Wirtschaftsprognosen werden trüber

Wirtschaftsprognosen werden trüber
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Kurz vor dem Jahreswechsel ist es auch an der Zeit nach vorne zu schauen. Regelmäßig geben wir hier einen Überblick über die Wirtschaftsprognosen verschiedener Forschungsinstitute, Verbände und Experten. Dabei wird klar, dass sich wegen der zweiten Viruswelle die Aussichten wieder leicht eintrüben.

Die Stimmungslage in den deutschen Firmen ist nach einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) schlechter als vor einem Jahr: Von den 43 Verbänden, die sich in diesem Jahr an der IW-Verbandsumfrage zum Jahresende beteiligt haben, sprechen 34 von einer schlechteren Lage als vor einem Jahr. Dagegen haben die hohen Anforderungen an die Pharmazeutische Industrie zur Bekämpfung der Pandemie zumindest in dieser Branche die Stimmungslage stabilisiert.

Etwas Zuversicht für 2021

Mit Blick auf 2021 zeigt sich in der Wirtschaftsprognose der IW-Verbandsumfrage etwas Zuversicht. Das ist nicht weiter verwunderlich, da es um eine Verbesserung gegenüber dem Krisenjahr 2020 geht. Die in der Befragung erwarteten Anstiege erklären sich besonders aus den gewaltigen Fallhöhen und der schlechten Ausgangsbasis des Jahres 2020. Für eine Reihe von Unternehmen und ganze Branchen wird der hoffnungsvolle Blick auf 2021 aller Voraussicht nach keine Rückkehr zu einem Produktionsniveau von vor der Krise bedeuten.

Im Großteil der deutschen Wirtschaft wird nach der IW-Umfrage für 2021 eine höhere Produktion erwartet. 21 Branchen sehen einen etwas höheren und fünf Verbände sogar einen wesentlich höheren Output. Zu letzterer Gruppe gehören die Automobilindustrie und wichtige Zulieferbereiche wie die Gießereien oder die Stahl- und Metallverarbeitung. Die brutalen Einbrüche im Jahr 2020 relativieren gleichwohl diese positive Erwartungshaltung. Gemäß der Befragung gehen 13 der 43 Verbände davon aus, dass das Produktionsniveau im Jahr 2021 unter jenem des Krisenjahres 2020 liegen wird.

Zurückhaltung bei Investitionen

In 17 der 43 Verbände wird von steigenden Investitionen ausgegangen. Weitere 14 Verbände erwarten gleichbleibende Investitionen. Im Industriesektor gehören zu den Sparten mit wieder ansteigenden Investitionsausgaben zum Beispiel die Chemie- und Pharmaindustrie, der Maschinenbau und die Elektroindustrie. Die zurückhaltende Investitionsneigung schlägt sich auch in Teilen des Finanzgewerbes dämpfend nieder.

Bilanz im Außenhandel „trostlos“

Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V. (BGA) zieht für das abgelaufene Jahr eine düstere Bilanz. Angesichts des erneuten Herunterfahrens der Wirtschaften in Europa, das immerhin für gut ein Drittel des weltweiten Güterhandels steht, erwartet der BGA bis zum Jahresende beim Exportrückgang mindestens eine 12 vor dem Komma. So brach das US-Geschäft bisher um knapp 16 Prozent ein, Großbritannien nahm die Folgen des Brexits vorweg. Die Exporte gingen bislang um 18,5 Prozent zurück. Lateinamerika liegt darnieder. Einziger Lichtblick sind China und Asien, deren Bedeutung während der Corona-Pandemie weiter gestiegen ist. Eine rasche wirtschaftliche Erholung sei möglich, wenn Impfstoffe ausreichend zur Verfügung stehen und die richtigen Lehren aus der Krise gezogen würden. Anton Börner, Präsident des BGA, gibt sich in seiner Wirtschaftsprognose zuversichtlich: „Mehr denn je liegt Deutschlands Zukunft in einem starken Europa, das seine geopolitische Rolle nach und nach annimmt, sich unabhängiger macht und in einer zunehmend multipolaren Welt eigene Akzente setzt, etwa mit neuen Handelsabkommen.“ Dass die Europäische Union und Großbritannien sich sprichwörtlich auf den letzten Metern auf ein Post-Brexit-Handelsabkommen geeinigt haben, sei ein wichtiges Signal für die Wirtschaft, sie in der aktuellen Krisensituation nicht zusätzlich zu belasten.