Bei der Finanzierung eines Unternehmens bestehen üblicherweise zahlreiche Abhängigkeiten. Wie ist es um die aktuelle Kreditvergabebereitschaft der Banken bestellt? Wie groß ist die Bereitschaft, sich mit der gegenwärtigen Unternehmenssituation und – weit wichtiger – mit den Zukunftsplänen zu beschäftigen? Welche Konditionen und Bedingungen – auf Neudeutsch gern „Covenants“ genannt – werden gestellt? Wie nachhaltig (oder auch ganz schlicht: wie lange) steht der Finanzierungspartner zur Verfügung?
Die Empfehlung, eigene Stärken zu nutzen, liest sich, als wäre sie einem Karriereratgeber entsprungen. Davon unabhängig lohnt es, sich die unterschiedlichen Finanzierungsmöglichkeiten bewusst zu machen. Ohne detailliert auf die Fragen der Systematisierung nach Innen- und Außenfinanzierung beziehungsweise Eigen- und Fremdfinanzierung eingehen zu wollen, ist festzuhalten, dass eigentlich jedes mittelständische Unternehmen einen Finanzierungsmix aufweist. So stehen – und das wäre eine weitere Differenzierungsmöglichkeit – bewährte, traditionelle Finanzierungspartner neben alternativen Finanzierungsinstrumenten.
Welche Stellschrauben kann der Unternehmer selbst beeinflussen, um die Finanzierungsstruktur zu verändern, etwa auch mit der Zielsetzung, die Resilienz zu erhöhen oder – um es maritim zu formulieren – heranziehende Stürme abzuwettern? Selbstverständlich gehört eine offene und transparente Kommunikation mit den Finanzierungspartnern in den zwingend einzusetzenden Instrumentenkasten. Nur wer sagt, wie es ist und wie es sich voraussichtlich entwickeln wird, kann darauf bauen, dass ihm weiter Vertrauen (siehe das schöne lateinische Wort „credere“) geschenkt wird.
Mindestens genauso wertvoll – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes – kann der Blick auf das eigene Unternehmen und die darin befindlichen Werte sein. Oft lässt sich die in diesen Assets gebundene Liquidität heben und dadurch der Finanzierungsspielraum spürbar erweitern. Im Bereich des Umlaufvermögens ist Factoring mittlerweile ein bewährtes Instrument, um den Geldzufluss aus den Forderungen zu beschleunigen. Durch deren Verkauf an eine Factoringgesellschaft bekommt das Unternehmen quasi sofort mit Rechnungsstellung das Geld. Im Falle des sogenannten echten Factorings geht zudem das Risiko des Forderungsausfalls auf den Factorer über.
Sale and Lease Back von Maschinen als „Add-on“ im Finanzierungsmix
Gerade bei produzierenden Unternehmen eröffnet darüber hinaus auch das Anlagevermögen Möglichkeiten, hieraus frische Liquidität zu generieren. Mit dem Sale and Lease Back des Maschinenparks bietet sich eine zusätzliche Finanzierungsquelle. Das Grundprinzip ist einfach: Ohne die Nutzung auch nur im Geringsten einschränken zu müssen, verkauft das Unternehmen sein maschinelles Anlagevermögen an die Leasinggesellschaft und least es sofort zurück. Durch die Zahlung des Kaufpreises erhält das Unternehmen Liquidität zur freien Verfügung. Entscheidend für eine solche Transaktion ist die sachgerechte Ermittlung des Kaufpreises. Ein Gutachter mit Erfahrung in der Maschinenbewertung ermittelt den Zeitwert des Maschinenparks. Durch diese Vorgehensweise ist es der Leasinggesellschaft möglich, die Finanzierung allein auf den Wert der anzukaufenden Assets auszurichten. Die Stellung zusätzlicher Sicherheiten oder die Vereinbarung von Covenants ist weder erforderlich noch üblich. Daher ist Sale and Lease Back eine Finanzierungsform, die einerseits direkt auf den im Unternehmen vorhandenen Werten aufsetzt und andererseits ein hohes Maß an unternehmerischer Freiheit gestattet.
Durch das Abstellen auf die vorhandenen Assets entpuppt sich diese Finanzierungsform vielfach als „Add-on“ im Finanzierungsmix. Nicht nur durch das Hinzukommen eines weiteren Finanzierungspartners und die Zuführung frischer Liquidität trägt Sale and Lease Back dazu bei, dass das Unternehmen sein Standing auch bei anderen Finanzierenden verbessert. Das Heben stiller Reserven sowie eine Verkürzung der Bilanz und damit einhergehend eine Verbesserung der Eigenkapitalquote können darüber hinaus dazu beitragen, weitere Finanzierungspartner zu gewinnen.
FAZIT
Mannigfaltige Herausforderungen sind für mittelständische Unternehmen mehr als Anlass genug, sich mit der Frage des richtigen Finanzierungsmixes zu beschäftigen. Neben der Pflege bestehender Partnerschaften lohnt der Blick auf die eigenen Stärken beziehungsweise Werte, um durch deren zielgerichtete Nutzung weitere Finanzierungsquellen zu erschließen. Sale and Lease Back ist dabei eine schnell umsetzbare Finanzierungsoption, die sich unter dem Blickwinkel der unternehmerischen Unabhängigkeit als bemerkenswert effizientes Instrument erweist.
Dieser Beitrag erscheint in der Unternehmeredition 2/2021.

Thomas Vinnen
Thomas Vinnen ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Nord Leasing GmbH. Davor war der Bank- und Diplom-Kaufmann unter anderem in leitender Funktion bei der DaimlerChrysler AG sowie Alleinvorstand eines Wareneinkaufsfinanzierers. Neben seiner Geschäftsführertätigkeit bei Nord Leasing hat er außerdem 2016 die Deutsche Einkaufsfinanzierer GmbH gegründet, Deutschlands starken Mittelstandspartner für die Wareneinkaufsfinanzierung.