Insolvenzen: Nachholeffekte belasten die deutsche Wirtschaft

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Nach Angaben vom Statistischen Bundesamt verzeichnete die deutsche Wirtschaft im Juli des laufenden Jahres einen spürbaren Anstieg der beantragten Unternehmensinsolvenzen. Gegenüber dem Vorjahresmonat nahm die Menge der behördlich erfassten Verfahren um knapp ein Zehntel zu. Auch in den ersten sieben Monaten dieses Jahres lagen die ermittelten Werte merklich über dem Niveau des entsprechenden Vorjahreszeitraums.

„Die Zahlen steigen, aber sie zeigen weiterhin keinen dramatischen Verlauf“, ordnet Dr. Christoph Niering die jüngsten Daten ein. Er ist der amtierende Vorsitzende vom Berufsverband der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands. Gemäß den fundierten Aufzeichnungen des Verbandes bleibt das gegenwärtige bundesweite Insolvenzgeschehen weiterhin deutlich unter den historischen Höchstständen vergangener Jahrzehnte. Neben anhaltend hohen Kosten und einer schwachen Nachfrage der Konsumenten sind laut dem Verband vor allem Altlasten aus der Coronazeit für diese wirtschaftliche Entwicklung verantwortlich.

Nachholeffekte wirken weiter

Die langfristigen und weitreichenden Auswirkungen der Pandemie verdeutlicht die erneute Insolvenz von Galeria im Oktober überaus deutlich. Es handelt sich hierbei um das mittlerweile vierte Verfahren des bekannten Konzerns seit dem Jahr zweitausendzwanzig. „Galeria ist ein Unternehmen, das in der Coronazeit in die Krise geraten ist und sich seitdem nicht erholen konnte“, sagt der Verbandsvorsitzende. „Der Fall zeigt, dass wir es immer noch mit Nachholeffekten aus der Pandemie zu tun haben. Staatliche Hilfen und die zeitweise ausgesetzte Insolvenzantragspflicht haben damals viele Unternehmen über Wasser gehalten. Wo das Geschäftsmodell dauerhaft nicht mehr trägt, zeigt sich das immer noch mit Verzögerung.“

Subjektive Belastung

Aus Beratungsgesellschaften und Kreditinstituten ist häufig zu vernehmen, dass sich die Lage erheblich zugespitzt habe. Laut dem Verband resultiert dieser Eindruck maßgeblich aus den Personalentscheidungen der vergangenen Jahre. Während der Pandemie befanden sich die Insolvenzzahlen auf einem außergewöhnlich niedrigen Niveau. Daraufhin bauten viele Sanierungsberater und Restrukturierungsabteilungen von Banken ihre Kapazitäten ab. „Wenn die Zahlen jetzt wieder steigen, trifft das auf deutlich dünnere Personaldecken“, erklärt der Insolvenzverwalter. „Die Belastung wird subjektiv als starker Anstieg wahrgenommen. Tatsächlich bewegen sich die Fallzahlen aber weiterhin deutlich unter den Höchstständen. Die gefühlte Krise ist auch eine Kapazitätsfrage.“

Ausblick für die Insolvenzverwaltung

Für die professionelle Insolvenzverwaltung selbst bestehen nach Angaben der zuständigen Branchenvertretung derzeit keinerlei personelle Engpässe. Die Verwalterinnen und Verwalter seien in vollem Umfang auf die zunehmenden Fallzahlen vorbereitet. Entscheidend sei vielmehr, betriebliche Krisen frühzeitig zu erkennen und die verfügbaren Sanierungsinstrumente rechtzeitig einzusetzen. Laut den statistischen Behörden fließen Insolvenzanträge erst nach der ersten Entscheidung des zuständigen Insolvenzgerichts in die amtlichen Zahlen ein. Der tatsächliche Antrag erfolgt in der Praxis häufig rund ein Vierteljahr früher. Daher ist die aktuelle Entwicklung des Warenhauskonzerns noch nicht abschließend abgebildet.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen.

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