Gründungstätigkeit in Deutschland zieht an

Nebenerwerb treibt den Anstieg

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Die Zahl der Existenzgründungen in Deutschland ist 2025 deutlich gestiegen. Rund 690.000 Menschen machten sich selbstständig, nach 585.000 im Jahr zuvor. Die Gründungsintensität kletterte von 115 auf 136 Gründerinnen und Gründer je 10.000 Erwerbsfähige zwischen 18 und 64 Jahren. Getragen wurde der Zuwachs fast ausschließlich vom Nebenerwerb: 483.000 Gründungen entfielen auf diese Kategorie, lediglich 206.000 auf den Vollerwerb. Damit erreicht der Anteil der Nebenerwerbsgründungen mit 70% einen historischen Höchstwert.

Die Zahlen stammen aus dem KfW-Gründungsmonitor 2026, einer jährlichen repräsentativen Bevölkerungsbefragung von KfW Research. Für die aktuelle Ausgabe wurden 50.000 Personen telefonisch oder online befragt; Erhebungspartner ist Verian. Der Gründungsbegriff ist dabei weit gefasst und schließt Freiberufler, Gewerbetreibende, Neugründungen sowie Übernahmen bestehender Unternehmen ein.

Der Arbeitsmarkt schiebt Menschen in die Nebentätigkeit

Als wesentlicher Treiber gilt die Lage am Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote stieg das zweite Jahr in Folge, viele Unternehmen kündigten Stellenabbau an. Als wichtigstes Gründungsmotiv im Nebenerwerb nennen 40% ein höheres oder zusätzliches Einkommen – nach 32% im Vorjahr. Klassische Motive wie Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung verloren dagegen quer über alle Gründungsformen an Gewicht. Sieben von zehn Gründenden waren zuvor abhängig beschäftigt, gut vier von zehn bleiben es auch nach dem Start. Bei Nebenerwerbsgründungen liegt dieser hybride Anteil bei 59%, im Vollerwerb bei 12%. Der Sprung in die hauptberufliche Selbstständigkeit gelingt selten: Im Mehrjahresschnitt schaffen ihn nur rund 8% der Nebenerwerbsgründungen innerhalb eines Jahres.

Jede vierte Gründung stammt aus dem Hörsaal-Umfeld

Das Durchschnittsalter sank leicht auf 34,2 Jahre, 40% der Gründenden sind jünger als 30. Unter diesen jungen Gründenden befanden sich 22% zuvor noch im Studium. Der Anteil der Akademikerinnen und Akademiker unter allen Gründenden liegt inzwischen bei 34%, gegenüber 26% im Jahr 2007. Digitale Angebote gewinnen weiter an Bedeutung: 44% der Gründungen setzen voraus, dass Kunden digitale Technologien nutzen.

Bürokratie kostet rund fünf Stunden pro Woche

Im Schnitt arbeiten Gründende 24 Stunden wöchentlich in ihrer Selbstständigkeit, im Vollerwerb 45, im Nebenerwerb 16 Stunden. Davon entfallen 5,1 Stunden auf die Erfüllung gesetzlicher und regulatorischer Vorgaben – am stärksten belastet sind Unternehmen mit Beschäftigten. Ein Viertel der Gründenden bezeichnet das eigene Vorhaben als Start-up, viermal so viele, wie nach den einschlägigen Kriterien tatsächlich als solches gelten würden. Für 2026 erwartet KfW Research eine Gründungstätigkeit auf ähnlichem Niveau, mit moderatem Aufwärtspotenzial, aber auch Abwärtsrisiken.

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Eva Rathgeber ist Chefredakteurin der Unternehmeredition und verfügt über langjährige Erfahrung in Journalismus, PR und Unternehmenskommunikation. Inhaltlich liegt ihr Fokus auf Mittelstand, Familienunternehmen, Finanzierung, Investitionen, Private Equity, M&A, Nachfolge, Digitalisierung und Innovation.

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