KfW-Analyse: Mittelstand trotzt der Ertragsflaute

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Die KfW Bankengruppe verzeichnet im aktuellen Mittelstandspanel eine anhaltende Investitionszurückhaltung bei den mittelständischen Unternehmen in Deutschland. Trotz einer verbesserten Ertragslage verharren die wirtschaftlichen Aktivitäten vieler Betriebe in einer spürbaren Stagnation. Nach Angaben der KfW Bankengruppe stieg die durchschnittliche Umsatzrendite vor Steuern im vergangenen Geschäftsjahr auf 7,5%. Damit erreichten die Unternehmen wieder das Niveau aus der Zeit vor der Corona-Krise. Ursächlich für diesen Anstieg sei vor allem der etwas nachlassende Kostendruck bei den Erzeugerpreisen gewesen. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote der mittelständischen Betriebe verharrte stabil bei 30,7%.

Im Segment der mittleren Unternehmen kletterte die Eigenkapitalausstattung sogar auf einen Höchststand von 36,3%. Gleichzeitig sank der Anteil der Firmen mit einer sehr geringen Eigenkapitalquote unter 10% auf 23,9%. Nur noch 4% der Unternehmen wiesen ein negatives Eigenkapital aus. Die finanzielle Resilienz im Mittelstand habe sich damit insgesamt als erstaunlich robust erwiesen.

Reale Umsätze geraten weiter ins Minus

Die aggregierten Gesamtumsätze der Betriebe stiegen nominal um 1,6% auf 5.261 Mrd. EUR. Preisbereinigt ergab sich jedoch ein Minus von 1,5%. Dies markiert bereits das dritte reale Schrumpfungsjahr in Folge für den Mittelstand. Stabilitätsanker blieben vor allem wissensintensive Dienstleistungen.

Dagegen setzte sich die Talfahrt im FuE-intensiven Verarbeitenden Gewerbe mit einem nominalen Minus von 1,2% fort. Auch die mehr als 3,1 Mio. Kleinstunternehmen kamen wirtschaftlich nicht vom Fleck. Als Wachstumsfaktor erwiesen sich digitale Vertriebswege über Marktplätze und Onlineshops. Die Umsätze aus diesen E-Commerce-Kanälen kletterten um 13% auf 344 Mrd. EUR. Mittelfristig erwarten 29% der Betriebe steigende Umsätze, während ebenso viele Firmen mit Einbußen rechnen.

Investitionsneigung verharrt nahe Rekordtief

Lediglich 40% der mittelständischen Betriebe setzten im abgelaufenen Kalenderjahr eigene Investitionsvorhaben in die Tat um. Im Aggregat sanken die Neuinvestitionen in neue Anlagen und Bauten nominal um 1,4% auf 218 Mrd. EUR. Preisbereinigt belief sich der Rückgang bei den Neuinvestitionen sogar auf 3,7%. Jedes zweite umgesetzte Investitionsprojekt im Mittelstand wies dabei lediglich ein Volumen von maximal 15.000 Euro auf. Das durchschnittliche Investitionsvolumen je investierender Firma sank spürbar auf 187.000 Euro. Der Medianwert der Investitionsquote im Verhältnis zum Umsatz fiel auf 5,4%. Gestützt wurde das gesamte Investitionsvolumen in Höhe von 261 Mrd. EUR vor allem durch Vorhaben in gebrauchte Güter. Laut der KfW Bankengruppe führten 69% der Firmen ihre ursprünglich angedachten Vorhaben tatsächlich wie geplant durch. Für 2026 planen 23% der Betriebe eine Ausweitung, während ebenfalls 23% ihre Budgets kürzen wollen.

Teure Energie bremst betriebliche Vorhaben aus

Als dominierendes Investitionshemmnis stuften 63% der befragten Firmen die Preise für Energie, Material und Löhne ein. Die allgemeine Wirtschaftsentwicklung nannten 61% der Betriebe als gravierenden Hinderungsgrund. Für 58% der Unternehmen stellten gesetzliche Vorschriften und bürokratische Vorgaben eine erhebliche Belastung dar. Zunehmend belasten auch eine unbefriedigende Umsatzentwicklung sowie knappe Liquiditätsreserven die Investitionslaune.

Eigenmittel dominieren die Projektfinanzierung

Mittelständler finanzierten ihre Investitionen weiterhin überwiegend aus dem laufenden Cashflow sowie bestehenden Rücklagen. Das aus Eigenmitteln aufgebrachte Finanzierungsvolumen kletterte auf einen Höchstwert von 141 Mrd. EUR. Der Eigenmittelanteil an der gesamten Investitionsfinanzierung lag damit bei beachtlichen 54%.

Reine Innenfinanzierung machte 48% des gesamten Finanzierungsmixes aus. Lediglich 2% der Mittel stammten aus direkten Einlagen der Gesellschafter. Öffentliche Förderkredite steuerten 32 Mrd. EUR beziehungsweise 12% zum gesamten Investitionstopf bei. Sonstige Finanzierungsformen wie Mezzanine-Kapital oder Beteiligungen erreichten mit 4 Mrd. EUR einen historischen Tiefstand von nur noch 2%.

Zinsanstieg drückt auf die Kreditnachfrage

Die Aufnahme von Neukrediten zur Investitionsfinanzierung erreichte nominal 84 Mrd. EUR. Der Anteil der investierenden Betriebe mit Bankkrediten sank auf 24%. Nur noch 27% der Mittelständler zogen ein Bankdarlehen überhaupt grundsätzlich in Erwägung. Als Hauptgründe für den Verzicht galten der Erhalt der finanziellen Unabhängigkeit und die Furcht vor Verschuldung. Die offizielle Kreditablehnungsquote der Geldhäuser verharrte stabil bei 10%. Dagegen lehnten 35% der anfragenden Kleinstunternehmen erhaltene Kreditofferten selbst ab. Für 63% der gescheiterten Verhandlungen war ein zu hoher Kreditzins ausschlaggebend. Der jährliche Zinsaufwand des gesamten Mittelstands stieg auf 41 Mrd. EUR. Der Anteil der Betriebe mit einer kritischen Schuldentragfähigkeit legte leicht auf 4,9% zu.

Jobmotor Mittelstand verliert deutlich an Tempo

Das Beschäftigungswachstum der mittelständischen Betriebe kam im abgelaufenen Jahr mit einer Rate von 0,0% vollständig zum Stillstand. Ausschließlich Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor verbuchten noch einen Zuwachs von 1,9%. Dagegen bauten die Firmen im Baugewerbe 1,3% ihrer Arbeitsplätze ab. Im sonstigen verarbeitenden Gewerbe beschleunigte sich der Beschäftigungsrückgang sogar auf 2,1%. Insgesamt zählte der deutsche Mittelstand 33,4 Mio. Beschäftigungsverhältnisse. Der demografische Wandel sowie eine rückläufige Erwerbsbevölkerung dämpfen künftige Beschäftigungschancen merklich. 81% aller erfassten Betriebe beschäftigten weniger als fünf Mitarbeiter. Rund 82% aller Firmen erzielten einen Jahresumsatz von unter 1 Mio. EUR.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen.

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