Markt der W&I-Versicherungen erreicht neue Evolutionsstufe

Zahl der Claims nimmt zu: Natürliche Schadenentwicklung oder Alarmsignal?

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Die vielerorts erwartete breite Konsolidierung der Anbieterseite fiel aus, gleichzeitig konnten die Versicherer keinen spürbaren Anstieg der Prämien für W&I-Policen erreichen. Ohne Differenzierung beim Preis kommen Innovation und Servicequalität im gesamten Versicherungsprozess damit wachsende Bedeutung zu – ideale Rahmenbedingungen für flexible Managing General Agents (MGAs). Insgesamt lässt sich feststellen: Der Markt für Transaktionsversicherungen tritt in eine neue Evolutionsphase ein. 

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Am 31. August 2026 lud die GoingPublic Media AG zum 7. M&A Insurance Summer Forum in die OpernTurm Lounge in Frankfurt.
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Der Markt der Transaktionsversicherungen wächst weiter dynamisch. HWF Partners geht in der aktuellen W&I Market Claims Study von einer Rekordzahl an neuen Policen aus: Nachdem im ersten Halbjahr 2025 von MGAs und Versicherern in Europa 1.601 Policen gezeichnet worden waren, dürfte das Jahresergebnis 2025 oberhalb von 3.200 neuen W&I-Policen liegen. Für den neunjährigen Betrachtungszeitraum zurück bis 2016 (seinerzeit wurden 808 Policen gezeichnet) errechnet sich eine Gesamtzahl von 18.563 Policen. HWF greift dabei mittlerweile auf die Daten von 24 Versicherern/MGAs zurück. Die Zahlen unterstrichen, „dass der W&I-Versicherungsmarkt noch nie so groß, so komplex und so wichtig war wie heute“. Zum Stichtag der Studie Ende Juni 2025 betrug die historische Rate aller Notifications und Claims 12,46 %. Das ist der langjährige Mittelwert – in den frischeren Policenjahrgängen liegt er bereits jetzt um einen Prozentpunkt höher.

Aon-Studie ebenfalls mit stark steigenden Claims-Zahlen

Aon kommt in der „2026 Transaction Solutions Global Claims Study“ ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die Zahl der Notifications und Claims stark gestiegen ist. Aon weist nicht den Durchschnitt der Schadenhäufigkeit seit Auflegung der Studie aus, bereitet aber Zahlen für die EMEA-Region auf, die im Wesentlichen von europäischen Märkten dominiert sind. Die Schadenaktivität nehme auch im EMEA-Bereich rapide zu, wobei die Zahl der eingereichten Schadenmeldungen 2025 gegenüber 2024 um 47 % gestiegen sei. Für die Kohorte 2023 melden die Versicherer laut Aon bereits eine Schadenmeldungsquote von 20,3 %, wobei noch etwa vier Jahre der Versicherungsdauer verbleiben. Die endgültige Schadenhäufigkeit für 2025 könnte bei W&I-Policen also deutlich mehr als 20 % erreichen, so der Broker in seiner aktuellen Studie.

Der Zeitpunkt und die Art der Schadenfälle verändern sich ebenfalls. Ein wachsender Anteil der Schadenmeldungen geht bereits früher im Laufe der Vertragslaufzeit ein, wobei bereits bei 9,5 % der von Aon 2025 abgeschlossenen Policen bis Ende 2025 ein Schadenfall eingetreten ist. Bei der Betrachtung der Dealgrößen zeigt sich, dass Transaktionen im Mittelstand mit Unternehmenswerten zwischen 250 und 500 Mio. USD einen überproportional hohen Anteil der geltend gemachten Erstschäden ausmachen. Am oberen Ende weisen Transaktionen von über 1 Mrd. USD laut Aon weiterhin die höchsten Meldungsraten auf, obwohl es in diesem Bereich weniger Transaktionen gibt. Zusammengenommen würden diese Trends auf einen Markt hindeuten, in dem W&I- und Steuerpolicen häufiger, früher im Versicherungszeitraum und in einer größeren Vielfalt von Schadenszenarien in Anspruch genommen werden.

Damit wird deutlich, dass der Markt in eine neue Phase eintritt. W&I-Versicherungen bieten den Versicherungsnehmern in zahlreichen Rechtsordnungen, Branchen und bei Transaktionen unterschiedlicher Größenordnung einen eindeutigen Mehrwert; andernfalls würde dieses Segment der Versicherungsbranche nicht so stark wachsen. Und bislang wurden Schadenfälle ganz offenbar nachvollziehbar und in vorhersehbarem Umfang reguliert, haben Versicherer anhängige Claims effizient und wirtschaftlich abgewickelt. Nun aber, stellt HWF fest, würden die Daten darauf hindeuten, dass man einen reifenden Markt beobachten könne. Die Auszahlungsquote für die Jahre 2016 bis 2019, in denen die meisten Meldungen inzwischen abgeschlossen sind, hat sich bei rund 6,25 % der Policen eingependelt. Doch diese Zahl dürfte für die Folgejahre spürbar steigen. HWF beobachtet zunehmende Akzeptanz und zugleich steigende Schadenzahlen in Südeuropa, Mittel- und Osteuropa sowie im Baltikum und im Nahen Osten und Afrika. Umfragen in den Niederlassungen in Frankreich, Deutschland, Italien, Polen und den Vereinigten Arabischen Emiraten zeigten dasselbe Bild: All diese Regionen verzeichnen mehr Schadenfälle und mehr Rückerstattungen.

Steuern und Bilanz: Die Dauerbrenner

Bei näherer Betrachtung der Struktur der Claims fallen zwei Hauptthemen ins Auge: Finanz- und Steuergarantien dominieren nach wie vor die Schaden- und Meldungsbilder, doch die zunehmenden wesentlichen Vertragsstreitigkeiten und eine breitere Streuung der Schäden über andere Garantiebereiche hinweg könnten darauf hindeuten, dass die Schadenmeldungen zunehmend gezielter ausfallen (Litigation, Compliance, IP, Immobilien etc.; siehe Abb. 2), anstatt sich auf Pauschalgarantien – am Ende spiegelt sich jeder Breach in einer Änderung in der Bilanz – zu stützen.

Während für 2025 die meisten Notifications und Claims auf steuerlichen Sachverhalten beruhen, machen die Schadensummen dieses Segments nur einen relativ geringen Teil aus. Hier sind zwei Dinge zu unterscheiden. Erstens: Während unter einer W&I-Police nicht bekannte Steuerrisiken gedeckt sind, umfasst eine Tax Police in der Regel ein bekanntes Eventualrisiko (das sogenannte Contingent Risk). Zweitens: Sowohl unter W&I- als auch unter Tax-Policen ist eine Notification zumeist vorgeschrieben, wenn das Finanzamt eine Prüfung ankündigt. Das bedeutet nicht, dass es zu einem Claim kommen wird – treibt aber die Notification-Rate, ohne dass in jedem Fall ein Schaden entsteht.

Tax-Policen noch relativ junges Produkt

Zudem ist die Notification-Rate bei Tax-Policen im Vergleich mit W&I-Policen schlicht aus Gründen des Zeitablaufs noch spürbar geringer, erläutert Shivani Rajani, Senior Tax Underwriter bei Solertia Insurance, einem auch im DACH-Raum aktiven Tax-MGA mit Sitz in London und Stockholm. Denn die Tax-Police ist deutlich jünger als W&I-Policen: „Wenn eine Steuerpolice Deckung für Verteidigungskosten bietet, kann ein Anspruch zu dem Zeitpunkt geltend gemacht werden, zu dem die zuständige Steuerbehörde eine Prüfung in Bezug auf das versicherte spezifische Steuerrisiko einleitet. Eine Prüfung findet in der Regel aber erst statt, nachdem die Steuererklärung für das Geschäftsjahr, in dem die betreffende Transaktion oder Steuerfrage auftritt, bei den Steuerbehörden eingereicht wurde. Was in der Regel ein Jahr nach Ende des Geschäftsjahres der Fall ist. Je nach Region gilt für die Steuerbehörden eine Verjährungsfrist, innerhalb der sie eine Steuerangelegenheit anfechten können (in der Regel vier Jahre). Die Steuerbehörden müssen das Risiko dann anfechten und bewerten (was mehrere Jahre dauern kann); zu diesem Zeitpunkt kann die Steuer fällig werden. Zwar könnte ein Anspruch zu jedem Zeitpunkt innerhalb der Vertragslaufzeit entstehen, doch ist es angesichts des oben beschriebenen Verfahrens unwahrscheinlich, dass er zu einem frühen Zeitpunkt der Laufzeit der Police geltend gemacht wird.“

Alexander Skuratovski, Head of Tax Insurance Business Europe bei Marsh, sieht ebenfalls noch einem Verzögerungseffekt: „Im Bereich der Steuerpolicen gab es in Europa bislang nur wenige Schadenmeldungen, die meisten in Spanien, Deutschland, Polen und Schweden. Die Klärung der Risiken dauert noch an. Die erste Zahlung auf eine Marsh-Steuerpolice gab es im vergangenen Jahr als Steuervorauszahlung (noch vor der finalen Klärung des Schades) in Polen in Höhe von 2 Mio. EUR. Die Schadenteams der Versicherer haben zwar Bedenken hinsichtlich solcher Voraussteuerzahlungen geäußert – wir sehen darin jedoch einen wichtigen Bestandteil des Versicherungsschutzes für die Versicherten.“ Auch aus seiner Sicht ist die hohe Notifications-Frequenz vertragsrechtlich begründet, „Steuernachzahlungen belaufen sich nur auf 4 % der gesamten Schadenauszahlungen. Die häufigsten Steuerarten in diesem Zusammenhang waren die Körperschaftsteuer und die Umsatzsteuer, gefolgt von Quellensteuer. Seit 2021 wurden auf W&I-Marsh-Policen insgesamt 16 Zahlungen mit einem Gesamtbetrag von 12 Mio. EUR geleistet.“

Prämien: Seitwärtsbewegung

Die Zahl der Claims steigt, die Prämien der W&I-Policen haben sich nach langer Talfahrt aber allenfalls stabilisiert. Sie sind von einer Erholung hin zu einem kontinuierlichen Wert deutlich oberhalb von 1 % offenbar weiterhin entfernt (siehe dazu auch Interview mit Nikola Pamler und Birgit Hübscher-Alt auf S. 10). Je nach Branche schwankt die Rate on Line um die 1-%-Marke, bei Energie- und Real-Estate-Transaktionen sogar durchgehend deutlich darunter, wie die Zahlen von HWF für die vergangenen drei Quartale zeigen (siehe Abb. 3). Ein kräftiger Anstieg ist im Moment nicht absehbar, vielmehr gehen die von uns befragten Marktteilnehmer von weiter seitwärts laufenden Prämien mit leichten Erholungstendenzen aus.

Dr. Sebastian Schmitt, Co-Head of Germany, Austria & Switzerland Mergers & Acquisitions | W&I Insurance bei Liberty Global Transaction Solutions, ordnet die Entwicklung folgendermaßen ein: „Wir sehen seit dem vergangenen Jahr und auch zu Beginn 2026 ein moderates Prämienplus. Gerade nach Jahren rückläufiger Preise ein wichtiges Signal. Diese Entwicklung ist hoffentlich Abbild eines Momentums, dass sich Prämien auch weiterhin an ein risikoadäquateres Niveau anpassen. Für das vierte Quartal 2026 erwarten wir eine Fortsetzung dieser selektiven, moderaten Aufwärtsbewegung, insbesondere bei komplexeren Large-Cap-Risiken. Mittelfristig rechnen wir eher mit einer stärkeren Risikodifferenzierung als mit einer breiten Marktverhärtung: Die Prämien werden sich zunehmend an den individuellen Risikomerkmalen und der Komplexität des jeweiligen Risikoprofils orientieren und weniger primär am Wettbewerbsdruck.”

Tax-Policen: Starkes Wachstum – höheres Prämienniveau

In den vergangenen Jahren hat sich herausgestellt, dass die Abdeckung von Steuerrisiken unter einer W&I-Police den Bedürfnissen der Versicherungsnehmer häufig nicht vollumfänglich entspricht. Daher hat der Markt eigenständige Tax-Policen entwickelt, die auch identifizierte Eventualrisiken covert. „Die Komplexität des deutschen Steuerrechts und das zunehmend rigide Vorgehen der Finanzbehörden stellen Unternehmen vor große Herausforderungen. Auch eine gut strukturierte Steuerabteilung und erfahrene Beraterteams können bei einer Vielzahl steuerlicher Themen keine finale Klärung herbeiführen. Das Restrisiko belastet die Unternehmen und kann eine Finanzierung, unternehmerische Weiterentwicklung, Restrukturierungen oder eine M&A-Transaktion vor große Herausforderungen stellen bzw. sogar ein Dealbreaker sein“, stellt Skuratovski fest.

Eine Versicherungspolice für Steuerrisiken decke potenzielle Verluste ab, die sich aus identifizierten steuerlichen Risiken ergeben, und könne in vielen Fällen bei der Zerschlagung des Gordischen Knotens in einer Transaktionsverhandlung helfen. „Die Steuerversicherung wird häufig als Ergänzung zur W&I-Versicherung verwendet. Da sie aber neben den historischen auch künftige Risiken umfassen kann, hat sie einen deutlich weiteren Anwendungsbereich, der über die Absicherung von transaktionsbezogenen Risiken hinausgeht.“ Für die so ins Buch genommenen Risiken erzielen die Versicherer höhere Prämien, dafür beträgt die Laufzeit für Steuerpolicen in der Regel sieben Jahre; für bestimmte Konstellationen werden auch Versicherungszeiträume von bis zu zehn Jahren vereinbart. Auch an dieser Stelle wird deutlich, dass noch substanzielle Claims in bestehenden Tax-Policen schlummern können. Dabei ist es wichtig, festzuhalten, dass es sich bei den Steuerpolicen um sogenannte Claims-Made-Policen handelt. Das bedeutet, dass der Schaden dem Versicherer innerhalb der Policenlaufzeit gemeldet werden muss. Im Allgemeinen bestimmen die Regelungen in der Police, dass eine Schadenmeldung erfolgt, wenn die Finanzverwaltung das versicherte Steuerrisiko aufgreift oder kritisch hinterfragt. „Die finale Klärung (finale Festsetzung) der Steuerfrage kann dann auch außerhalb der ursprünglich vereinbarten Policen-Laufzeit erfolgen, da die Schadenmeldung den Ablauf der Police hemmt“, betont Skuratovski.

Doch selbst für Tax-Policen ist das Prämienniveau kontinuierlich gesunken, in einzelnen Jurisdiktionen wie Irland auf bis zu 0,8 %. Im DACH-Raum bewegen sich die Prämien zwischen 1,3 % und 4 %. Die Versicherungskosten setzen sich dabei aus der Versicherungsprämie, der Versicherungsteuer und den Underwriting-Kosten zusammen. Die Höhe der Versicherungsprämie wird durch die Rate on Line (RoL) bestimmt, die für deutsche Steuerrisiken in der Regel zwischen 1,3 % und 3 % (Stand: 2025) liegt, während die Underwriting-Kosten für die Berater des Versicherers je nach Risiko in der Regel zwischen 15.000 und 40.000 EUR betragen. Die meisten Steuerpolicen verpflichten den Versicherer, die Steuerschuld bereits bei Zahlungspflicht des Versicherungsnehmers auszuzahlen (bei Nichtgewährung der Aussetzung der Vollziehung), während Litigation-Buy-out-Policen nur im Falle der finalen Festsetzung zur Leistung verpflichten.

Der Marsh Steuerversicherungsguide 2026 geht in den meisten Regionen von gleichbleibenden oder weiter sinkenden Prämienniveaus aus. Die einzige Ausnahme bildet Italien: Dort sind der Strafrahmen stark verschärft und zugleich die Verjährungsfristen erheblich verlängert worden, beides erhöht das Risiko und damit die Prämien. Auch in den Nordics sowie UK liegen die Prämien relativ niedrig – beides Märkte, die W&I- bzw. Tax-Policen früh adaptiert hatten.

Welche Strategie werden Versicherer verfolgen?

Somit stellt sich die Frage, wie die Versicherer mit der Situation umgehen werden. HWF schließt aus seiner Studie, dass der Markt weiter wächst und die Qualität und Effizienz der Schadenabwicklungsergebnisse entscheidend für die Aufrechterhaltung des Vertrauens sein werden. Und Aon warnt davor, als Schlussfolgerung der steigenden Claimszahlen den bislang erfolgreichen, kundenfreundlichen Weg zu verlassen: „Anstatt also reflexartig auf Daten zu reagieren, indem die Risikoprüfung weniger kundenfreundlich gestaltet oder der Versicherungsschutz eingeschränkt wird, sollten die Märkte sich fragen, was die Trends tatsächlich antreibt – seien es sich verändernde makroökonomische Rahmenbedingungen, das aggressive Transaktionstempo der letzten Jahre oder einfach die Tatsache, dass das Produkt nun seine natürliche Schadenentwicklung erreicht. Diese Antworten müssen die Reaktion bestimmen, und alle Beteiligten müssen ihren Teil dazu beitragen, ein Gleichgewicht zu finden, in dem sich das Versicherungskapital weiterentwickeln und an die sich ständig ändernden Bedürfnisse der Transaktionsmärkte anpassen kann.“

Diese Warnung und die Forderungen formuliert Aon natürlich nicht „out of the blue“, sondern weil es ganz offenbar erste Reaktionen aufseiten von Versicherern gibt. James Breese, Partner bei Stewarts Law in London, ist mit der Durchsetzung von Claims befasst. Die Kanzlei zählt zu den renommierten Spezialisten für dieses Rechtsgebiet. „Die W&I-Fälle, mit denen wir im Jahr 2025 beauftragt wurden, werden von den Versicherern hart umkämpft, wobei es einige grundlegende Deckungsfragen gibt, die bei diesen Streitigkeiten häufig auftreten. Die Klärung dieser Fragen wird zunehmend schwieriger, insbesondere, da es nur begrenzte öffentliche Rechtsprechung zu W&I-Streitigkeiten gibt“, so Breese. Bislang seien solche Streitigkeiten größtenteils bereits vor Einleitung eines Verfahrens beigelegt und, wenn dies nicht gelang, im Schiedsverfahren geklärt worden.

Gerichte könnten künftig häufiger angerufen werden

Das Zwischenfazit des Rechtsanwalts: „Für Versicherungsnehmer entwickelt sich weiterhin ein schwieriges Umfeld im Bereich der Schadenregulierung.“ Nach seinen Informationen führte lediglich die Hälfte der Claims 2025 auch zu Auszahlungen. „Wir gehen davon aus, dass Auseinandersetzungen um W&I-Schadenfälle zunehmend umkämpft sein werden.“ Die Prämien seien aus wirtschaftlichen Gründen in der Vergangenheit niedrig geblieben, weil die Versicherer um Marktanteile konkurrierten, und der Preis bis zu einem gewissen Grad ein entscheidender Faktor sei. „Angesichts der steigenden Anzahl von Schadenfällen und eines schwieriger werdenden Schadenumfelds scheint es jedoch, als würde sich der Markt in einen härteren Zyklus bewegen. Sollte dies zutreffen, folgt in der Regel eine Reduzierung des verfügbaren Versicherungsschutzes und/oder die Prämien werden weniger wettbewerbsfähig. Dies könnten wir kurzfristig sehen.“

Viele Marktteilnehmer hierzulande sehen noch keine durchgreifende Änderung der Strategie der Versicherungen bei der Claimsabwicklung. Doch wie so häufig könnte die von Breese beobachtete Stimmungsänderung vom angelsächsischen Raum auch auf Resteuropa übergreifen. Birgit Rummel vom Versicherer Tokio Marine sieht zumindest Veränderungen im Markt beim Risikoappetit: „Wir beobachten bei komplexen Transaktionen eine zunehmende Risikodifferenzierung. So sind beispielsweise in den Bereichen Verteidigung, Life Sciences und kritische Infrastruktur oder bei erhöhten regulatorischen und Compliance-Risiken die Zeichnungsanforderungen deutlich strenger geworden. Der Preis allein ist daher nicht mehr das entscheidende Unterscheidungsmerkmal. Vielmehr gewinnen die Qualität des Versicherungsschutzes, die Zeichnungskompetenz in den relevanten Rechtsordnungen und eine zuverlässige Schadenabwicklung zunehmend an Bedeutung.“

MGAs in entscheidender Rolle

Wenn es um Kompetenz bei speziellen Marktanforderungen, Agilität, Innovationskraft und Servicequalität geht, schlägt die Stunde der sogenannten Managing General Agents (MGA) als Assekuradeure, die von den Versicherungsunternehmen (oder anderen Geldgebern) Deckungssummen zur Verfügung gestellt bekommen und die W&I- oder Tax-Policen verhandeln. Mittlerweile hat sich sogar im vergangenen Jahr ein eigener europäischer Dachverband der MGAs gegründet, die Fédération des Agences de Souscription Européennes (FASE). Der Verband deckt dabei ein weites Spektrum des Underwritings ab; neben Spezialisten für Transaktionsversicherungen sind Spezialisten für Sachversicherungen, Haftpflicht, Veranstaltungsausfall und viele weitere Specialties vertreten.

MGAs spielen auf dem M&A-Versicherungsmarkt eine entscheidende Rolle – und diese Rolle dürfte weiter an Bedeutung gewinnen, befindet William Pitt, Geschäftsführer der FASE. Zu den Mitgliedern der FASE zählen derzeit 85 MGAs (Stand Ende Juli 2026), von denen 13 Gewährleistungs- und Haftpflichtversicherungen (W&I) sowie andere M&A-bezogene Deckungen zeichnen.

„MGAs sind die Problemlöser der Versicherungsbranche“, sagt Pitt. „Unsere Mitglieder bieten maßgeschneiderte Risikolösungen an, die bei großen Versicherungsgesellschaften in der Regel nicht erhältlich sind. In den letzten Jahren haben MGAs viele der talentiertesten Underwriter in Spezialsparten wie W&I für sich gewinnen können.“ Die Vorteile für Makler und ihre Kunden spiegeln sich für ihn in den überragenden Servicestandards wider: „In der jüngsten jährlichen Ausgabe einer groß angelegten Studie der ‚Insurance Times‘ unter 1.673 britischen Maklern gaben 46 % der Befragten an, dass MGAs einen besseren Service bieten als traditionelle Versicherungsgesellschaften, während nur 2 % den MGA-Service als schlechter empfanden.“ Auch andere servicebezogene Kennzahlen seien aufschlussreich: So bevorzugten beispielsweise 61 % der Befragten MGAs gegenüber traditionellen Versicherern hinsichtlich der Servicegeschwindigkeit, während nur 2 % diese als schlechter einschätzten.

Zahl der Anbieter bleibt hoch

Der DACH-Raum bleibt für Lösungsanbieter im Bereich der Transaktionsversicherungen eine attraktive Region. Das zeigt die weiterhin hohe Zahl der hierzulande tätigen Versicherer und MGAs (siehe Abb. 5). Der von einigen Beobachtern zumindest für möglich gehaltene Rückzug von Marktteilnehmern hat nicht stattgefunden. Stattdessen wird berichtet, dass das Umfeld weiterhin hochkompetitiv ist – zumal die M&A-Aktivität in den vergangenen Quartalen verhalten blieb und erst im Frühsommer in der Breite deutlich anzog.

Einige Veränderungen gab es dennoch. Rising Edge hat bekannt gegeben, dass AMANIKI, seine auf M&A-Underwriting spezialisierte Agentur, nun unter dem Namen Rising Edge M&A (REMA) firmiert und Janin Kauffmann zur Geschäftsführerin ernannt hat. Die Umfirmierung markiere die nächste Phase der Integration von AMANIKI in die Rising-Edge-Gruppe nach der seinerzeitigen Übernahme in 2024. Kauffmann (vormals WTW) wird die Geschäftstätigkeit von REMA in den Niederlassungen in London und Frankfurt leiten, während das Unternehmen seine Kompetenzen im Bereich M&A-Underwriting weiter ausbauen will. Rising Edge M&A wird einen Schwerpunkt auf komplexe, grenzüberschreitende Transaktionen legen.

Mit Solertia hat ein ausschließlich auf Tax-Policen spezialisierter MGA mit Sitz in London und Stockholm den Einstieg in den DACH-Raum vollzogen und bereits erste Risiken gezeichnet, verfügt allerdings derzeit nicht über deutschsprachige Underwriter. Solertia ist Coverholder von Lloyd’s of London.

Fazit

Die Entwicklung des Markts lässt an Rasanz weiterhin nichts zu wünschen übrig. Die Einbindung von künstlicher Intelligenz (KI) in der Due Diligence, die fortschreitende Synthetisierung der Deckung, die ausdifferenzierten Scrapes zur passgenauen Risikoübertragung, die zügig voranschreitende Nutzung von Tax-Policen weit über das Transaktionsumfeld hinaus stellen nur einige der wesentlichen Entwicklungen dar. Unbestritten ist, dass die W&I-Police mittlerweile Standard geworden ist, gewissermaßen zum Handwerkszeug auf beiden Seiten, Käufern und Verkäufern, gehört. Gleichzeitig bleibt es spannend: Kommt die M&A-Dealwelle, vielleicht sogar als Lawine? Wie werden sich dann die Prämien entwickeln? Klar ist, dass die Nachfrage hoch bleiben wird, da der Anteil der Deals mit W&I-Policen weiter steigt, da auch kleinere Risikosummen zunehmend Versicherer finden.

 

„Der Markt wird härter und kreativer“

Nikola Pamler und Birgit Hübscher-Alt, Pollux Partners, im Interview

GoingPublic: Wie bewerten Sie die aktuelle Marktsituation?

Nikola Pamler: Der W&I-Markt bleibt auch 2026 mit über 40 Anbietern von intensivem Wettbewerb geprägt. Die Prämien sind im laufenden Jahr nochmals unter Druck geraten, nachdem bereits 2025 ein deutlicher Rückgang zu beobachten war. Insbesondere bei größeren und gut vorbereiteten Transaktionen sehen wir weiterhin sehr attraktive Konditionen.

Birgit Hübscher-Alt:  Gleichzeitig differenziert sich der Markt bei komplexeren Risiken oder Transaktionen mit schwieriger Due-Diligence-Lage stärker aus. Hier entscheiden nicht allein Preis und Kapazität, sondern vor allem der angebotene Service, kreative Deckungsansätze, der Umfang der Deckung sowie die Erfahrung des jeweiligen Underwriters.

Erwarten Sie bald höhere Prämien?

Hübscher-Alt: Mittelfristig erwarten wir keine Rückkehr zu den Prämienniveaus vergangener Jahre. Der Wettbewerb zwischen Versicherern und MGAs bleibt hoch und die Kapazität im Markt umfangreich. Gleichzeitig bieten viele etablierte Versicherer und MGAs 2026 bewusst kleinere Limits an als früher, während neuere MGAs 2026 mit größeren Kapazitäten „überraschten“. Insgesamt dürfte sich der weitere Preisrückgang jedoch verlangsamen. Die Differenzierung wird künftig stärker über Deckungsumfang und Servicequalität erfolgen. Der Markt wird härter und kreativer.

Wie reagieren die Versicherer und MGAs?

Pamler: Da sich W&I in den vergangenen Jahren zu einem Standardinstrument entwickelt hat, werden auch deutlich mehr Schäden bearbeitet. Mit zunehmender Schadenhäufigkeit rückt die Qualität und Geschwindigkeit der Schadenbearbeitung stärker in den Fokus. Kunden achten bei der Auswahl eines Versicherers oder MGAs zunehmend darauf, wie professionell, schnell und lösungsorientiert Schäden in den letzten Transaktionen bearbeitet wurden. Dabei geraten insbesondere MGAs unter Druck, die nicht auf eine eigene, schlagkräftige Schadenabteilung oder einen einheitlichen Ansprechpartner zurückgreifen können. Der Anspruch der Versicherungsnehmer an eine schnelle, pragmatische und lösungsorientierte Schadenbearbeitung steigt – und wird zunehmend zu einem wichtigen Auswahlkriterium.

Welche neuen Trends sehen Sie bei W&I-Policen?

Hübscher-Alt: W&I entwickelt sich zunehmend von einem reinen „Backstop“ für Verkäufergarantien zu einem strategischen Instrument innerhalb der Transaktionsstruktur. Wir sehen beispielsweise eine stärkere Nutzung bei komplexen Carve-outs, grenzüberschreitenden Transaktionen und Situationen, in denen Verkäufer möglichst umfassend aus ihrer Haftung entlassen werden sollen. Darüber hinaus gewinnen maßgeschneiderte Lösungen für spezifische Risiken und schwierigere Transaktionen an Bedeutung. Während es lange schwierig war, Limits unter 5 Mio. EUR zu versichern, ermöglichen sogenannte Portfolio-Policen heute, mehrere kleinere Zukäufe innerhalb einer bestimmten Branche einheitlich abzusichern – eine interessante Antwort auf den Trend zu Add-on-Transaktionen und den weiterhin zurückhaltenden M&A-Markt.

Pamler: Der Trend geht damit klar weg von der reinen Standard-W&I-Police hin zu einem integrierten Transactional-Risk-Ansatz, bei dem Versicherung gezielt eingesetzt wird, um konkrete Deal-Risiken zu lösen und Transaktionen überhaupt erst zu ermöglichen.

Vielen Dank für die interessanten Einblicke.

Das Interview führte Stefan Preuß.

 

Autorenprofil
Stefan Preuss

Stefan Preuß arbeitet seit mehr als 25 Jahren als Redakteur im Kapitalmarktumfeld. Der gelernte Tageszeitungsredakteur sammelte zudem Erfahrung als Investor Relations Manager. Der Redaktion der GoingPublic Media AG gehört er als ständiger Mitarbeiter mit den Schwerpunktthemen IPOs, Vermögensanlage und Nachfolgelösungen an. Er betreut als Redaktionsleiter die jährlichen Spezialausgaben "Mitarbeiterbeteiligung" sowie "M&A Insurance".

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