Wirtschaftsweise heben Konjunkturprognose für 2020 an

Wirtschaftsweise heben Konjunkturprognose für 2020 an
© CHATREE BAMRUNG

Bisher war der Tenor der Wirtschaftsprognosen der vergangenen Monate eher positiv. In zahlreichen Gutachten und Befragungen war in den Grafiken ein „Scharfes V“ zu sehen – also ein starker Einbruch mit einer schnellen Erholung. Der Herbst mit den steigenden Corona-Fällen insbesondere in Europa und die erneuten Beschränkungen in vielen Ländern sorgen nunmehr für ein uneinheitliches Bild bei den Prognosen für die weitere Entwicklung. Zuletzt waren die Wirtschaftsweisen wieder optimistischer als die Politik.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR) – die sogenannten Wirtschaftsweisen – haben ihre Prognose für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland gestern angehoben. Im Sommer prognostizierten sie ein Minus des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 6,5% – nun rechnen sie mit einem Minus von 5,1%. Damit liegen sie in ihren Erwartungen über der Bundesregierung, die einen Rückgang von 5,5% erwartet. Der ökonomische Schaden des Jahres 2020 fiele trotz der Jahrhundertpandemie geringer aus als nach der Finanzkrise 2008.Die Wirtschaftsweisen gehen weiter von einem „ausgeprägten V“ bei der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland aus. Sie erwarten für 2021 ein Wachstum des BIP in Höhe von 4,9%. „Die schnelle Reaktion der Geld- und Fiskalpolitik im Frühjahr hat geholfen, sich selbst verstärkende Abwärtsprozesse zu verhindern. Das Kurzarbeitergeld stabilisiert Einkommen und verhindert einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit“, lobt das Gutachten die Maßnahmen der Bundesregierung während der Pandemie.

ZEW: „Die Euphorie ist vorbei“

Das Mannheimer Institut ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim (ZEW Institut) sieht die aktuelle Lage skeptischer. Die ZEW-Konjunkturerwartungen sinken in der Umfrage vom Oktober um 21,3 Punkte auf einen neuen Wert von 56,1 Punkten. Die Konjunkturerwartungen liegen nach Einschätzung der Experten noch im positiven Bereich, die euphorischen Erwartungen für den Herbst seien jedoch verflogen. „Die ZEW-Konjunkturerwartungen sind im November abermals erheblich zurückgegangen. Dies deutet auf eine deutliche Verlangsamung des wirtschaftlichen Erholungsprozesses in Deutschland hin. Es wird außerdem befürchtet, dass die deutsche Wirtschaft erneut in eine Rezession fallen könnte“, erklärt ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die ZEW-Gutachter sehen Licht und Schatten in der deutschen Wirtschaft: Die Lageeinschätzung verbesserte sich um 6,7 Punkte auf minus 59,5 Punkte. Auch der Export konnte weiter zulegen und erreicht nun schon wieder 90% des Wertes von Februar 2020 vor dem Ausbruch der Pandemie. Gleichzeitig wurde aber ein leichter Rückgang der Produktion verzeichnet. Bei den Auftragseingängen ist zwar weiter ein Wachstum zu verzeichnen – es schwächt sich aber ab.

KfW: Sorgenfalten nehmen zu

Auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sieht in ihrem Mittelstandsbarometer von Oktober eine Eintrübung der Aussichten: Das mittelständische Geschäftsklima gibt um 0,4 Zähler nach. Mit einem Rückgang von 1,8 Zählern auf -5,7 Saldenpunkte ist die Erwartungseintrübung im Mittelstand insgesamt noch moderat. Insgesamt zeigt sich, dass Unternehmen ihre aktuelle Lage etwas besser einschätzen, aber mit größerer Unsicherheit in die Zukunft blicken. „Im Oktober nehmen die Sorgenfalten im Mittelstand angesichts rasant steigender Covid19-Infektionen und absehbaren Geschäftsbeschränkungen wieder zu“, sagt Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. „Die für November beschlossenen Teil-Lockdowns in Deutschland und fast allen anderen europäischen Ländern werden den Konjunkturaufschwung erst einmal unterbrechen.“

Familienunternehmen sind zuversichtlicher

Mittelständische Familienunternehmen haben sich dabei vergleichsweise gut geschlagen, zeigt eine aktuelle Auswertung der Beraterfirma PWC.  Befragt wurden Ende Mai und Anfang Juni 400 mittelständische Firmen in den 27 EU-Ländern sowie der Schweiz, Norwegen, Großbritannien und der Türkei. Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz blicken etwas optimistischer in die Zukunft als ihre Konkurrenten in den übrigen EU-Ländern. 53 Prozent der deutschsprachigen Firmen erwarten, dass sie ihr Wachstum in den kommenden zwölf Monaten halten oder ausbauen werden – EU-weit sind es 48 Prozent. 47 Prozent der Mittelständler in allen 31 befragten Ländern setzten oder setzen in der Covid-Krise Kurzarbeit ein oder versuchen, mit dem Abbau von Urlaub und Zeitguthaben Mitarbeiter zu halten. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind es sogar 56 Prozent – was vor allem an den großzügigen Konditionen für die Kurzarbeit liegen dürfte.

VDMA vermeldet steigende Auftragseingänge

Der Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland erholt sich schrittweise von den Folgen der Corona-Krise. Wie der zuständige Verband VDMA mitteilt, zeigte sich nach dem Rückschlag im August beim Auftragseingang im September 2020 wieder ein positives Bild. „Das Vorjahresniveau wurde zwar noch um real zehn Prozent unterschritten. Die Inlandsorders verzeichneten jedoch erstmals seit Januar dieses Jahres wieder einen Zuwachs“, sagte VDMA-Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers. In den ersten neun Monaten des Jahres verzeichnet der Verband ein reales Minus von 15 Prozent in den Auftragsbüchern des Maschinen- und Anlagenbaus.

Forschungsinstitut IHS Markit sieht Wachstum voraus

Die im Oktober vom Marktforschungsinstitut IHS Markit durchgeführte Umfrage zum Geschäftsausblick zeigte einen zunehmenden Optimismus der deutschen Unternehmen. Die Umfrage, die alle vier Monate durchgeführt wird, ergab dass mehr Unternehmen von einem Anstieg der Geschäftstätigkeiten im kommenden Jahr überzeugt waren als noch im Sommer. Die Unternehmen blieben jedoch pessimistisch in Bezug auf die Rentabilitätserwartungen. Dies wiederum belastet nach Aussage der IHS-Gutachter weiterhin die Investitionspläne.

„Die im Oktober durchgeführte Umfrage zu den Aussichten ergab eine Verbesserung des deutschen Geschäftsklimas seit dem Sommer, wobei die Unternehmen dank der gestiegenen Hoffnung auf einen COVID-19-Impfstoff und der positiven Aussichten für den Handel mit Märkten wie China optimistischer in die Zukunft blicken. Die Stimmung hat sich vor allem im verarbeitenden Gewerbe verbessert, wo die Unternehmen von einer Erholung der Nachfrage profitieren, die sich ihrer Meinung nach in den nächsten zwölf Monaten fortsetzen wird“, erklärt Phil Smith, Associate Director bei IHS Markit.