Influencer-Marketing gilt längst nicht mehr als reiner Reichweitenhebel für Lifestyle-Produkte. Mit der Beteiligung der ECD International Holding, einem Portfoliounternehmen von Beyond Capital Partners, an der Münchner Agentur SC Media House setzt die Beteiligungsgesellschaft auf einen Markt, der weiter dynamisch wächst. Im Gespräch erläutern Oliver Huber und Christoph D. Kauter, warum datenbasiertes Influencer-Marketing heute weit über klassische Social-Media-Kampagnen hinausgeht und weshalb Authentizität trotz KI zentral bleibt.
Unternehmeredition: Herr Huber, wie würden Sie SC Media House jemandem erklären, der Ihr Geschäftsmodell noch nicht kennt?
Oliver Huber: Wir sind eine Spezialagentur für Influencer-Marketing und seit 2018 erfolgreich am Markt. Unser Fokus liegt darauf, Reichweiten, Markenbekanntheit und letztlich auch Verkäufe über Content Creator und Influencer zu skalieren. Wir verstehen uns bewusst als Spezialist und haben uns von Anfang an ausschließlich auf dieses Feld konzentriert. Das hat uns geholfen, sehr tief in den Markt hineinzuwachsen.
Warum haben Sie sich jetzt entschieden, mit ECD International und Beyond Capital Partners einen Partner an Bord zu holen?
Huber: Das war ganz klar kein „Retirement Move“. Uns geht es hervorragend, wir sind seit der ersten Stunde profitabel. Aber wir sehen enormes Wachstumspotenzial im Markt und wollten bewusst den nächsten Schritt gehen. Bislang waren wir stark in Bereichen wie E-Commerce, Family, Interior oder Toys unterwegs. Gleichzeitig haben wir gesehen, dass Influencer-Marketing inzwischen praktisch jede Branche erreicht. Dafür braucht man allerdings das richtige Netzwerk und Zugang zu neuen Kundengruppen. Genau das bringt die ECD-Gruppe mit.
Herr Kauter, was hat Sie an SC Media House überzeugt?
Kauter: Zum einen natürlich das Geschäftsmodell selbst. Social Media und Content Creator sind aus Markenkommunikation und Kundenbindung heute nicht mehr wegzudenken. Zum anderen war für uns aber vor allem Oliver als Unternehmer ausschlaggebend. Wir investieren gerne in junge, ambitionierte Gründer, die ihr Unternehmen aktiv weiterentwickeln wollen. Und bei SC Media House haben wir sofort gespürt, dass dort unternehmerische Energie, Professionalität und ein sehr starkes Team zusammenkommen.
Welche strategische Rolle spielt die Beteiligung innerhalb der ECD-Gruppe?
Kauter: Die ECD ist seit vielen Jahren im Premium- und Luxussegment aktiv und organisiert weltweit außergewöhnliche Marken- und Kundenerlebnisse. Influencer-Marketing ergänzt dieses Angebot sehr sinnvoll. Beide Welten drehen sich um Emotionalisierung, Community-Building und Markenbindung. Wir haben bereits mit ReachCon ein erstes Creator-orientiertes Unternehmen in die Gruppe integriert. SC Media House ist nun ein weiterer wichtiger Baustein innerhalb dieser Buy-and-Build-Strategie.
Herr Huber, warum ist Influencer-Marketing heute für Unternehmen so relevant?
Huber: Weil sich das Zielgruppenverhalten komplett verändert hat. Früher lief Markenkommunikation stark über TV oder klassische Werbung. Heute konsumieren Menschen Inhalte über Social Media und dort sehr zielgerichtet. Der große Vorteil ist, dass wir exakt wissen, welche Zielgruppe wir erreichen: Alter, Geschlecht, Region, Interessen und Kaufverhalten. Das sind keine Schätzungen mehr, sondern konkrete Daten. Dadurch können Kampagnen sehr präzise gesteuert und ihre Wirkung messbar gemacht werden.
Wie messen Sie Erfolg konkret?
Huber: Wir können sehr genau nachvollziehen, welche Kampagne funktioniert und welche nicht. Wir sehen beispielsweise, aus welcher Stadt Verkäufe kommen oder welche Umsätze durch bestimmte Creator generiert werden. Gleichzeitig bauen wir unsere technologische Plattform kontinuierlich aus. Wir haben eine eigene App entwickelt, die Kommunikation zwischen Kunden, Influencern und unserer Agentur standardisiert und automatisiert. KI nutzen wir inzwischen intensiv, um Prozesse effizienter zu gestalten und unser Geschäftsmodell skalierbarer zu machen.
Herr Kauter, welche Rolle spielt KI aus Investorensicht in diesem Markt?
Kauter: KI wird den Markt definitiv weiter verändern und beschleunigen. Wir nutzen KI heute bereits für Storytelling, Visualisierung oder kreative Konzepte. Gleichzeitig sehen wir aber keinen Gegensatz zwischen Technologie und Authentizität. Gerade im Influencer-Marketing bleibt die Bindung zwischen Menschen, Communities und Marken zentral. Das unterscheidet diesen Bereich auch von rein KI-generierten Inhalten oder Avataren.
Herr Huber, sehen Sie KI-generierte Influencer als zukünftigen Markt?
Huber: Wir beobachten das natürlich sehr genau. Aber aktuell glauben wir weiterhin stark an echte Menschen und authentischen Content. KI kann Prozesse unterstützen oder ergänzen, etwa bei Animationen oder Visualisierung. Aber Community-Building funktioniert aus unserer Sicht weiterhin vor allem über echte Persönlichkeiten.
Wie entwickelt sich der Influencer-Markt aktuell?
Kauter: Aus unserer Sicht bleibt das ein klarer Wachstumsmarkt. Social Media erreicht weiterhin All-Time-Highs bei der Nutzung. Gleichzeitig verschiebt sich immer mehr Werbe- und Markenbudget in diesen Bereich. Und KI verstärkt das sogar noch, weil Content-Produktion einfacher, schneller und effizienter wird.
Huber: Man darf auch nicht vergessen: Das Prinzip ist eigentlich nicht neu. Früher waren Fußballer oder Prominente die klassischen Meinungsmacher. Heute übernehmen das eben Creator auf unterschiedlichen Plattformen für unterschiedliche Zielgruppen. Die Plattformen verändern sich, aber das Grundprinzip bleibt.
Welche Plattformen sind derzeit besonders relevant?
Huber: Die Mischung macht’s. Erfolgreiche Top Creator bespielen heute mehrere Plattformen gleichzeitig, allerdings jeweils mit passendem Content. YouTube ist extrem relevant für längere Formate und Monetarisierung, TikTok bietet enorme Reichweiten, Instagram bleibt wichtig für Community und Markeninszenierung. Wer langfristig erfolgreich sein will, muss diversifiziert unterwegs sein.
Kauter: Creator agieren heute hochprofessionell. Viele Produktionen haben inzwischen Fernsehqualität. Dahinter stehen Teams, professionelle Vermarktung und teilweise erhebliche Investitionen. Das ist längst kein „Nebenbei-Geschäft“ mehr.
Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen SC Media House und ECD konkret an?
Kauter: Sehr partnerschaftlich und bewusst Schritt für Schritt. Wir glauben nicht an eine Integration mit der Brechstange. Viel wichtiger ist, dass die Unternehmen kulturell und unternehmerisch zusammenpassen. Im ersten Schritt geht es darum, Synergien bei Kunden, Cross-Selling, Technologien und operativen Prozessen zu identifizieren.
Huber: Wir stehen schon jetzt in engem Austausch mit der ECD-Gruppe und entwickeln gemeinsam erste Ideen. Gleichzeitig bleibt jeder operativ eigenständig. Entscheidend ist, dort zusammenzuarbeiten, wo es langfristig echten Mehrwert bringt.
Welche nächsten Schritte stehen für SC Media House an?
Huber: Kurzfristig vor allem der Launch unserer neuen Creator- und Kunden-App. Gleichzeitig wollen wir gemeinsam mit ECD und ReachCon neue Marktpotenziale erschließen. Besonders spannend ist dabei die Verbindung aus Event-, Luxus- und Influencer-Marketing. Darüber hinaus bleibt unser Fokus unverändert, starke Kampagnen zu entwickeln, Reichweiten zu skalieren, unseren Creator Pool auszubauen und messbare Ergebnisse für Kunden zu liefern.
Wo soll SC Media House in drei bis fünf Jahren stehen?
Huber: Wir wollen unseren Wachstumskurs konsequent fortsetzen und gleichzeitig hochprofitabel bleiben. Unser Ziel ist es, unsere Position unter den führenden Influencer-Marketing-Agenturen in Deutschland weiter auszubauen.
Kauter: Wir sehen großes Potenzial darin, die Kompetenzen der einzelnen Unternehmen stärker miteinander zu verbinden – also Live-Marketing, Branding und Influencer-Marketing künftig noch enger zusammenzuführen. Daraus können sowohl national als auch international neue Wachstumschancen entstehen.
Herr Huber, Herr Kauter, wir danken Ihnen für das interessante Gespräch!
ZU DEN INTERVIEWPARTNERN

Oliver Huber ist Gründer und Geschäftsführer von SC Media House. Der Unternehmer gründete die Influencer-Marketing-Agentur 2018 in München. Das Unternehmen entwickelt datenbasierte Kampagnen und arbeitet mit einem breiten Netzwerk an Content Creators für Marken aus unterschiedlichen Branchen zusammen.

Christoph D. Kauter ist Gründer und Managing Partner von Beyond Capital Partners. Die Beteiligungsgesellschaft investiert über ihre Fonds mehrheitlich in profitable mittelständische Unternehmen aus den Bereichen Dienstleistungen, IT, Software, Healthcare, Lifestyle und Entertainment und verfolgt dabei häufig Buy-and-Build-Strategien.









