegen.

Stabile Inflationsrate

Die Inflationsrate dürfte zunächst auf einem relativ hohen Niveau verharren. Für dieses und das kommende Jahr prognostizieren die Institute rund 3 %. Erst im Jahr 2028 soll die Teuerungsrate spürbar sinken. Sie wird dann voraussichtlich auf den Zielwert von rund 2 % zurückgehen. Die sogenannte Gemeinschaftsdiagnose der Forschungsinstitute hat eine hohe Bedeutung. Sie bildet die zentrale Grundlage für die Wirtschaftsprognosen der Bundesregierung. Auch die offizielle Steuerschätzung des Staates basiert stets auf diesen wichtigen Daten.

Stimmung in der deutschen Wirtschaft steigt

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft verbessert sich spürbar. Das Ifo Institut meldet einen erneuten Anstieg des Geschäftsklimaindex. Der Wert kletterte im September auf 89,9 Punkte. Im August lag dieser Indikator noch bei 88,8 Punkten. Es handelt sich um den fünften Anstieg in Folge. Die befragten Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage deutlich positiver. Auch die geschäftlichen Erwartungen der Betriebe hellen sich weiter auf. Clemens Fuest, der Präsident des Instituts, äußert sich dazu. Er sagt: „Die deutsche Wirtschaft setzt ihren Erholungskurs fort.“

Unterschiedliche Trends in den einzelnen Branchen

Die wirtschaftliche Erholung zeigt sich vor allem im verarbeitenden Gewerbe. Auch der Dienstleistungssektor und der Handel verzeichnen positive Entwicklungen. Im verarbeitenden Gewerbe konnte der Index erneut deutlich zulegen. Die Betriebe haben dort wesentlich bessere Erwartungen für die Zukunft. Die aktuelle Lage beurteilen diese Unternehmen hingegen noch etwas schlechter. Sie sind weiterhin mit dem vorhandenen Auftragsbestand sehr unzufrieden. Im Dienstleistungssektor drehte das Geschäftsklima wieder in den positiven Bereich. Diese Unternehmen zeigen sich mit den laufenden Geschäften zufriedener. Die Dienstleister korrigieren zudem ihre Erwartungen für die kommenden Monate nach oben.

Entwicklung im Handel und im Baugewerbe

Auch im Handel ist der wirtschaftliche Indikator zuletzt spürbar gestiegen. Die Erwartungen der Handelsunternehmen stiegen im September ebenfalls leicht an. Angesichts der steigenden Inflation bleiben die Händler zurückhaltend. Das Bauhauptgewerbe zeigt dagegen bisher keine klare Aufwärtstendenz. Der Index in dieser wichtigen Branche ist nahezu unverändert geblieben. Die Bauunternehmen sind etwas zufriedener mit den laufenden Geschäften. Die Erwartungen in der Baubranche fielen allerdings geringfügig schlechter aus.

Staatliche Schulden treiben die aktuelle Konjunktur

Die Ökonomen warnen vor der fiskalischen Expansion des Staates. Diese schuldenfinanzierte Politik wird die Konjunktur zu einem guten Teil treiben. Dieser Effekt gilt für dieses und das kommende Jahr. Das staatliche Finanzierungsdefizit wird gemäß der Prognose deutlich ansteigen. In diesem Jahr liegt das Defizit voraussichtlich bei 4,1 % des Bruttoinlandsprodukts. Bis zum Jahr 2028 soll dieser Wert auf 4,7 % steigen. Laut den Instituten gibt es zunehmenden Handlungsbedarf in der deutschen Finanzpolitik. Die Experten weisen ausdrücklich auf einen Konflikt mit europäischen Regeln hin. Die deutsche Finanzpolitik steht nicht mit den europäischen Fiskalregeln im Einklang. Der Zuwachs der Nettoprimärausgaben überschreitet den vorgesehenen Pfad deutlich.

Die nationale Schuldenbremse könnte zwar rein formal weiterhin eingehalten werden. Dennoch würde die Schuldenquote des Staates mittelfristig weiter ansteigen. Damit wächst der dringende Konsolidierungsbedarf für die gesamten öffentlichen Haushalte. Der Staat muss deshalb künftig deutlich weniger Geld ausgeben. Alternativ müssen die staatlichen Steuern für die Bürger und Unternehmen steigen.

Schmales Fundament des neuen Aufschwungs

Oliver Holtemöller ist der Konjunkturchef des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle. Er äußert sich kritisch zu der Entwicklung. Er erklärt: „Der Aufschwung steht auf einem schmalen Fundament.“ Die derzeitige Erholung stützt sich vor allem auf zwei wesentliche Faktoren. Eine robuste Nachfrage aus dem Ausland treibt die deutsche Wirtschaft an. Zudem sorgen steigende öffentliche Ausgaben für wichtige konjunkturelle Impulse. Auch der Ausbau der Infrastruktur erhält viele zusätzliche staatliche Mittel.

Im kommenden Jahr soll die inländische Verwendung den Aufschwung tragen. Die Ökonomen erwarten eine moderate Erholung des privaten Konsums in Deutschland. Die Menschen werden voraussichtlich wieder etwas mehr Geld ausgeben. Auch die Wohnungsbauinvestitionen sollen einen allmählichen Anstieg verzeichnen. Diese Investitionen machten in den vergangenen Jahren eine große Flaute aus. Private Ausrüstungsinvestitionen befinden sich hingegen noch in einem klaren Abwärtstrend. Dies bremst die wirtschaftliche Dynamik in der gesamten Industrie.

Verzögerte Erholung auf dem Arbeitsmarkt

Am Arbeitsmarkt wird die wirtschaftliche Erholung erst mit einer Verzögerung ankommen. Die Erwerbstätigkeit in Deutschland wird zunächst weiter sinken. Dies geht aus der aktuellen Gemeinschaftsdiagnose der Forschungsinstitute hervor. Die Arbeitslosenquote wird in diesem Jahr voraussichtlich 6,4 % betragen. Erst im Jahr 2028 soll dieser Wert wieder unter 6 % sinken. Die Arbeitslosenzahl wird im Durchschnitt mehr als 2.900.000 Personen betragen. Diese Entwicklung stellt eine große Herausforderung für die Politik dar.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen.

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