„Buy-and-Build ist für uns kein Selbstzweck“

Interview mit Ahmed Negida, CEO, Digit4U Group, und Dr. Gernot Hofer, CEO, Invest AG

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Die Digit4U Group entstand 2023 aus einem Carve-out und Management-Buy-out – und hat seitdem ein bemerkenswertes Wachstumstempo vorgelegt. Gemeinsam mit der Invest AG als Minderheitsgesellschafter verfolgt das Unternehmen eine Buy-and-Build-Strategie im fragmentierten IT-Services-Markt. Im Interview sprechen Ahmed Negida und Dr. Gernot Hofer über die Rolle eines langfristigen Eigenkapitalpartners, die Integration von Zukäufen und ihre Wachstumspläne bis 2030.

Unternehmeredition: Herr Negida, die heutige Digit4U Group entstand 2023 im Zuge eines Carve-outs und Management-Buy-outs. Warum war dieser Schritt damals richtig?

Ahmed Negida: Nach Jahren starken Wachstums wollten wir unsere strategische Entwicklung eigenständig gestalten. Die Nachfrage nach Digitalisierungs- und Transformationsleistungen nahm deutlich zu; gleichzeitig wollten wir schneller entscheiden und näher an unseren Kunden agieren. Der Carve-out hat uns die Möglichkeit gegeben, Wachstum konsequenter umzusetzen und neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Herr Dr. Hofer, warum hat sich die Invest AG an der Digit4U Group beteiligt?

Dr. Gernot Hofer: Entscheidend war für uns das Managementteam. Ahmed Negida und sein Team hatten nicht nur eine klare Wachstumsstrategie, sondern zudem bereits konkrete Vorstellungen, wie organisches und anorganisches Wachstum zusammenspielen können. Zudem sehen wir den IT-Services-Markt im DACH-Raum aufgrund der Digitalisierung und der hohen Fragmentierung als sehr attraktiv an.

Herr Negida, warum fiel die Wahl auf die Invest AG?

Negida: Wir haben keinen reinen Finanzierungspartner gesucht, sondern einen unternehmerisch denkenden Eigenkapitalpartner. Die Invest AG bringt genau diese Mischung aus langfristiger Perspektive, strategischer Nähe und Netzwerk mit. Besonders wertvoll sind für uns die Zugänge zu Banken, M&A-Beratern und weiteren Finanzierungspartnern. Wachstum braucht Kapital – aber ebenso Erfahrung und Sparringspartner auf Augenhöhe.

Wie wichtig war es dabei, dass die Invest AG als Minderheitsgesellschafter eingestiegen ist und das Management unternehmerisch in der Verantwortung blieb?

Negida: Das war für uns ein zentraler Punkt. Das Management sollte die strategische Führung und die operative Verantwortung weiterhin selbst tragen. Gleichzeitig wollten wir einen Partner, der unternehmerisch mitdenkt, ohne operative Entscheidungen zu überlagern. Die Minderheitsbeteiligung schafft aus unserer Sicht die richtige Balance aus unternehmerischer Freiheit, Governance und zusätzlicher Finanzierungskraft. Gerade in dynamischen Märkten ist diese Kombination aus Geschwindigkeit und Stabilität ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Seit dem Einstieg ist der Umsatz deutlich gestiegen. Was waren die wichtigsten Wachstumstreiber?

Negida: Wir sind konsequent auf unser Kerngeschäft als IT-Service-Provider für Transformations- und Digitalisierungsprojekte fokussiert geblieben. Parallel haben wir Delivery- und Beratungskapazitäten ausgebaut und unsere Position im Public- und Enterprise-Sektor gestärkt. Zusätzlich haben wir gezielt akquiriert – unter anderem im Bereich IT-Security und Managed Services. Diese Ergänzungen stärken unser Portfolio und erhöhen die Skalierbarkeit.

Wie verändert sich mit einem solchen Wachstum auch die Organisation?

Negida: Wachstum bedeutet nicht nur mehr Umsatz, sondern auch höhere Komplexität. Deshalb investieren wir frühzeitig in Prozesse, Standards und Steuerungsmechanismen. Gleichzeitig achten wir darauf, die unternehmerische Kultur zu erhalten und Entscheidungswege nicht unnötig zu verlängern. Unser Anspruch ist es, trotz zunehmender Größe die Agilität eines mittelständisch geprägten Unternehmens zu bewahren.

Herr Dr. Hofer, wie begleiten Sie ein Unternehmen in einer solchen Wachstumsphase?

Dr. Hofer: Wachstum erfordert gemeinsame Zielbilder, schnelle Entscheidungen und Vertrauen. Wir unterstützen dort, wo wir Mehrwert liefern können – etwa bei Finanzierung, Strategie, Kundenzugängen oder beim Ausbau des Managements. Unser Anspruch ist nicht operative Steuerung, sondern partnerschaftliche Begleitung.

Ein zentraler Bestandteil Ihrer Strategie sind Zukäufe. Nach welchen Kriterien wählen Sie Targets aus?

Negida: Buy-and-Build ist für uns kein Selbstzweck, sondern ein Instrument zur Beschleunigung unserer Entwicklung. Wir suchen profitable Unternehmen mit resilienten Geschäftsmodellen, stabilen Kundenbeziehungen und planbaren Umsätzen – insbesondere im Managed-Services-Umfeld. Wichtig sind außerdem kulturelle Passung, Skalierbarkeit und Integrationsfähigkeit. Regional liegt unser Fokus klar auf Deutschland und der gesamten DACH-Region.

Herr Dr. Hofer, worauf kommt es bei Buy-and-Build-Konzepten besonders an?

Dr. Hofer: Entscheidend sind Integration und kultureller Fit. Akquisitionen lassen sich schnell finanzieren – der eigentliche Erfolg entsteht danach. Deshalb achten wir bereits in der Due Diligence darauf, wie ein Unternehmen integriert werden kann. Digit4U hat dafür früh ein eigenes Integrationsmodell entwickelt, um Synergien in Vertrieb, Recruiting und Kundenmanagement systematisch zu heben.

Parallel wurde das Managementteam erweitert. Wie verändert sich Führung in einer Phase starken Wachstums?

Negida: Mit zunehmender Größe braucht es mehr Struktur, klare Verantwortlichkeiten und funktionale Exzellenz. Deshalb haben wir zentrale Rollen wie CFO, COO oder CSO aufgebaut. Die Geschäftsführung wird dadurch strategischer: Der Fokus liegt stärker auf Gruppenentwicklung, Marktstrategie, M&A und der Weiterentwicklung der Organisation. Geschwindigkeit und Stabilität müssen zusammen gedacht werden.

Wo sehen Sie aktuell die größten Marktpotenziale?

Negida: Die digitale Transformation bleibt der zentrale Treiber – sowohl im öffentlichen Sektor als auch in Unternehmen. Besonders dynamisch entwickeln sich Cybersecurity und Managed Services. Gleichzeitig wachsen klassische IT-Services, Security, Datenplattformen und KI-Anwendungen zunehmend zusammen. Genau an diesen Schnittstellen sehen wir unsere langfristigen Chancen.

Mit Blick auf 2030 – wo soll die Digit4U Group stehen?

Negida: Unser Ziel ist, uns zu einem führenden integrierten IT-Service-Provider im DACH-Raum weiterzuentwickeln. Wachstum soll durch eine Kombination aus organischer Entwicklung und gezielten Akquisitionen entstehen. Gleichzeitig wollen wir den Anteil wiederkehrender Umsätze deutlich erhöhen und unser Angebot stärker service- und plattformorientiert ausrichten.

Herr Dr. Hofer, welche Perspektive verbindet die Invest AG langfristig mit dem Unternehmen?

Dr. Hofer: Unser Evergreen-Ansatz bedeutet, dass wir keinen Exitdruck haben. Dadurch entsteht maximale Flexibilität, um die Digit4U Group langfristig zu begleiten und auch Chancen über 2030 hinaus zu nutzen. Die bisherige Entwicklung zeigt, was möglich ist, wenn Management und Investor ein gemeinsames Zielbild verfolgen.

Bedeutet der Evergreen-Ansatz auch mehr Flexibilität bei der Weiterentwicklung des Unternehmens?

Dr. Hofer: Absolut. Ohne festen Exit-Zeitpunkt können Entscheidungen stärker an langfristigen Werttreibern ausgerichtet werden. Das schafft Freiräume für Investitionen, Zukäufe und organisatorische Entwicklung. Gerade in Märkten mit hoher Veränderungsdynamik sehen wir darin einen Vorteil gegenüber klassischen, stärker zeitgetriebenen Beteiligungsmodellen.

Wir danken Ihnen beiden für das interessante Gespräch!

👉 Dieser Beitrag ist auch in der aktuellen Magazinausgabe der Unternehmeredition 2/2026 erschienen.


ZU DEN INTERVIEWPARTNERN

Ahmed Negida ist CEO der Digit4U Group. Er verantwortet den Aufbau der Unternehmensgruppe im Zuge des Carve-outs und Management-Buy-outs seit 2023 und treibt die Expansion durch organisches Wachstum sowie gezielte Akquisitionen im IT-Services-Markt voran.

 

https://digit4u-bs.de/

 

Dr. Gernot Hofer ist CEO der Invest AG. Die Beteiligungsgesellschaft investiert langfristig in mittelständische Unternehmen und begleitet diese mit einem unternehmerisch geprägten Evergreen-Ansatz bei Wachstum und Weiterentwicklung.

www.investag.at

Autorenprofil
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Eva Rathgeber ist Chefredakteurin der Unternehmeredition und verfügt über langjährige Erfahrung in Journalismus, PR und Unternehmenskommunikation. Inhaltlich liegt ihr Fokus auf Mittelstand, Familienunternehmen, Finanzierung, Investitionen, Private Equity, M&A, Nachfolge, Digitalisierung und Innovation.

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