Das verarbeitende Gewerbe in Deutschland steigert seine Produktion so stark wie seit viereinhalb Jahren nicht mehr. Laut S&P Global kletterte der Einkaufsmanagerindex für die Industrie im August auf den höchsten Stand seit 51 Monaten. Ausschlaggebend für die positive Entwicklung sei ein kräftiger Zuwachs bei den Auftragseingängen. Die Neubestellungen wuchsen den dritten Monat in Folge. Vor allem das weltweite Exportgeschäft verzeichnete sehr deutliche Zuwächse.
Der Aufschwung erfasste insbesondere die Hersteller von Vorleistungsgütern. Viele Industrieunternehmen bauten ihre Lagerbestände an Vormaterialien wieder auf. Zudem kurbelten weltweit steigende Verteidigungsausgaben die Nachfrage an. Auch der internationale Bau moderner Rechenzentren stärkte die Auftragslage spürbar. Durch diesen starken Nachfrageschub weiteten die Industriebetriebe ihre Fertigung massiv aus. Die Geschäftsaussichten der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate verbesserten sich deutlich. Der Optimismus erreichte das höchste Niveau seit dem Ausbruch des Nahostkrieges im Februar. Die Zuversicht stieg in fast allen Teilbereichen der heimischen Industrie an.
Lieferketten geraten zunehmend unter Druck
Gleichzeitig verschärften sich die Engpässe bei den Zulieferern. Die Lieferzeiten verlängerten sich im August so spürbar wie seit drei Monaten nicht mehr. Neben der hohen Nachfrage nach elektronischen Bauteilen bremsten logistische Hürden die Abläufe. Niedrige Wasserstände auf dem Rhein behinderten die Frachttransporte zusätzlich. Der weltweite KI-Boom und anhaltende Dürren in Europa verstärkten die bestehenden Lieferprobleme. Um künftige Engpässe zu vermeiden, steigerten die Betriebe ihre Einkaufsmenge spürbar. Die Bestände an Vormaterialien näherten sich dadurch einer Stabilisierung an. Der seit über dreieinhalb Jahren anhaltende Abbau der Lagerbestände verlangsamte sich fast vollständig.
Preise stabilisieren sich
Der Kostendruck für die produzierenden Betriebe blieb unverändert hoch. Besonders teuer blieben Energie, Elektronik und Frachtleistungen. Dennoch schwächte sich der Anstieg der Einkaufspreise messbar ab. Die Teuerungsrate sank auf den tiefsten Stand seit Februar. Bei den Verkaufspreisen blieb die Rate stabil auf dem Juliniveau. Die Auftragsbestände wuchsen wieder deutlich rascher an. Die Bestände in den Fertigwarenlagern nahmen im Gegenzug spürbar ab. Dies deutet auf eine weiterhin sehr robuste und anhaltende Auslastung der Produktionsanlagen hin.
Trotz voller Auftragsbücher zögern die Industriebetriebe weiterhin bei Neueinstellungen. Der Stellenabbau setzte sich den Daten zufolge fort. Allerdings verlangsamte sich das Tempo des Personalabbaus zum dritten Mal in Folge. Der Rückgang fiel so gering aus wie seit September 2023 nicht mehr. Der seit über drei Jahren andauernde Abbau von Industriearbeitsplätzen könnte sich nun bald stabilisieren.
Experten warnen vor Risiken
Phil Smith, Associate Director bei S&P Global Market Intelligence, ordnet die Entwicklung ein. Deutschlands Industrie habe im August einen Gang höher geschaltet. Ein sprunghafter Anstieg der Auftragseingänge treibe das Produktionswachstum. „Angeführt wird der Aufschwung vom Vorleistungsgüterbereich“, betont Smith. Es gebe ermutigende Signale für eine steigende Gesamtnachfrage. Gleichzeitig warnt Smith vor bestehenden Inflationsrisiken bei Beschaffungen: „Ausgebremst werden potenzielle Neueinstellungen weiterhin vor allem vom hohen Kostendruck.“ Gestörte Lieferketten und volatile Ölpreise belasten die Unternehmen weiterhin nach wie vor spürbar. Zudem dämpfen die hohen Beschaffungskosten schnelle Neueinstellungen in den deutschen Werken. Nach Angaben des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. basiert der ermittelte Einkaufsmanagerindex auf den monatlichen Rückmeldungen von rund 420 befragten Industrieunternehmen und Geschäftsführer.








