Die Geldwäsche verursacht in Deutschland erhebliche Belastungen für Unternehmen, da sogenannte „Know Your Business“ (KYB)-Prüfungen im Rahmen der Geldwäscheprävention jährlich Millionen Arbeitsstunden binden und hohe Kosten verursachen.
Hoher Aufwand durch manuelle KYB-Prozesse
Nach einer Analyse der WebID Solutions werden in Deutschland jährlich rund 2,1 Millionen KYB-Prüfungen durchgeführt. Diese binden demnach mehr als 3,5 Millionen Arbeitsstunden. Ein Großteil dieses Aufwands sei vermeidbar: Bis zu 3,1 Millionen Stunden könnten laut Unternehmen durch effizientere und stärker digitalisierte Prozesse eingespart werden.
Insbesondere im Bankensektor würden derzeit noch rund 96 % der Onboarding-Prozesse überwiegend manuell abgewickelt, heißt es weiter. Eine manuelle Prüfung eines Niedrigrisiko-Kunden dauere im Durchschnitt etwa 100 Minuten, während teilautomatisierte Verfahren den Zeitaufwand auf rund 30 Minuten reduzieren könnten.
Deutliches Einsparpotenzial bei den Kosten
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der unterschiedlichen Prozessgrade fallen erheblich aus. Laut den Berechnungen von WebID belaufen sich die jährlichen Kosten manueller KYB-Prüfungen auf rund 5,6 Mrd. EUR. Durch Teilautomatisierung könnten diese auf etwa 2,5 Mrd. EUR sinken, während bei vollständiger Automatisierung nur noch rund 1,1 Mrd. EUR anfallen würden.
Das entspreche einem Einsparpotenzial von bis zu 80 %. Die Analyse basiert nach Angaben des Unternehmens auf internen Auswertungen, branchenüblichen Prozesszeiten sowie regulatorischen Vorgaben.
Mehrere Branchen stark betroffen
Die Belastung durch KYB-Prüfungen verteilt sich laut der Untersuchung auf verschiedene Branchen. Kreditinstitute führen demnach jährlich rund 980.000 Prüfungen durch. Hinzu kommen mindestens 808.100 Prüfungen in Notariaten sowie zwischen 200.000 und 220.000 bei Steuerberatern. Wirtschaftsprüfer und Immobilienmakler sind mit rund 70.000 beziehungsweise mindestens 58.100 Prüfungen pro Jahr ebenfalls betroffen.
Damit zeige sich, dass die Effizienzprobleme nicht auf einzelne Sektoren begrenzt seien, sondern weite Teile der Wirtschaft betreffen.
Steigende regulatorische Anforderungen ab 2027
Mit Blick auf die kommende EU-Anti-Geldwäscheverordnung (AMLR), die ab Juli 2027 gelten soll, dürfte der Druck auf Unternehmen weiter steigen. Die Verordnung sieht eine europaweite Vereinheitlichung und Verschärfung der Anforderungen vor.
Nach Einschätzung von WebID werde dies dazu führen, dass Unternehmen häufiger Prüfungen durchführen, zusätzliche Datenquellen einbeziehen und umfangreichere Dokumentationspflichten erfüllen müssen. Vertreter des Unternehmens werden mit der Einschätzung zitiert, dass weniger die Menge der Prüfungen als vielmehr deren ineffiziente Durchführung das zentrale Problem darstelle.
Ohne eine stärkere Digitalisierung der Prozesse sei daher mit weiter steigenden Kosten und zusätzlichem personellen Aufwand zu rechnen.








