Sanierung von HeiterBlick durch Einstieg von Pesa abgeschlossen

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Der neue Eigentümer plant den Erhalt der rund 250 Arbeitsplätze in Leipzig. Alle rund 250 Arbeitsplätze am Standort Leipzig bleiben laut dem neuen Eigentümer dauerhaft erhalten. Von diesem Standort aus soll künftig die Expansion in den westeuropäischen Markt erfolgen. Eine entsprechende Vereinbarung wurde nach Angaben der Beteiligten nun unterzeichnet. Das Closing der Transaktion ist laut einer Pressemitteilung für das erste Quartal 2026 vorgesehen. Das Unternehmen stellt individuell gefertigte Straßenbahnen für viele verschiedene Städte her. Zu den wichtigen Kunden gehören unter anderem Leipzig, Würzburg und Dortmund.

Ursachen der wirtschaftlichen Schieflage

Der Traditionsbetrieb war im April des vergangenen Jahres in eine wirtschaftliche Schieflage geraten. Trotz einer hohen Nachfrage führten Nachwirkungen der Corona-Krise zu großen Problemen. Hinzu kamen laut dem Unternehmen steigende Materialkosten sowie Folgen des russischen Angriffskrieges. Dabei spielten auch gestörte Lieferketten eine wesentliche Rolle. Diese Faktoren verursachten massive Finanzierungslücken bei dem Schienenfahrzeugbauer. Ein Sanierungskonzept wurde gemeinsam mit externen Experten erarbeitet. Ziel war die Fertigstellung laufender Aufträge. Zudem sollten neue Kunden für die Zukunft gewonnen werden. Inzwischen liegt das gesamte Auftragsvolumen nach Firmenangaben bei mehr als 350 Mio. EUR. Das Unternehmen konnte sich so am Markt stabilisieren.

Details zum Restrukturierungsprozess

Bei der Erarbeitung des Konzepts half die Transformationsberatung Falkensteg. Ebenfalls beteiligt war ein team der Kanzlei Baker Tilly um Dr. Adrian Bölingen. Als Sachwalter fungierte Dr. Andreas Kleinschmidt von der Kanzlei White & Case. Während der Eigenverwaltung berierten die Experten die Unternehmensleitung bei der Betriebsfortführung. Komplexe Verhandlungen mit Finanzierern und Kunden prägten diesen Zeitraum. Auch die Anpassung von Projektlaufzeiten war laut den Beratern zwingend notwendig. Ein Schwerpunkt lag auf der Absicherung von Bürgschaftsrisiken.

Synergien durch den neuen Eigentümer

Durch die Übernahme wird die Zukunft des Leipziger Traditionsbetriebs gesichert. Pesa ist der größte polnische Hersteller von Schienenfahrzeugen. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt rund 3.700 Mitarbeitende. Der Konzern ist auf den Bau von Regionalzügen und Triebwagen spezialisiert. Auch Straßenbahnen gehören zum Portfolio des neuen Eigentümers. Durch die Integration entsteht laut den Unternehmen ein länderübergreifender Anbieter. Dieser soll den deutschen Markt künftig gemeinsam aus Sachsen bedienen. Die regionale Verwurzelung in Leipzig bleibt dabei ein zentraler Baustein der künftigen Strategie. Dieser Schritt stärkt die Position im Wettbewerb. Die Werke in Polen konzentrieren sich weiterhin auf Mittel- und Südosteuropa. So werden die Kapazitäten innerhalb der neuen gesamten Gruppe optimal verteilt.

„Die besondere Herausforderung lag in der Verbindung von hohen Vorfinanzierungen und volatilen Kostenstrukturen“, erläutert Tillmann Peeters, Generalbevollmächtigter der Firma und Partner bei Falkensteg. An dem Prozess waren zudem Mathias Leon Schneider, Andreas Willeke und Birgit Dehn beteiligt. „Der Einstieg ist ein sehr gutes Ergebnis für die kommunalen Kunden und Gläubiger“, sagt Kleinschmidt. Der Zusammenschluss schaffe laut dem Sachwalter die Grundlage für zuverlässige Abwicklungen. Neue Wachstumschancen im europäischen ÖPNV-Markt sollen so erschlossen werden. Damit endet eine wichtige Phase der Unsicherheit für alle Beteiligten des Verfahrens. Die Produktion läuft nun wieder stabil weiter.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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