Der deutsche Mittelstand steuert weiter auf eine Krise der Nachfolge zu. Laut KfW Research nehmen die Pläne für Stilllegungen deutlich zu. Jedes vierte Unternehmen denkt inzwischen über eine bewusste Geschäftsaufgabe nach. Dies entspricht einer Quote von 25% aller mittelständischen Betriebe. Jährlich sind davon rund 114.000 Unternehmen bis Ende 2029 betroffen. Die Zahl der geplanten Geschäftsaufgaben wächst laut dem Monitoring erneut. Freiwillige Aufgaben ohne Nachfolgelösung werden laut dem Bericht häufiger ins Auge gefasst. Diese Entwicklung hat sich laut den Daten zuletzt beschleunigt. Entscheidungen fallen immer öfter gegen eine Fortführung des Betriebs aus. In absoluten Zahlen gibt es erstmals einen kleinen Überhang an Stilllegungen. Die Senior-Generation zieht sich ohne Nachfolgeregelung aus dem Markt zurück.
Fehlendes Interesse in Familien
Das hohe Alter der Inhaber ist die wichtigste Ursache. Das Durchschnittsalter der Inhaber liegt inzwischen bei über 54 Jahren. Über 2 Mio. Inhaber sind bereits 55 Jahre oder älter. Laut dem Bericht verteidigt das Rentenalter den Spitzenplatz der Gründe für die Geschäftsaufgabe. Viele Inhaber erreichen in den kommenden Jahren die Altersgrenze. Dennoch bleibt das mangelnde Interesse in der Familie ein Problem. Für rund die Hälfte der Unternehmen ist dieser Faktor entscheidend. Die potenziellen Nachfolge-Generationen schrumpfen laut der Studie aufgrund niedriger Geburtenzahlen. Ein Automatismus für Kinder in elterliche Fußstapfen fehlt heutzutage. Senior-Inhaber sind sich dieser schwierigen Sachlage heute bewusster. Familienmitglieder werden laut den Beobachtungen teils von vornherein als Option ausgeschlossen.
Bürokratische Hürden als Hindernis
Bürokratie hat als Faktor für Stilllegungen massiv an Relevanz gewonnen. Laut der Erhebung führen 42% der Unternehmen diesen Grund an. Kein anderer Faktor gewann im Jahresvergleich so stark an Bedeutung. Der zeitliche Aufwand für bürokratische Prozesse ist im Mittelstand hoch. Er entspricht durchschnittlich rund 7% der Arbeitszeit der Beschäftigten. Das sind etwa 32 Stunden pro Monat in den Betrieben. Administrative Hürden schrecken viele potenzielle Nachfolger und Altinhaber ab. Hierzu zählen juristische Fragen und steuerliche Aspekte der Übergabe. Auch Informations- und Meldepflichten belasten den Prozess der Nachfolge. Viele Beteiligte sind mit diesen Themen zum ersten Mal konfrontiert. Die Belastung durch gesetzliche Vorgaben verursacht erhebliche jährliche Gesamtkosten.
Kaufpreisvorstellungen unrealistisch
Die Kaufpreisvorstellungen im Mittelstand sind seit 2019 deutlich gestiegen. Laut Michael Schwartz liegt die Steigerung bei rund 34%. Der durchschnittliche angestrebte Verkaufspreis liegt bei rund 499.000 EUR. Preisbereinigt haben die Vorstellungen seit 2019 um 9,5% zugenommen. Georg von Verschuer kommentiert diese Entwicklung kritisch und sieht Versäumnisse. Er stellt fest, dass viele Unternehmer sich zu spät vorbereiten. „Ein Verkauf erfordert zunächst teilweise gewisse Vorbereitungshandlungen“, betont der Experte. Diese Maßnahmen benötigen jedoch laut seiner Erfahrung Zeit. Werden diese Schritte zu spät ergriffen, ist das Unternehmen unverkäuflich. Zudem verhindern unrealistische Preisvorstellungen oft einen endgültigen Abschluss. Viele Inhaber warten in einer Schockstarre auf bessere Zeiten. Er warnt jedoch, dass hohe Bewertungen nicht wiederkommen. Unternehmer müssen die externe Nachfolge deshalb proaktiv angehen.

Solide und gut geführte Betriebe finden weiterhin erfolgreich einen Käufer. Laut von Verschuer fokussieren sich Finanzinvestoren verstärkt auf das Thema Nachfolge. Ab einem Umsatz von ca. 20 Mio. EUR steigt das Interesse. Auch eine EBITDA-Marge von mindestens 10% sei für Käufer wichtig. Dennoch dominieren familieninterne Übergabewünsche weiterhin die präferierten Varianten. Aktuell wünschen sich 55% der Altinhaber eine Lösung in der Familie. Externe Verkäufe werden im Jahr 2025 von 42% erwogen. Management-Buy-Outs rücken laut dem Monitoring wieder vermehrt in den Fokus. Etwa 28% der Unternehmen ziehen eine Nachfolge durch Mitarbeiter in Betracht. Vorteile liegen hier in der Kontinuität der Prozesse und Kundenbeziehungen. Operative Abläufe können bei dieser Variante oft ohne Schwierigkeiten fortgeführt werden.
Hürden bei der Suche
Die größte Hürde bleibt die Suche nach passenden Nachfolge-Kandidaten. Laut der Statistik sehen 69% aller Unternehmen hier ein Hemmnis. Es gibt schlicht zu wenige Gründerinnen und Gründer in Deutschland. Im Jahr 2024 lag die Zahl der Existenzgründungen bei 585.000. Davon wählten nur 17% den Weg einer Übernahme. Dieser Anteil hat sich seit 2002 mehr als halbiert. Laut dem DIHK sollten Planungen drei Jahre vor Übergabe beginnen. Oft fehlt laut von Verschuer in Betrieben eine zweite Führungsebene. Kundenkontakte und Entscheidungen bündeln sich oft beim Gesellschafter. Dies erschwert die Loslösung des Inhabers vom operativen Geschäft. Fachliche und persönliche Passgenauigkeit ist bei der Suche selten ein Selbstläufer. Nachfolgeinteressierte fehlen oft aufgrund der hervorragenden Arbeitsmarktlage.
Ungeklärte Unternehmensnachfolgen bremsen
Ungeklärte Nachfolgen wirken wie eine Bremse auf die gesamte Investitionstätigkeit. In Betrieben mit kurzfristigen Plänen sinkt das Volumen um 32%. Inhaber scheuen im hohen Alter oft neue finanzielle Verpflichtungen. Dies gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland auf lange Sicht. Laut der GfK nahmen 13.079 Unternehmen an der Befragung teil. Das ZEW beriet das Projekt wissenschaftlich. Nur eine geklärte Nachfolge lässt die Investitionen wieder deutlich ansteigen. Der Planungsstand bei Kurzfristnachfolgen bis 2026 gilt als sehr gut. Dennoch bleibt die Nachfolgelücke laut der Untersuchung insgesamt weiter bestehen. Es braucht nachhaltig mehr Gründungsbereitschaft für den Erhalt des Mittelstands. Der Karrierepfad in der Leitung eines Unternehmens muss eine Alternative werden.






