Schließungswelle: Alle drei Minuten gibt eine Firma auf

Ladenschließungen
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Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform und das ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung haben eine gemeinsame Untersuchung vorgelegtNach Angaben der beiden Forschungsinstitute stellten im Jahr 2025 bundesweit rund 188.000 Betriebe ihre Geschäftstätigkeit ein. Dies entspricht einem Zuwachs von 10 % im Vergleich zum Vorjahr. Damit erreichte die Gesamtzahl der Firmenaufgaben den höchsten Stand seit fast 20 Jahren. Die enorme Zahl verdeutlicht das tägliche Ausmaß des wirtschaftlichen Aderlasses. Rechnerisch schließt in Deutschland rund alle drei Minuten ein Betrieb für immer seine Tore. Auf einen vollen Tag gerechnet beenden mehr als 500 Firmen ihre geschäftliche Aktivität. Dieser Verlust schwächt die ökonomische Basis nachhaltig.

Mittelstand verzeichnet Substanzverluste

„Die Krisendynamik frisst sich mittlerweile durch die gesamte Breite der Wirtschaft“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Pressesprecher von Creditreform. „Die Zahl der Marktaustritte steigt deutlich an. Große Unternehmen beherrschen derzeit die Nachrichten. Die Zahl an kleinen und mittleren Betrieben, die leise verschwinden, ist aber um ein Vielfaches größer.“ Laut Hantzsch müssen mittlerweile auch Firmen mit guter oder mittlerer Bonität schließen. „Anders als in früheren Jahren beenden nun auch eigentlich gesunde Firmen ihre Geschäftstätigkeit. Das geht zunehmend an die Substanz des Landes.“ Als wesentliche Ursachen nennt die Analyse hohe Energiepreise, gestiegene Personalkosten, technologischen Wandel und akuten Arbeitskräftemangel. Zudem verunsichern die Handelspolitik der USA und der zunehmende Importdruck aus China viele Betriebe nachhaltig.

Demografischer Wandel führt zu Schließungen

Immer mehr Betriebe schließen, weil Firmeninhaber in den Ruhestand gehen und keinen Nachfolger finden. „Fast ein Drittel aller freiwilligen Schließungen erfolgt mittlerweile aus Altersgründen“, erklärt Dr. Sandra Gottschalk, Senior Researcher beim ZEW Mannheim. Dies passiere deutlich häufiger als noch vor 10 oder 15 Jahren„Die Mehrzahl der Geschäftsaufgaben, etwa 87 %, erfolgt dabei ohne Insolvenzverfahren und nahezu geräuschlos“, so Gottschalk weiter. Lediglich rund 13 % der erfassten Unternehmensschließungen gehen auf ein förmliches Insolvenzverfahren zurück. Bei eigentümergeführten Familienunternehmen stieg der Anteil altersbedingter Schließungen auf 29 %. Im Jahr 2002 hatte dieser Wert lediglich 14 % betragen.

Gastgewerbe und Bausektor stark belastet

Besonders drastisch fiel der Anstieg der Schließungen im Gastgewerbe aus. Gut 15.000 Gaststätten und Beherbergungsunternehmen gaben im Jahr 2025 ihren Betrieb auf. Dies entspricht einem Zuwachs von 15 % gegenüber dem Vorjahr. Trotz reduzierter Mehrwertsteuersätze leidet das Gastgewerbe unter Konsumzurückhaltung, starker Lieferdienst-Konkurrenz und PersonalmangelAuch das Baugewerbe verzeichnete erneut eine hohe Zahl an Aufgaben. Rund 24.000 Bauunternehmen gaben auf, was einem Plus von 12 % entspricht. Im Verarbeitenden Gewerbe stellten gut 11.000 Industriebetriebe die Produktion ein (plus 10 %). Stark betroffen war der Fahrzeugbau mit 360 Schließungen und einem Anstieg um 57 %.

Im Gesundheitswesen setzte sich der zehnjährige Negativtrend ungebremst fort. Mit insgesamt rund 11.000 Marktaustritten übertraf der Sektor das Vorjahr um 12 %. Die Schließungszahlen liegen mittlerweile doppelt so hoch wie im Jahr 2008Besonders betroffen waren Arztpraxen. Bundesweit schlossen knapp 5.500 Praxen, was einem Zuwachs um 23 % entspricht. „Trotz vieler älterer Menschen sinkt so die flächendeckende medizinische Versorgung, beispielsweise durch Apotheken und Fachärzte“, warnt Hantzsch. Die Schließungsraten fielen vor allem in ländlichen Regionen überdurchschnittlich hoch aus.

Dynamik bei Handel und Dienstleistungen

Im Handelssektor nahmen die Firmenaufgaben um 8 % auf rund 37.000 Schließungen zu. Konsumnahe Dienstleistungen verzeichneten 56.000 Geschäftsaufgaben, was einem Zuwachs von 12 % entspricht. Bei technologieintensiven Dienstleistern gab es rund 12.000 Marktaustritte, ein Anstieg um 8 %Im forschungsintensiven verarbeitenden Gewerbe gaben rund 1.500 Unternehmen auf (plus 11 %). Im Grundstücks- und Wohnungswesen stellten fast 8.000 Unternehmen den Geschäftsbetrieb ein (plus 3 %). In energieintensiven Industriebranchen sank die Zahl leicht um 0,2 % auf etwa 860 Schließungen.

Regionale Unterschiede

Auf Länderebene verzeichnete das Bundesland Bremen mit 7,8 % die bundesweit höchste Schließungsrate. Hohe Quoten registrierten auch Sachsen-Anhalt, Thüringen, Schleswig-Holstein und Sachsen. Die stärksten Zuwächse verzeichneten Schleswig-Holstein und Bremen mit jeweils 21 % sowie Rheinland-Pfalz mit 16 %Bei den Kreisen wiesen Bremerhaven mit 8,42 % und der Vogtlandkreis mit 7,59 % Spitzenwerte auf. Der Saale-Orla-Kreis verzeichnete eine Quote von 7,50 %. In Nordrhein-Westfalen schlossen im Hochsauerlandkreis, im Rhein-Kreis Neuss und im Rhein-Erft-Kreis viele BetriebeDie geringsten Schließungsraten meldeten Baden-Württemberg und Hamburg mit jeweils 5,3 %. Auf Landkreisebene verzeichneten die bayerischen Kreise Bamberg und Coburg die niedrigsten Werte. Das Statistische Bundesamt zählte parallel 24.064 gerichtliche Insolvenzanträge von Unternehmen. Dies entspricht einem bundesweiten Zuwachs um 10 %.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen.

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