„Unsere Investments sind grundsätzlich sehr eigenkapitalnah“

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M Cap Finance stellt etablierten mittelständischen Unternehmen im deutschsprachigen Raum Mezzanine- und Eigenkapital für Wachstum, Übernahmen oder Nachfolgeregelungen zur Verfügung – meist als „stiller Partner“. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer von M Cap Finance Lars Gehlhaar.

Unternehmeredition: Herr Gehlhaar, viele Mittelständler schrecken bei dem Begriff Finanzinvestor zunächst zurück, weil sie Angst vor Kontrollverlust haben. M Cap Finance tritt oft als „stiller Partner“ auf. Wie würden Sie Ihren Investmentstil beschreiben?

Lars Gehlhaar: Wir verstehen uns als unternehmerisch denkender und agierender Finanzierungspartner. Das Management und der oder die Hauptgesellschafter sind und bleiben dabei im „Driver’s Seat“. Aufgrund unserer Rolle in der Kapitalstruktur – meist mit nachrangigem Mezzaninekapital oder einer minderheitlichen Eigenkapitalbeteiligung – sind wir wirtschaftlich auf den langfristigen unternehmerischen Erfolg unserer Portfoliounternehmen angewiesen. Daher begleiten wir die Unternehmen gerne mit unserer langjährigen Erfahrung kooperativ, etwa im Rahmen von Beiräten oder bei strategischen Diskussionen.

Unsere Schwerpunkte liegen hierbei branchenübergreifend in den Bereichen Finanzierung, Zukäufe, Unternehmensentwicklung und Exit. Allerdings nehmen wir keine dominierende Rolle bei der Entwicklung der Unternehmen ein. Die operative Führung verbleibt immer beim Management, oft also den geschäftsführenden Gesellschaftern selbst. Die Hauptgesellschafter – meist Gründer oder Familien – behalten ihre volle unternehmerische Freiheit und Verantwortung.

Sie investieren in etablierte Unternehmen mit bis zu 500 Mio. EUR Umsatz. Wenn Sie sich ein Unternehmen ansehen: Was ist für Sie der ausschlaggebende Faktor für ein „Go“? Sind es am Ende die harten Excel-Zahlen oder muss es eher menschlich mit dem Unternehmer funken?

Beides ist wichtig. Natürlich muss die Zahlenbasis stimmen. Neben einer nachvollziehbaren Erklärung der Vergangenheit geht es hier insbesondere um eine plausible Planung, in der die Aussichten des Unternehmens aus der Sicht des Managements zum Ausdruck gebracht werden. Diese Planung muss vor dem Hintergrund der allgemeinen Marktentwicklung, der Wettbewerbsposition und der Strategie des Unternehmens plausibilisierbar sein. Aber natürlich hängt auch dies am Ende sehr stark von den handelnden Personen ab.

Das Management ist immer der entscheidende Schlüsselfaktor: Es stellt die Planung auf, vertritt sie und muss für deren Erfüllung und mögliche Korrekturen in der Zukunft eintreten. So gibt es in vielen Branchen scheinbar sehr ähnliche Unternehmen, die sich jedoch unterschiedlich erfolgreich entwickeln. Der Grund dafür liegt meist im Management. Vertrauen spielt in unseren Investitionsprozessen stets eine große Rolle, was sicher in beide Richtungen gilt. Auch der Unternehmer wird und sollte sich genau überlegen, mit welchem Investor er eine langfristige Kapitalpartnerschaft eingeht.

In der aktuellen Marktphase halten sich Banken bei der Kreditvergabe oft zurück. Wo genau sehen Sie den entscheidenden Vorteil Ihrer Finanzierungslösungen gegenüber dem klassischen Bankkredit einerseits und einem kompletten Firmenverkauf an Private Equity andererseits?

Unsere Investments sind in der Regel immer anlassorientiert und finanzieren meist das zukünftige Wachstum eines Unternehmens oder Veränderungen im Gesellschafterkreis. Im Gegensatz zum Bankkredit stärkt Mezzaninekapital das wirtschaftliche Eigenkapital und stellt damit oft einen wichtigen Baustein für wachstumsstarke Unternehmen dar, deren Gewinnthesaurierung immer den Investitionen nachläuft.

Nicht selten ermöglicht unsere Bilanzstärkung auch die Aufnahme weiteren Fremdkapitals. Anders als bei einem Verkauf des Unternehmens führt ein Engagement unseres Hauses in Form von Mezzaninekapital oder einer Direktbeteiligung nicht zum Verlust der Gesellschaft, sondern belässt die bisherigen Eigentümer in der unternehmerischen Rolle und stärkt diese durch die Kapitalpartnerschaft.

Ihre Engagements laufen oft über fünf bis sieben Jahre – eine lange Zeit, in der es auch mal kriseln kann. Wie reagiert M Cap Finance, wenn ein Plan nicht aufgeht? Wie sieht Ihr „Krisenmanagement“ in der Partnerschaft aus?

Unsere Investments sind grundsätzlich sehr eigenkapitalnah oder auch unmittelbar im Eigenkapital angesiedelt. Somit ist unser Blickwinkel auf das Unternehmen in einem hohen Maße identisch mit dem des Managements und der Hauptgesellschafter.

Wenn ein Unternehmen sich nicht wie geplant entwickelt, versuchen wir, gemeinsam mit dem Management genau zu verstehen, welche Ursachen hierfür verantwortlich sind, um dann die notwendigen Maßnahmen diskutieren zu können. Neben internen Maßnahmen können auch Ergänzungen im Management oder der temporäre Einsatz eines externen Experten ratsam sein.

Unsere Rolle ist aber auch hier auf die eines Sparringspartners begrenzt. Als langjähriger Investor verfügen wir natürlich über Erfahrungen in den unterschiedlichsten Phasen der Unternehmensentwicklung, treten aber nie in eine aktive Rolle der Unternehmensführung ein.

👉 Dieser Beitrag ist auch in unserer Spezialausgabe „Investoren im Mittelstand 2026″ erschienen.

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ZUM INTERVIEWPARTNER

Lars Gehlhaar,

Geschäftsführer,

M Cap Finance

Lars.gehlhaar@mcap-finance.de

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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