EU Family Business Survey: Familienunternehmen sehen den Binnenmarkt ausgebremst

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Eine Befragung von 2.100 Unternehmensführern in sieben europäischen Ländern zeigt hohe Erwartungen an den gemeinsamen Markt – und geringes Vertrauen in die Entbürokratisierungsversprechen der Europäischen Union.

Die Stiftung Familienunternehmen hat am 28. September 2026 in Brüssel ihren EU Family Business Survey vorgestellt. Befragt wurden 2.100 Unternehmensführer in sieben europäischen Volkswirtschaften, rund 80 Prozent davon aus Familienunternehmen aller Größenklassen. Durchgeführt wurde die Erhebung von Edelman Intelligence unter Mitwirkung des ifo Instituts. Gegenüber der Vorgängerbefragung aus dem Jahr 2025, die Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien abdeckte, kamen diesmal die Niederlande, Polen und Schweden hinzu.

Die Unternehmen setzen auf Europa, trauen den Institutionen aber wenig zu

Der Binnenmarkt bleibt für die Befragten ein Wachstumsversprechen – allerdings nur unter der Bedingung, dass er tatsächlich zusammenwächst und wettbewerbsfähig wird. Dass die europäischen Institutionen ihre Zusagen zur Bürokratieentlastung einlösen, erwarten nur wenige Unternehmen, in Deutschland am wenigsten. Mit einem besseren Geschäftsjahr binnen zwölf Monaten rechnet im Durchschnitt nur die Hälfte der Befragten. In Polen, Schweden und Deutschland überwiegt die Einschätzung, dass die Europäische Union in den vergangenen zwei Jahren wirtschaftlich an Attraktivität verloren hat. Zugleich haben gerade deutsche und schwedische Unternehmen in diesem Zeitraum am stärksten innerhalb der Europäischen Union investiert, sowohl im Heimatmarkt als auch bei den Nachbarn.

Regulierung bremst Digitalisierung und grenzüberschreitende Expansion

83 Prozent der Befragten geben an, die regulatorische Belastung innerhalb der Europäischen Union hemme ihre Investitionen in die digitale Transformation und in die Expansion über den Heimatmarkt hinaus. Besonders hoch fallen die Kosten der Regelbefolgung in Deutschland und Schweden aus: Dort liegen sie bei 34 beziehungsweise 28 Prozent der Unternehmen über sieben Prozent des Umsatzes. Auch das heimische Steuersystem bewerten Unternehmen in Deutschland, Schweden und Polen im Ländervergleich als besonders unattraktiv. Über alle sieben Staaten hinweg fordern die Befragten neben niedrigeren Gewinnsteuersätzen vor allem eine Vereinfachung und größere Verlässlichkeit der Steuerpolitik.

Vier Stellschrauben sollen Investitionen in Europa freisetzen

Um Investitionen innerhalb der Europäischen Union statt außerhalb zu mobilisieren, nennen die Unternehmen in allen sieben Ländern vier Prioritäten: schnellere Genehmigungsverfahren, niedrigere Arbeitskosten, flexiblere Arbeitsmärkte und mehr Wachstum. Für die Vollendung des Binnenmarkts stehen vereinfachte und möglichst einheitliche Verwaltungsprozesse an erster Stelle, gefolgt von wettbewerbsfähigen und besser verknüpften Energiemärkten – ein Punkt, der vor allem für größere Unternehmen entscheidend ist.

Die Stiftung nennt das Vertrauen in die Omnibus-Initiativen erschreckend gering

David Deißner, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen, verweist auf den Widerspruch zwischen der hohen Wertschätzung für den Binnenmarkt und dem geringen Zutrauen gegenüber den europäischen Institutionen. Die Überzeugung, dass die Omnibus-Initiativen zur Bürokratieentlastung tatsächlich etwas verändern, sei nach seinen Worten erschreckend gering.

Autorenprofil

Philipp Schnattinger studiert International Business Administration an der WHU – Otto Beisheim School of Management.

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