Das Beratungshaus MP Corporate Finance erwartet einen deutlichen Aufwärtstrend bei europäischen Industrieübernahmen. Nach einer Studie des Beratungshauses rechnen 74% der Private-Equity-Investoren mit einer steigenden Transaktionsanzahl. Europas Beteiligungsgesellschaften halten über 1,1 Billionen Euro an nicht investiertem Kapital. Die durchschnittlichen Halteperioden stiegen von fünf auf sieben Jahre. Der enorme Exit-Druck sorgt für zusätzliche Dynamik auf dem Markt. Continuation Funds gewinnen an Bedeutung, obwohl dafür meist Bewertungsabschläge von 10% bis 20% anfallen. „Das Umfeld ist nach wie vor nicht ideal“, sagt Roman Göd. Er ist Gründungspartner bei MP Corporate Finance. „Der Handlungsdruck auf Seiten der Investoren ist aber so hoch wie noch nie.“ Laut Roman Göd setzt diese Kombination den Markt unvermeidbar in Bewegung. Das Kapital stammt aus den Jahren 2022 und 2023.
Strategische Käufer dominieren den Markt
Das Interesse an europäischen Industrieunternehmen erreicht laut der Erhebung einen neuen Höchstwert. Ganze 79% der befragten Fachkräfte erwarten ein wachsendes Investoreninteresse. Das entspricht einem Anstieg von rund 11% im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2025. Viele strategische Käufer nutzen die aktuelle Situation bereits für Übernahmen. Der Anteil an Verkäufen an strategische Käufer legte um ganze 82% zu. Transaktionen mit Private-Equity-Investoren stiegen dagegen auf Käufer- und Verkäuferseite nur um 56%. „Durch die Übernahme synergiestarker Wettbewerber versuchen viele Unternehmen das träge organische Wachstum zu kompensieren“, erklärt Roman Göd.
In der regionalen Betrachtung sticht vor allem die DACH-Region hervor. Nach einem mehrjährigen Tief dreht sich das Bild in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Rund 63% der Befragten erwarten eine steigende Anzahl an Transaktionen in dieser Region. Das ist der höchste Wert seit zwei Jahren. Westeuropa steht dagegen wegen hoher Zollbelastungen und des französischen Fiskalumfelds weiter spürbar unter Druck. Die Region Nordics führt den europäischen Vergleich weiterhin an. Dort lenken Verteidigungsinvestitionen von rund 50.000 Mio. EUR viel Kapital in Industrieplattformen. „Die DACH-Region bietet aktuell gute Einstiegsfenster“, erklärt Gregor Nischer. Er ist ebenfalls Gründungspartner bei MP Corporate Finance. Top-Performer werden laut Gregor Nischer nach wie vor zu Spitzenpreisen gehandelt.
Neue Anforderungen an die Rendite
Die Zeiten günstiger Finanzierungen und steigender Multiples sind vorerst vorbei. Fremdkapitalkosten liegen inzwischen bei über 8%. Für attraktive Fondsrenditen braucht es ein operatives EBITDA-Wachstum von 10% bis 12%. Earn-out-Klauseln, Convertibles und Rückbeteiligungen gehören mittlerweile zu den Standardwerkzeugen. „Die Fonds, die in diesem Zyklus überzeugen, bringen echtes industrielles Know-how mit“, betont Gregor Nischer. Positive Signale gibt es bei der Due-Diligence-Komplexität. Die Hälfte der Befragten rechnet mit einer künftigen Vereinfachung der Prozesse. Der wesentliche Grund für diese Entwicklung ist der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Künstliche Intelligenz wird den Due-Diligence-Prozess künftig deutlich beschleunigen. Das ermöglicht Investoren die schnellere Prüfung von Transaktionen.
Engpässe bei Fundraising und Fremdkapital
Das Fundraising-Umfeld bleibt für die meisten Marktteilnehmer angespannt. Nur 24% der Befragten erwarten eine spürbare Besserung. Weltweit fiel das Fundraising 2025 auf unter 600.000 Mio. EUR. Das ist der niedrigste Stand seit fünf Jahren. Beim Fremdkapital erwarten 66% eine Verschlechterung der Verfügbarkeit. Ganze 74% rechnen mit sinkenden Leverage-Niveaus. Private-Credit-Fonds schließen Bankenlücken nur selektiv und zu höheren Kosten. Der Markt bleibt anspruchsvoll.
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