Die deutsche Wirtschaft sendet im Spätsommer 2026 deutliche Signale einer konjunkturellen Erholung. Das ifo Institut unter Präsident Clemens Fuest verzeichnet einen spürbaren Anstieg der Zuversicht in den deutschen Chefetagen. Die befragten Führungskräfte beurteilten sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch die kommenden Monate deutlich optimistischer als im Vormonat. Gleichzeitig ging die allgemeine Unsicherheit unter den Betrieben spürbar zurück. Trotz erneut gestiegener Energiepreise setzt sich die wirtschaftliche Erholung fort. Im Verarbeitenden Gewerbe legte der Stimmungsindikator sichtlich zu. Die Manager bewerteten ihre laufenden Geschäfte erheblich besser. Zugleich wich die bisherige Skepsis bei den Erwartungen. Viele Industrieunternehmen planen eine Ausweitung ihrer Produktion in den kommenden Monaten. Mit der aktuellen Auftragslage zeigten sich die Betriebe jedoch weiterhin unzufrieden. Auch im Dienstleistungssektor verbesserte sich das Geschäftsklima spürbar. Die Erwartungen hellten sich weiter auf. Besonders IT-Dienstleister blicken zuversichtlicher nach vorn. Dagegen bleibt die Lage im Bereich Transport und Logistik angespannt. Im Handel konnte das Stimmungsbarometer ebenfalls zulegen. Die Händler zeigten sich zufriedener mit ihren laufenden Geschäften. Vor allem der Großhandel verzeichnete einen kräftigen Stimmungssprung. Im Bauhauptgewerbe verbesserten sich die Zukunftserwartungen merklich. Dagegen wurden die Urteile zur aktuellen Geschäftslage leicht nach unten korrigiert.
Wachstumsprognose angehoben
Die Förderbank KfW korrigierte ihre Wachstumserwartungen für die deutsche Volkswirtschaft nach oben. Nach Einschätzung von KfW Research zeigt sich die hiesige Wirtschaft widerstandsfähiger als zunächst angenommen. Neben der deutschen Entwicklung passte die Bank auch den Ausblick für den gesamten Euroraum an. Als wesentliche Triebfeder gelten anziehende Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe. Vor allem die Exporte der Betriebe stützten die wirtschaftliche Dynamik im Frühjahr spürbar. Dagegen bremst das extreme Niedrigwasser der Flüsse die Binnenschifffahrt und hemmt kurzfristig das Wachstum. Besonders die Schifffahrt auf dem Rhein ist für den industriellen Warentransport unverzichtbar. Können Güter nicht über Wasserwege transportiert werden, weichen Betriebe auf Straße oder Schiene aus. Dies verursacht spürbare Zusatzkosten und logistische Verzögerungen. Zudem belasten geopolitische Konflikte sowie internationale Handelsstreitigkeiten die exportorientierten Betriebe weiterhin. „Wir sehen dennoch Licht“, erklärt Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW. Schumacher verweist auf künftige Impulse durch staatliche Sondervermögen: „Es besteht berechtigte Hoffnung, dass die Industrieproduktion perspektivisch merklich anzieht“, betont Schumacher. Die Experten erwarten ab dem Schlussquartal wieder positive Wachstumsraten. Zugleich rechnen die Volkswirte mit einem Ende der geldpolitischen Straffungen durch die Notenbanken.
Wachstumstreiber in der Industrie
Besonders kräftige Impulse verzeichnen Bereiche wie Datenverarbeitungsgeräte, elektronische und optische Erzeugnisse. Diese Branchen profitieren spürbar von der globalen Nachfrage nach Ausrüstungen für künstliche Intelligenz. Dazu zählen moderne Komponenten wie Fertigungslaser für den Halbleitersektor, beispielsweise für Zulieferer von ASML. Auch der für Deutschland wichtige Maschinenbau spürt direkte Nachfrageimpulse aus dem weltweiten Digitalisierungstrend. Ein stabiler Aufwärtstrend zeigt sich zudem im sonstigen Fahrzeugbau. Dieses Segment umfasst Schienen-, Luft- und Militärfahrzeuge. Neben der Hochtechnologie stützen steigende staatliche Verteidigungsausgaben das verarbeitende Gewerbe. Dieser Trend treibt auch die Nachfrage nach Textilien, Bekleidung und elektrischen Ausrüstungen spürbar an. Dazu zählen moderne Elektromotoren für die zunehmende Elektromobilität.
Europäische Wirtschaft und Preisentwicklung
Im gesamten Euroraum vermieden energieintensive Industriezweige trotz zwischenzeitlicher Preisschocks tiefe Einbrüche. Dies liegt an einer gesunkenen Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Gleichzeitig reagieren die globalen Märkte elastischer auf zwischenzeitliche Versorgungsstörungen. Unter den großen Volkswirtschaften behauptet Spanien die Wachstumsspitze, während sich Deutschland mittelfristig dynamischer entwickelt. Neue Zölle der Vereinigten Staaten auf pharmazeutische Erzeugnisse dämpfen jedoch den Ausblick für die Arzneimittelausfuhren. In Südeuropa kurbelt der Abruf europäischer Fördermittel die staatlichen Investitionen weiter an. Die Teuerung schwächte sich zuletzt tendenziell ab. Höheren Preisen bei Treibstoffen und Gas standen spürbar sinkende Erzeugerpreise bei Nahrungsmitteln gegenüber. Das Risiko für ausgeprägte Zweitrundeneffekte bei Löhnen und Preisen stufen Experten als gering ein. Eine moderate Lohnentwicklung dämpft den mittelfristigen Preisdruck in der gesamten Währungsunion.
Industrieproduktion stützt Gesamtwachstum
Das Analysehaus S&P Global meldet eine Fortsetzung des moderaten Wachstums in der deutschen Privatwirtschaft. Die beschleunigte Expansion der Industrieproduktion überlagerte zuletzt das gedämpfte Geschäft im Dienstleistungsbereich. Laut S&P Global Market Intelligence zog die Nachfrage nach Gütern zum zweiten Mal hintereinander an. Auch die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate verbesserten sich deutlich. Parallel dazu stabilisierte sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt nach einer langen Phase des Stellenabbaus. Im Dienstleistungssektor kam es zu einem leichten Aufbau von Arbeitsplätzen. Im Verarbeitenden Gewerbe schwächte sich der Personalabbau spürbar ab. Die Industriebetriebe vermeldeten kräftige Zuwächse bei Neuaufträgen und Exporten. Dies beruht auf Lageraufstockungen, Rüstungsausgaben und Investitionen in moderne Rechenzentren. „In der Industrie hat die Erholung wieder an Schwung gewonnen“, erklärt Phil Smith von S&P Global Market Intelligence. Die Produktion, die Auftragseingänge und die Exporte verzeichneten spürbare Zuwächse. Smith verweist auf das Zusammenwirken verschiedener Wachstumsfaktoren: „Die bemerkenswerte Aufhellung der Geschäftsaussichten unter den Herstellern deutet darauf hin, dass der Aufschwung auf soliden Beinen steht“, sagt Smith.
Auch für die Dienstleister erwartet der Experte mittelfristig eine Besserung der Geschäftsaktivität. Gleichzeitig verlangsamte sich der Anstieg der Verkaufspreise für Produkte und Dienstleistungen spürbar. Auch der allgemeine Kostenauftrieb schwächte sich leicht ab. Dies entlastet die Kunden und stützt die Nachfrage in den kommenden Monaten.







