Die Ecco Group hat sich auf Corporate Carve-outs spezialisiert – ein Marktsegment, das im aktuellen Portfoliobereinigungsdruck der Unternehmen floriert. Uli Lorenz, Gründer und Managing Partner, spricht im Interview über All-Equity-Finanzierungen, operative Transformation vor Ort und darüber, warum er auch die Automobilindustrie für attraktiv hält.
Unternehmeredition: Die Ecco Group hat sich auf Corporate Carve-outs spezialisiert. Was hat Sie bewogen, dieses Nischensegment zu besetzen?
Uli Lorenz: Wir machen das als Team seit vielen Jahren und kennen die Opportunities genau. Konzerne stehen zunehmend unter Druck ihrer Investoren, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Randbereiche, die weder strategisch passen oder unterdurchschnittlich profitabel sind, werden abgegeben – das erzeugt einen nachhaltigen Dealflow. Hinzu kommt: Das „E“ in unserem Namen steht für Europa. Wir investieren nicht nur in Deutschland, sondern europaweit. Und wir bieten dem verkaufenden Unternehmen eine hohe Transaktionssicherheit. Diese schätzen Unternehmensveräußerer enorm, weil sie wissen: Wir gehen über die Ziellinie.
Private Equity steht in der Kritik: zu kurze Haltedauern, zu hoher Fremdkapitaleinsatz. Sie gehen bewusst den Gegenweg. Warum?
Weil der Vorwurf teils berechtigt ist. Wir finanzieren beinahe 90 % unserer Transaktionen All Equity. Das hat mehrere Gründe: Erstens bietet es dem Verkäufer die gewünschte Transaktionssicherheit; ergo keine Abhängigkeit von Bankfinanzierungen. Zweitens sind Carve-outs oft nicht klassisch fremdfinanzierbar: Wer keinen testierten Jahresabschluss, sondern nur adjustierte Zahlen vorweisen kann, bekommt von keiner Bank gerne Fremdkapital. Drittens kommen unsere Investoren aus dem Familienunternehmerumfeld. Das erlaubt uns, in längeren Zyklen zu denken, ohne Veräußerungsdruck. Unseren Return erzielen wir aus operativen Verbesserungen, nicht aus Leverage.
Ihr Ansatz kombiniert Akquisition und operative Umsetzung unter einem Dach. Was unterscheidet das von dem, was andere Investoren unter Begleitung verstehen?
Wir sind als Fonds gewerblich aufgestellt, nicht vermögensverwaltend. Das bedeutet: Wir dürfen rechtlich in die Geschäftsführung unserer Portfoliounternehmen gehen und diese direkt begleiten. Wir haben dafür bewusst steuerliche Nachteile in Kauf genommen, weil Transformation anders nicht wirklich sichergestellt werden kann. Mein Gründungspartner bringt 25 Jahre operative Erfahrung mit, von der Unternehmensberatung bis zur Portfoliobetreuung. Unser Team ist oftmals nicht im Münchner Büro, sondern „on the ground“, im Shopfloor, bei den Menschen, die das Unternehmen täglich führen.
Können Sie eine kürzlich abgeschlossene Transaktion nennen, die zeigt, wie Sie komplexe Deals begleiten?
Die Akquisition eines Joint Ventures von Nestlé und General Mills, zwei Cereals-Produzenten in Frankreich und England. Hochkomplex: 15 Verträge, der Verkäufer bleibt Kunde und Lieferant zugleich. In beiden Ländern war Betriebsratsbeteiligung erforderlich, da es sich um Asset Deals handelte. Wir mussten die Arbeitnehmervertreter an beiden Standorten überzeugen, die Transaktion mitzutragen. Genau das wollen wir repräsentieren: komplexe Transaktionen für Corporates lösen, die anderen zu schwierig sind.
Konzerne stehen unter massivem Portfoliobereinigungsdruck. Wächst das Angebot an Carve-out-Kaufgelegenheiten?
Ja, und nicht nur volumenmäßig, sondern auch qualitativ. Wir sehen mehr Transaktionen als im Vorjahr und die Assets sind hochwertiger. Das gilt nicht nur für Deutschland – über viele europäische Märkte hinweg ist das Transaktionsvolumen gestiegen. Wir sind zuversichtlich, im ersten Halbjahr noch ein bis zwei Signings zu schaffen.
Wie unterscheiden sich Carve-out-Transaktionen in Deutschland von denen in anderen europäischen Märkten?
Das Arbeitsrecht ist der entscheidende Faktor. In Frankreich etwa muss der Betriebsrat frühzeitig informiert und angehört werden – das verlängert den Zeitraum zwischen Signing und Closing erheblich. Lange Interimsphasen sind nie gut: Das Unternehmen ist verkauft, das Management aber noch nicht beim neuen Eigentümer. In Deutschland lässt sich das im Share Deal effizienter abwickeln. Jeder Markt hat seine Spezifika, und wer sie nicht kennt, kann die relevanten Stakeholder nicht abholen.
Wo steht der Markt für Carve-outs in den nächsten Jahren?
Ich schaue positiv auf den Markt. Mit all den Volatilitäten da draußen – Krieg, Zölle, steigende Energiepreise, Lieferkettenstörungen – wird der Druck auf Konzerne, ihr Portfolio zu bereinigen, weiter zunehmen. Der Dealflow wird gut bleiben. Die Herausforderung liegt woanders: Assets operativ zu entwickeln wird schwieriger, und Käufer und Verkäufer bei der Bewertung zusammenzubringen auch. Risiken einzupreisen, pragmatisch zu agieren, dafür sind wir da. Wir fokussieren uns auf Industrien mit strukturellem Umbaubedarf: Automotive, Chemie, Papier, Metall. Selektiv zu bleiben, ist das Gebot der Stunde.
Vielen Dank Für das Gespräch!
👉 Dieser Beitrag erscheint auch im Spezial „Investoren im Mittelstand 2026“.
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Uli Lorenz
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