Der Schokoladenhersteller Ritter Sport hat zwei neue Chefs. Am 15. Mai haben Moritz Ritter und Tim Hoppe den Vorsitz der Geschäftsführung übernommen. Das teilte Ritter Sport aus Waldenbuch am Montag mit. Zuvor leiteten Ritter und Hoppe den Beirat des Familienunternehmens.
Damit liegt die Verantwortung für das operative Geschäft des Unternehmens künftig wieder bei Mitgliedern der Inhaberfamilie, nun in der vierten Generation. Andreas Ronken, der seit 2015 Ritter-Sport-Chef war, verlässt der Mitteilung zufolge das Unternehmen.
„Aufgrund der herausfordernden wirtschaftlichen Situation haben wir in den letzten Monaten ein Programm mit schmerzhaften Einschnitten auf den Weg gebracht“, sagten Hoppe und Ritter. Die Trennung von Ronken lief offenbar einvernehmlich, hieß es in Unternehmenskreisen.
Familie übernimmt die geschäftliche Verantwortung wieder
Erst vor wenigen Wochen hatte Ritter Sport erstmals in der Firmengeschichte einen Stellenabbau verkündet. Nun wolle die Familie Zeichen an Kunden und Belegschaft aussenden und die geschäftliche Verantwortung übernehmen, heißt es weiter.
Ein Beleg dafür ist die gemeinsame Presseerklärung, in der auch Ronken zu Wort kommt. Ritter Sport sei für ihn immer weit mehr als ein klassisches Familienunternehmen gewesen, sagte Ronken zum Abschied.
„Die Verbindung aus langfristigem Denken, unternehmerischem Mut und klaren Werten hat es ermöglicht, gemeinsam viele wichtige Zukunftsthemen voranzutreiben – von Nachhaltigkeit und Internationalisierung bis hin zu Innovation und Transformation“, fuhr er fort: „Für dieses Vertrauen bin ich sehr dankbar.“
Ritter erklärte indes: „Andreas Ronken hat Ritter Sport in den letzten 20 Jahren maßgeblich geprägt und wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des Unternehmens gesetzt.“ Der neue Chef hob in diesem Zusammenhang den Aufbau einer eigenen Kakaofarm, die Internationalisierung und den Ausbau der Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens hervor.
Ronken hatte 2005 als Leiter des Bereichs Produktion und Technik beim Schokoladenhersteller begonnen. Zu dieser Zeit war auch Alfred T. Ritter, der Vater von Moritz Ritter, als Firmenchef ins Familienunternehmen eingestiegen. Nach zehn Jahren hatte Ronken von ihm den Vorsitz der Geschäftsführung übernommen.
Ritter Sport durchlebt herausfordernde Zeiten
Die Zeiten sind indes schwierig für die Nummer zwei in Deutschland bei Tafelschokolade hinter Milka des US-Unternehmens Mondelez und vor dem Schweizer Schokoladenanbieter Lindt. 2025 hatte Ritter Sport den Umsatz zwar auf 712 Millionen Euro steigern können, aber Verluste in ungenannter Höhe gemeldet. Aus Unternehmenskreisen verlautete, dass der Absatz dagegen nicht gestiegen sei.
Das Problem: Die Kosten für Kakao waren in den vergangenen Jahren sehr stark gestiegen, sind zuletzt aber wieder gefallen. Ritter Sport hatte die Preise aber weiter hochgehalten. Die Verbraucher hielten sich wegen gestiegener Preise für Schokolade zurück.
Zuletzt expandierte das Familienunternehmen außerdem und kaufte vor fünf Monaten in den als wichtigen Zukunftsmarkt identifizierten USA zu. Ritter Sport übernahm den Schokoladenhersteller Creative Natural Products (CNP) mit der Marke Chocolove.
Ende April gab das 1912 gegründete Unternehmen dann bekannt, erstmals in der Firmengeschichte Personal abbauen zu müssen. Jede zehnte Stelle in der Verwaltung mit insgesamt 700 Beschäftigten sei betroffen, hieß es.
Neue Firmenchefs sind bereits lange im Unternehmen aktiv
Den Vorsitz im Beirat übernimmt künftig Linda Dauriz, die seit Anfang 2025 Mitglied des Gremiums ist. Sie hält verschiedene Mandate in Aufsichtsgremien und ist Konsumexpertin.
Moritz Ritter und Tim Hoppe sind die Söhne von Alfred T. Ritter und seiner Schwester Marli Hoppe-Ritter. Aktuell hält die vierte Generation, also die beiden neuen Firmenchefs und deren Geschwister, 69 Prozent der Anteile, die Generation ihrer Eltern den Rest.
Moritz Ritter, 48, ist Diplom-Informatiker und seit 2009 im Familienunternehmen. Er ist außerdem Beiratsvorsitzender der Solar- und Energietechnik-Sparten des Familienunternehmens Ritter Solartechnik und Ritter Energie.
Sein Cousin Tim Hoppe, 47, ist Diplom-Betriebswirt und arbeitet seit 2011 im Unternehmen. Er hatte sich aktiv beim Aufbau der firmeneigenen Plantage in Nicaragua eingesetzt. Seit 2017 ist er Geschäftsführer der Landwirtschaftssparte des Unternehmens, Ritter Agrar.
Öffentlich sind die beiden neuen Geschäftsführer bisher kaum aufgetreten. Im einzigen Gespräch mit dem Interview- und Veranstaltungsformat „Zeit für Unternehmer“ der Zeit-Verlagsgruppe hatten sie sich deutlich für Klimaschutz, für unternehmerisches Handeln und ein Festhalten an der Plantage in Nicaragua sowie am Russlandgeschäft ausgesprochen.
Hoppe sagte in dem Interview auf die Frage, womit sie in Erinnerung bleiben wollten: „Wir wollen Geld verdienen, aber so, dass die Welt eine bessere wird als ohne uns.“ Und er fügte hinzu: „Es wäre natürlich schon gut, wenn man später nicht über uns sagen würde: Die haben es an die Wand gefahren.“









