
Mit gezielten Beteiligungen hat sich die Arikon AG von einem klassischen Bauunternehmen zu einem ganzheitlichen Baudienstleister entwickelt, der vor allem ein Ziel verfolgt: effiziente Baulösungen mit konsequenten Datenmanagement zu schaffen.
Vorstandsvorsitzende sitzen in der Regel in den obersten Stockwerken. Um zu Dirk Rommel zu gelangen, muss man derweil ins erste Untergeschoss. Dafür genießt er einen Ausblick auf den neben dem Gebäude fließenden Teltowkanal, eine wichtige Wasserstraße vor allem für Freizeitkapitäne im Süden Berlins.
Der gelernte Bauingenieur war als Kind mit seinen Eltern nach Kanada ausgewandert und hatte dort sein Ingenieurstudium samt MBA absolviert. Nach dem Fall der Mauer kam Rommel nach Neubrandenburg, um einen dortigen Baubetrieb zu restrukturieren. Später wurde er Leiter der deutschen Dependance des brasilianischen Baukonzerns Odebrecht. Als die Brasilianer die Lust am deutschen Markt verloren, übernahm Rommel die deutschen Aktivitäten per Management-Buy-out und gründete die Arikon AG. Was mit Hochbau und Sanierungen begann, ist heute ein auf den deutschen Markt fokussierter Baudienstleister und integrierter Lösungsanbieter für komplexe Bau- und Infrastrukturprojekte. Beide Bereiche machen heute nur noch 40 % des Gesamtumsatzes aus; dazugekommen sind Straßen- und Tiefbau sowie technische Gebäudeausrüstung und Elektrotechnik.
Weitere Geschäftsfelder aufgebaut

Inzwischen baut Arikon mit seinen Partnerunternehmen schlüsselfertige Umspannwerke im Mittelspannungsbereich. Dazu begleitet Arikon als Baupartner das von der Niedax Group (Unternehmeredition 2/2024) initiierte Konsortium von Netz 33, welches in den kommenden Jahren entlang der deutschen Schienentrassen ein hochresilientes Glasfasernetz errichten will, das weitaus komplexer ist als das, was man im normalen Ausbau kennt. Beim Bau der Gigafactory von Tesla im brandenburgischen Grünheide übernahm man verschiedene Infrastrukturaufgaben.
Kölner Dom wird mit eigener Software digitalisiert

der Software MonArch wird der Kölner Dom digital erfasst. Foto: © MonArch System – Kölner Dom
Die ganzheitliche Sicht auf komplexe Bauprojekte zeigt sich auch in weiterführenden Beteiligungen im Bereich der Softwareentwicklung. „Ein Bauwerk besteht im Minimum 50 Jahre, und im Lebenszyklus einer Immobilie fallen eine Unmenge von Daten an, die bislang nicht sinnvoll für die Bewirtschaftung genutzt werden können. Studien zeigen, dass über 90 % dieser Informationen nach der Fertigstellung ungenutzt bleiben oder im Datenfriedhof versickern“, schildert Rommel seine Motivation, sich an einem Softwareunternehmen aus Passau zu beteiligen, das eine Anwendung zur Archivierung von Monumentalbauten namens MonArch entwickelt hat.
Das Ziel der Beteiligung: Bauwerksdaten intelligent und sinnvoll zu vernetzen. Inzwischen ist die Software MonArch zum Standard bei Bauwerken geworden, die oft schon Jahrhunderte stehen – den deutschen Domen. Aktuell wird der Kölner Dom damit digitalisiert, etwa hinsichtlich verbauter Materialien, analoger Pläne und Punktwolken. Restauratoren können so jederzeit auf wertvolles historisches Bauwissen zurückgreifen. „Damit wird dieses Bauwissen dauerhaft über Generationen hinweg gesichert“, so Rommel. Was am Kölner Dom funktioniert, lässt sich nahtlos auf andere langlebige Bauwerke übertragen, denn mit derselben Systemlogik erfasst die Software alle relevanten Bestandsdaten von Infrastrukturen. Baubehörden und Betreiber müssen nicht mehr mühsam suchen, sondern können Entscheidungen sofort auf der Basis lückenloser Daten treffen. „Digitalisierung am Bau ist kein Selbstzweck, sondern eine Voraussetzung dafür, dass das Zusammenspiel vieler unterschiedlicher Akteure reibungslos gelingen kann. In der effizienten Vernetzung von Daten liegt auch der Schlüssel zu echten Effizienzgewinnung, die dann auch als Basis für spätere KI-Nutzung dient“, betont Rommel. „Denn wer auch immer die physische Infrastruktur für die digitale Zukunft baut, muss auch die Daten beherrschen.“
Mit ihrer Holdingstruktur befreit die Arikon AG die Tochtergesellschaften von administrativen Lasten. Dazu gehört auch die Unterstützung bei komplexen regulatorischen Vorgaben: So entspricht die IT-Infrastruktur der Gruppe den strengen Anforderungen für Betriebe im Bereich der kritischen Infrastruktur nach dem Kritis-Gesetz. Mit all diesen Maßnahmen erhalten die Führungskräfte vor Ort den notwenigen Freiraum für das operative Geschäft sowie ein schnelles und lösungsorientiertes Arbeiten direkt auf der Baustelle.
👉 Dieser Beitrag erscheint auch in der aktuellen Magazinausgabe der Unternehmeredition 3/2026 mit dem Themenschwerpunkt „Unternehmensverkauf/M&A“.
KURZPROFIL
Arikon AG
Branche: Bauwirtschaft
Firmensitz: Berlin
Gründungsdatum: 1997
Mitarbeiterzahl: 250
Umsatz: 75 Mio. EUR








